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Frischekur fürs Offizierskasino

In der Villa des alten Offizierskasinos hat Bautzens Seniorenverband seinen Sitz. Nun lässt er die Fassade sanieren – nach langem Kampf.

Der Eingangsbereich wurde vor zwei Jahren schon mal neu verputzt, weil es hier besonders stark bröckelte. Jetzt kommt die gesamte Fassade des Offizierskasinos an der Löhrstraße in Bautzen dran. Judith Mühldorfer vom Seniorenverband, der hier seinen Sitz h
Der Eingangsbereich wurde vor zwei Jahren schon mal neu verputzt, weil es hier besonders stark bröckelte. Jetzt kommt die gesamte Fassade des Offizierskasinos an der Löhrstraße in Bautzen dran. Judith Mühldorfer vom Seniorenverband, der hier seinen Sitz h © Steffen Unger

Bautzen. Große Freude beim Unabhängigen Seniorenverband in Bautzen: Nach jahrelangem Hoffen und Bangen kann der gemeinnützige Verein nun einen wichtigen Schritt gehen, um sein Domizil an der Löhrstraße zu sichern. Im Herbst werden die Bauarbeiten zur Sanierung der Fassade beginnen. Voller Vorfreude schaut Judtih Mühldorfer, die Vorsitzende des Seniorenverbandes, zusammen mit Architekt Hubertus Sauer auf die Pläne. Obwohl es „nur“ um die Fassade geht, sind die Arbeiten anspruchsvoll – und teuer. Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, ist vieles zu beachten. „Die historische Gliederung muss erhalten bleiben“, sagt Hubertus Sauer. Dazu gehört die Verwendung von fünf verschiedenen Sorten Putz. Ein Kapitel für sich sind die Fenster. Die sind zahlreich und in unterschiedlichen Formen vorhanden. Neue dürfen aber nicht rein, die alten müssen aufgearbeitet werden.

Bei dem Gebäude handelt es sich um das ehemalige Offizierskasino der Husarenkaserne. Es wurde wie die gesamte Kaserne am Käthe-Kollwitz-Platz, die heute Behördenzentrum ist, vor dem ersten Weltkrieg errichtet und gilt mit seinen vielen geschwungenen Elementen als der schönste Jugendstilbau in Bautzen. Für den Seniorenverband, der darin seit 19 Jahren seinen Sitz hat, ist es Freude und Last zugleich. Einerseits bietet das Haus mit runder Eingangshalle und großem Außengelände viel Platz für die Aktivitäten des Verbandes. Man kann davor parken, und dank einer angebauten Rampe sind die Räume auch für Menschen mit Einschränkungen erreichbar. Andererseits ist es teuer, ein so großes Haus zu unterhalten. Zumal der Verband auch für die Sanierung zuständig ist. So steht es im Erbbaupachtvertrag mit dem Freistaat, dem das Haus gehört.

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Immer nur das Notwendigste gemacht

Als der Verband zur Jahrtausendwende einzog, musste er das Objekt, das zuvor zehn Jahre lang leer gestanden hatte, erst einmal auf Vordermann bringen. Mithilfe von ABM-Kräften und freiwilligen Helfern wurden die Räume damals renoviert. Auch später wurde aus finanziellen Gründen immer nur das Notwendigste gemacht. Von „Reparaturen auf niedrigstem Niveau“ spricht Architekt Hubertus Sauer. Er hat Erfahrungen mit historischen Gebäuden, so betreute er seit Anfang der 1990er-Jahre die Sanierung mehrerer Häuser in der Bautzener Altstadt. Seit etwa einem Jahr beschäftigt er sich mit dem Casino an der Löhrstraße. Er hat alle Schäden an der Fassade aufgenommen und die Gespräche mit der Denkmalschutzbehörde geführt. Judith Mühldorfer ist sehr froh darüber. „Wir sind ja keine Baufachleute.“ Mühldorfer ist nicht nur die Vorsitzende des Seniorenverbandes, sondern als halbtags beschäftigte Leiterin des Seniorenbüros auch die einzige hauptamtliche Mitarbeiterin. Alle organisatorischen Aufgaben zu erledigen, ist da manchmal schon ein Kraftakt – geschweige denn, eine umfangreiche Baumaßnahme zu organisieren.

Jahrelang scheiterte das aber schon am Geld. Immer wieder hatte der Verband versucht, Fördertöpfe anzuzapfen. Doch lange vergeblich. Entweder passten die Bedingungen nicht oder es wäre ein hoher Eigenanteil nötig gewesen. Zwischenzeitlich gab es Überlegungen, an einen anderen Standort zu ziehen. „Aber da wäre die Miete zu teuer geworden“, sagt Judith Mühldorfer. Und es wäre nicht mehr so viel Platz gewesen wie an der Löhrstraße. Weil man trotz vieler Hilferufe keinen Ausweg sah, habe man sogar schon in Erwägung gezogen, den Verband aufzulösen, erzählt Mühldorfer. Doch das ist alles vom Tisch. Denn nun liegt ein Förderbescheid vor. Rund eine Viertelmillion fließt jetzt in die Fassadensanierung. Der Verband bekommt dafür Geld aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR, aus dem in ganz Ostdeutschland verschiedene Projekte gefördert werden. „Aber wir hätten das nicht geschafft, wenn wir Herrn Schiemann nicht gehabt hätten“, sagt Judith Mühldorfer dankbar. Denn schon einmal war man beim Versuch, Geld aus diesem Topf zu bekommen, gescheitert.

Arbeiten bis Mitte nächsten Jahres

Der Bautzener CDU-Landtagsabgeordnete Marko Schiemann hat immer wieder versucht, dem Verband unter die Arme zu greifen. Doch auch er musste dabei Rückschläge einstecken. Umso mehr freut er sich, dass er dem Vorstand nun die frohe Botschaft überbringen konnte. „Sie freuen sich sehr“, sagt Mühldorfer stellvertretend für ihre Vorstandsmitglieder.

Bald werden sie über eine Baustelle gehen. Während der Arbeiten, die voraussichtlich bis Mitte nächsten Jahres dauern werden, soll der Betrieb im Haus aber weitestgehend normal weiterlaufen. Rund 150 Menschen, schätzt Mühldorfer, nutzen wöchentlich die Angebote – von Skat und Tischtennis über Computer- und Englischkurse bis zum Sitztanz. Außerdem treffen sich hier Selbsthilfegruppen, und es werden Räume für private Feiern vermietet. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda, so die Vorsitzende, finden auch immer wieder neue Senioren in die Villa, die nun ihren früheren Glanz zurückerhält.

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