merken
PLUS Sebnitz

Frischer Glanz für Kurfürsten-Navi

Neustadts Postmeilensäule bekommt neues Gold. Nicht erwünscht ist dabei jede noch so kleine Brise. Die SZ aber darf zuschauen.

Eine Arbeit für ruhige Hände. Der Maler Michael Donath trägt neues Gold auf die Neustädter Postmeilensäule auf.
Eine Arbeit für ruhige Hände. Der Maler Michael Donath trägt neues Gold auf die Neustädter Postmeilensäule auf. © Dirk Zschiedrich

Sehr vorsichtig und bedächtig sind die Handgriffe des Kunst- und Kirchenmalers Michael Donath, als er das Blattgold aus einer edlen Schachtel nimmt. „Wind können wir gar nicht gebrauchen“, sagt er und grinst. „Ein einziger Windstoß könnte alle Goldblätter wegfliegen lassen und der ganze Marktplatz hier wäre vergoldet“, sagt der freischaffende Künstler aus Dresden. 

Das Blattgold wird mit einem Vergoldemesser aus dem Goldheftchen herausgehoben.
Das Blattgold wird mit einem Vergoldemesser aus dem Goldheftchen herausgehoben. © Dirk Zschiedrich

Deshalb würde er bei windigem Wetter hier draußen an der Postmeilensäule auch nicht arbeiten können. Immerhin kostet ein Blatt Blattgold im Schnitt 1,30 Euro. Der Preis ist an den Goldpreis gekoppelt. Fällt der Goldpreis weltweit, wird auch das Blattgold für die Handwerker preiswerter, steigt der Goldpreis wie gerade jetzt, wird das Blattgold teurer.

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

„Wir bekommen meist eine Info von unserem Händler und dann kaufen wir gleich etwas mehr ein, wenn der Goldpreis gesunken ist“, verrät Michael Donath. Blattgold ist etwa zehntausendstel bis sechstausendstel Millimeter dünn. Es wird in Heften verkauft und liegt zwischen Pergament. In einem solchen Heft befinden sich überwiegend 24 Blattgoldblätter. Wie viele Blätter der Kunst- und Kirchenmaler für die Goldverzierungen an der Postmeilensäule benötigen wird, kann er nicht einschätzen. Dort müssen die vier kleinen unteren Posthörnchen neu vergoldet werden, ebenso wie die Verzierungen an Wappen und Kronen.

Im nächsten Schritt wird das zarte Gold passend mit dem Vergoldemesser zugeschnitten.
Im nächsten Schritt wird das zarte Gold passend mit dem Vergoldemesser zugeschnitten. © Dirk Zschiedrich

Und das ist sehr zeitaufwendig und braucht viel Fingerspitzengefühl. „Bevor ich das 24 Karat Naturgold auftragen kann, muss ich im ersten Schritt die Flechten, Mose und andere Ablagerungen auf den beschädigten Stellen entfernen“, erklärt Michael Donath seine Arbeit. „Danach trage ich Schellack auf, in vier bis fünf Schichten.“ Im nächsten Schritt wird ein besonderes Öl auf die mit Schellack behandelten Flächen gestrichen. „Ich benutze Zwölf-Stunden-Anlegeöl für Blattgold. Das heißt, das Öl muss zwölf Stunden trocknen. Dieses Öl entwickelt eine gewisse Klebekraft.

Die einzelnen Goldstreifen werden mit einem Eichhörnchenhaar(Feehaar)-Pinsel aufgenommen.
Die einzelnen Goldstreifen werden mit einem Eichhörnchenhaar(Feehaar)-Pinsel aufgenommen. © Dirk Zschiedrich

Meist mache ich das nachmittags. Dann kann ich am nächsten Vormittag mit dem Auflegen des Blattgoldes beginnen“, sagt der Kunst- und Kirchenmaler, der seinen Beruf seit 33 Jahren ausübt. Bis Ende der Woche will er alle Arbeiten an der Neustädter Postmeilensäule fertiggestellt haben. Dazu gehören neben der Erneuerung der Goldverzierungen auch die Schriftzüge sowie alle weiteren Ornamente wie die kursächsischen Wappen.

Hier kommt auch Spezialfarbe zum Einsatz. Diese Farben bestehen aus verkochtem Leinöl und reinsten Metallpigmenten. „Dadurch halten sie der Witterung stand. Sie neigen nicht zum Absplittern.“, sagt Michael Donath. Ähnlich sehe es mit dem Gold aus. „Auch beim Gold ist das so. Das Naturgold mit 24 Karat, was ich benutze, ist sehr lange gegen alle Umwelteinflüsse resistent“, versichert der Experte. Bereits während der Wendezeit hat er an großen Projekten mitgewirkt. So arbeitete er unter anderem von 1987 an sieben Jahre lang bei der Restaurierung der Innenräume des Schlosses Albrechtsberg in Dresden mit. In Neustadt steht demnächst eine weitere Arbeit auf dem Plan.

Zum Schluss wird das hauchzarte Gold mit einem Haarpinsel (Anschießer)auf die Säule leicht angedrückt.
Zum Schluss wird das hauchzarte Gold mit einem Haarpinsel (Anschießer)auf die Säule leicht angedrückt. © Dirk Zschiedrich

Über dem Schlosseingang Langburkersdorf brauchen die beiden Wappen eine heraldische Farbfassung. Die Stadt Neustadt hat sich die Restauration ihrer Postmeilensäule rund 4 500 Euro kosten lassen. Die kursächsische Säule von 1729 ist denkmalgeschützt. Sie war von Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen in Auftrag gegeben worden. Zuletzt wurde sie von Dezember 2007 bis Februar 2008 saniert. Im Jahr 2000 wurde sie durch einen Autounfall beschädigt.

Das Thema Gold hat in Neustadt übrigens eine sehr lange Geschichte. Wie René Teich aus Langburkersdorf auf seiner Homepage berichtet, gab es bis Ende 1481 eine Goldwäscherei im nahe gelegenen Hohwald. Und in einer Akte des Oberbergamtes Freiberg von 1569 wird auch Neustadt wieder als Goldfundstätte ausgewiesen. Der Goldbergbau bei Neustadt wird um 1590 als noch „gangbar“ bezeichnet und als ein aus mehreren Gruben bestehendes Werk. Über die genaue Lage dieser Goldgruben und deren Ausbeute sei jedoch nichts überliefert worden.

Mehr zum Thema Sebnitz