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Frischer geht Milch nicht!

In Groß Düben gibt es den ersten Milch-Automaten im Norden des Landkreises. Ziel ist eine regionalere Vermarktung.

Gerti Stechemesser aus Schleife kommt aus der Landwirtschaft, weiß frische Kuhmilch zu schätzen. Sie nutzt die Milchtankstelle, die täglich von 7 bis 20 Uhr geöffnet ist.
Gerti Stechemesser aus Schleife kommt aus der Landwirtschaft, weiß frische Kuhmilch zu schätzen. Sie nutzt die Milchtankstelle, die täglich von 7 bis 20 Uhr geöffnet ist. © Joachim Rehle

Während ein Storchenpaar lässig über die Wiese schreitet und Futter sucht, muht es auf der gegenüberliegenden Seite an der Straße zum Waldsee in Groß Düben. Die 50 Milchkühe der Bäuerlichen Gesellschaft mbH Groß Düben wissen, dass sie gleich gemolken werden. Ein Teil ihrer Milch landet nach dem Melken sofort in einem Automaten in einer schmucken Holzhütte, welche wenige Meter vor dem Stall am Straßenrand steht. Schon von weitem ist die Hütte sichtbar, an der unablässig Autos halten. Die Fahrer kommen aus Weißwasser, Niesky, Forst, Spremberg und Cottbus. Momentan sind hier auch täglich Kennzeichen aus ganz Deutschland und sogar dem Ausland zu sehen. Sie alle wollen Rohmilch aus dem Automaten kaufen. Sie wissen: Milch gibt es nirgendwo frischer als in Groß Düben!

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Die Idee zum Milchautomaten, den ersten im nördlichen Landkreis, hatte Frank Zech, Geschäftsführer der Bäuerlichen Gesellschaft mbH Groß Düben, schon vor Jahren. „Bei den Molkereien wird mit 28 Cent so ein niedriger Grundpreis für den Liter Milch gezahlt, dass wir Erzeuger damit nicht kostendeckend arbeiten können. Um die Milch nicht weiter komplett verhökern zu müssen, haben wir nach neuen Vermarktungswegen gesucht und kamen dabei auf die Idee eines Milchautomaten“, erzählt Zech. Auf den Absatz in Molkereien können die Groß Dübener noch nicht verzichten. Zum einen, weil der Automat erst seit 27. Juli steht. Zum anderen, weil jede der 50 Milchkühe täglich 30 Liter Milch oder mehr liefert. Verkauft werden davon am Automaten pro Tag etwa 60 Liter. An Wochenenden und in Ferienzeiten wie jetzt, wo viele Touristen am Waldsee in Groß Düben, am Halbendorfer See, in Kromlau oder anderswo ihren Urlaub verbringen oder als Radtouristen am Milchautomaten vorbeikommen, sind es bereits bis zu 80 Liter pro Tag. Aus Sicht von Frank Zech ist das schon ein riesiger Erfolg. „Wir hätten nicht gedacht, dass unser Angebot gleich so gut angenommen wird. Wenn es so weiter geht und der Absatz noch steigt, woran ich glaube, haben wir in etwa einem Jahr unsere rund 20.000 Euro Investition für den Automaten und die Hütte drin.“

Hoffen auf Umdenken der Kunden

Kostendeckend läuft der Gesamtmilchabsatz der Groß Dübener dadurch immer noch nicht. Doch Frank Zech hofft, dass sich die Milchzapfstelle weiter rumspricht, langfristig ein Umdenken in der Bevölkerung erfolgt und weitere Angebote regionaler Vermarkter in der Hütte einziehen. Denn regionale Produkte vor Ort zu vermarkten und zu verkaufen, sei ein Gebot der Stunde – und eine Chance, um langfristig für Erzeuger und Konsumenten, Tier- und Pflanzenproduktion bessere und trotzdem wirtschaftliche Bedingungen zu schaffen. „Wir wollen deshalb mit unserem Milchautomaten ein Zeichen in Richtung regionaler Vermarktung setzen; zeigen, wo die Milch herkommt und wie sie entsteht. Vielleicht wird dadurch auch die Arbeit von uns Vieh- und Landwirten mehr honoriert als bislang. Denn wer einfach nur billig im Supermarkt kauft, macht sich kaum Gedanken, wie und unter welchen Voraussetzungen Lebensmittel entstehen.“
Kindergartenkinder im Schleifer Kirchspiel wissen das jetzt. Sie besuchen als Gruppen bereits oft den Milchautomaten. Auch viele junge Menschen nutzen ihn. Meist seien sie überrascht, wie gut die Milch mit ihrem Fettanteil von etwa 4,4 Prozent (im Handel üblich: nur ca. 3,5 %) schmecke, meint Zech. „Die kennen das ja nicht mehr von früher, wie die älteren Bürger, die nun lieber ihre Milch bei uns holen statt im Supermarkt.“ Manch Einheimischer trinkt die Milch sogar gleich aus einer mitgebrachten Tasse. Andere packen ganze Kisten voller Rohmilch ein.

50 Milchkühe hat die Bäuerliche Gesellschaft Groß Düben. Zwei Mal täglich werden sie gemolken. Ein Teil der Milch geht zum Sofortverkauf in den Milchautomaten.
50 Milchkühe hat die Bäuerliche Gesellschaft Groß Düben. Zwei Mal täglich werden sie gemolken. Ein Teil der Milch geht zum Sofortverkauf in den Milchautomaten. © Sabine Larbig

Regionalvermarktung stärken

Die Gefäße können mitgebracht oder vor Ort gekauft werden. In der passend zum Dorfbild gestalteten Holzhütte mit Milchzapfstelle gibt es Ein-Liter-Glasflaschen mit Deckel. Die müssen dann nur noch unter den Hahn gehalten werden, aus dem die auf 5ºC gekühlte Milch läuft. Vorausgesetzt, in den Automaten wurden zuvor 1,20 Euro eingeworfen. So viel kostet ein Liter Rohmilch in Groß Düben. Wer mehr oder weniger Milch haben will, braucht nur das passende Behältnis und muss die entsprechende Menge im Display des Automaten eingeben und bezahlt haben. Und so kommt es nicht selten vor, dass urlaubende Großstädter nicht nur ob der Qualität, sondern auch der Einkaufstechnik wegen gerne Milch holen und danach staunend vor den Tierställen oder im Hofladen der Bäuerlichen Gesellschaft stehen: Dort gibt es nämlich Kartoffeln, Sonnenblumenkerne, Getreide. All das (plus Futter für die Milchkühe) produzieren die fünf Mitarbeiter der 1990 gegründeten Gesellschaft auf den 500 Hektar landwirtschaftlicher Fläche selbst. Während der Hofverkauf als Form regionaler Vermarktung bereits bekannt ist, braucht der Milchautomat Zeit für mehr Bekanntheit. Pushen wollen die Groß Dübener das künftig mit der Aufstellung großer Hinweisschilder, der Nutzung sozialer Netzwerke und Google Maps.

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