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Friedrich Hengst lieferte die Fenster für den Wiederaufbau Dresdens

Pirnas traditionsreiche Fenster- und Holzbaufirma Friedrich Hengst auf der Maxim-Gorki-Straße war nach dem zweiten Weltkrieg mit interessanten Aufträgen am Wiederaufbau Dresdens beteiligt. Sie lieferte...

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Von Johnny Hölze u. Georg Prkno

Pirnas traditionsreiche Fenster- und Holzbaufirma Friedrich Hengst auf der Maxim-Gorki-Straße war nach dem zweiten Weltkrieg mit interessanten Aufträgen am Wiederaufbau Dresdens beteiligt. Sie lieferte Türen und Fenster für Hofkirche, Oper, Zwinger, Japanisches Palais und Landhaus, arbeitete in Pillnitz und Moritzburg, war aber auch bei Neugestaltungen, wie zum Beispiel am Altmarkt in Dresden, gefragt. In dieser Zeit übernahm der Betrieb für die Gebäude auch Teile der Innenausstattung, wie die Verkleidung der Heizkörper in der Dresdner Gemäldegalerie. In Pirna gab es Aufträge im Krankenhaus, im Strömungsmaschinenbau und in Schulen.

Mit Beginn des Jahres 1961 wurde der Staat Mitinhaber der Firma. Der Betrieb spezialisierte sich im Laufe der darauf folgenden Zeit immer mehr auf die serienmäßige Fertigung von Fenstern und Türen. Die dazu erforderlichen Holzbearbeitungsmaschinen wurden gekauft. Damit konnten hohe Stückzahlen für Neubaugebiete geliefert werden.

Am 6. September 1970 verstarb der geschäftsführende Komplementär Friedrich Hengst, der Enkel des Firmengründers. Seine Geschäftsanteile erhielten die Witwe und seine beiden Töchter. Christian Dinter, ein Schwiegersohn von Friedrich Hengst, übernahm Anfang 1971 die Geschäftsführung und wurde bei der Verstaatlichung 1972 zum Direktor ernannt. Er hielt das Unternehmen als selbstständige Einheit auch in Zeiten der Eingliederung ins Kombinat Hoch- und Tiefbau Pirna zusammen, sodass die Reprivatisierung 1990 ohne größere Probleme durchgeführt werden konnte. Aus dem Kombinat entstanden vier einzelne Betriebe. Sein Sohn Frank Dinter kaufte die Parkettfirma in Arnsdorf und zog 1998 auf die Hugo-Küttner-Straße nach Pirna.

Zum Zeitpunkt der Reprivatisierung zählte der Tischlereibetrieb in der Maxim-Gorki Straße 65 Beschäftigte. Mit dem nach 1990 einsetzenden Bauboom konnte die Zahl der Mitarbeiter bis zum Jahre 2000 auf 105 erhöht werden. Danach begann der drastische Rückgang an Aufträgen und damit der kontinuierliche Abbau der Firma bis zu ihrer endgültigen Insolvenz im Jahr 2007.

Die Autoren sind Schüler des Friedrich-Schiller-Gymnasiums Pirna. Zu ihren Forschungsarbeiten zur Pirnaer Industriegeschichte präsentiert das Stadtmuseum bis 24. Oktober die Sonderausstellung „Gläser, Lacke, Marmeladen“.