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Frieren für den schönsten Tag

Die Sommerwochenenden sind für Hochzeiten besonders beliebt. Nur wer früh aufsteht, kriegt den Wunschtermin.

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Von Juliane Richter

Zwei Kapuzen über dem Kopf sollen Wärme bringen. Doch nach drei Stunden im Freien ist Romy Zehrer einfach nur noch durchgefroren. Im Gegenzug hat die 26-Jährige jedoch die Gewissheit, dass ihre Strapazen auch belohnt werden. Denn sie will an diesem Montagmorgen einen Sommertermin beim Standesamt in der Goetheallee erhaschen und wartet seit 4 Uhr vor verschlossener Tür. Dafür ist sie aber auch die Erste vor der Villa. Drei Stunden später stehen bereits weitere 15 Heiratswillige in einer langen Schlange hinter ihr.

Als das Standesamt 8 Uhr morgens öffnet, stehen gut 20 Leute für ihre Hochzeitstermine an. Eine Anmeldung per Internet ist laut Stadt aus „logistischen Gründen“ derzeit nicht möglich.
Als das Standesamt 8 Uhr morgens öffnet, stehen gut 20 Leute für ihre Hochzeitstermine an. Eine Anmeldung per Internet ist laut Stadt aus „logistischen Gründen“ derzeit nicht möglich.

An diesem Morgen vergeben die Mitarbeiter insgesamt 33 Termine für das letzte Augustwochenende. Weil die Trauungen an Sommerwochenenden so beliebt sind, gehören lange Wartezeiten dazu. Romy Zehrer selbst hätte sich das Warten eigentlich sparen können. Denn sie will nicht den Freitags- oder Samstagstermin, sondern am Donnerstag, dem 28. August, heiraten. „Das ist unser Jahrestag“, sagt sie. Genau sechs Jahre ist sie dann mit ihrer Freundin Ilka Sandig zusammen. Bisher leben die beiden jungen Frauen in Leipzig, wollen aber bald nach Dresden ziehen und deshalb auch hier heiraten. Den Antrag hat Romy Zehrer ganz überraschend auf einer gemeinsamen Reise nach Singapur bekommen. „Meine Freundin hat die Reise und den Antrag über ein Jahr geplant und es vor mir geheim gehalten“, sagt Romy Zehrer.

Weil ihre Freundin arbeiten muss, hat sich die Studentin gemeinsam mit ihrer Mutter nach Dresden aufgemacht. Doch während die Mama im kuscheligen Pensionszimmer schläft, steht Romy im Dunkeln vor der Villa Weigang. „Ach, ich hatte hier keine Angst. Nebenbei habe ich über das Handy auch noch nach einer Hochzeitslocation gesucht.“ Eigentlich hatten die beiden Frauen schon alles gebucht und nur der Standesamtstermin fehlte noch. Doch dann kam plötzlich die Absage ihrer Dresdner Location. Nun müssen sie für sich und ihre 70 Gäste einen neuen Ort finden.

Solche Probleme muss Gina Just nicht lösen. Die 19-Jährige steht für ihren Bruder David seit 5 Uhr morgens in der Schlange. Allerdings nicht zum ersten Mal. Denn schon vor zwei Wochen hat sie ihr Glück am Montagmorgen versucht. „Weil die hier um 8 Uhr aufmachen, war ich eine Viertelstunde eher hier. Aber viel zu spät.“ Denn die Ersten in der Schlange hätten bereits um 19 Uhr am Vorabend dagestanden. „Irgendwann wurde durchgesagt, dass es für den gewünschten Samstag noch zwei Termine gibt. Da waren aber noch 17 Leute vor mir.“ Unverrichteter Dinge musste die Studentin abziehen und gestern wiederkommen. Für ihren Bruder, der in Bayern wohnt, war der Weg zu weit.

Auch Sabine Heinrich und Torsten Wagner haben sich extra den Tag freigenommen, um ihren Wunschtermin zu ergattern. In diesem Sommer ist der 30. August für sie der einzige Tag, der sich mit allen anderen Verpflichtungen vereinbaren lässt. Zehn Jahre kennen sie sich, sind aber erst seit zwei Jahren ein Paar. „Für mich war klar, dass das jetzt für die Ewigkeit ist“, sagt sie. Nach dem Antrag im Dezember in Prag gab es die Ringe und das Kleid samt Schleppe schon im Januar. Auch die Feier auf der Burg Hohnstein in der Sächsischen Schweiz haben sie schon gebucht. Nun hat nur noch der Termin gefehlt. Aber am Ende geht alles glatt – auch weil ihre Mutter ab 4.30 Uhr schon angestanden hat. Am Ende wurden gestern 13 von 33 Terminen vergeben. Insgesamt ist das Standesamt in der Goetheallee bis Ende August nun schon gut ausgebucht: Von den 1.143 veranschlagten Terminen sind 893 schon besetzt.