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Frischer Wind, kaltes Zimmer, warmer Start

Am Montag hat Kati Wenzel den Chefsessel im Jonsdorfer Gemeindeamt bezogen. Die erste Aufgabe der neuen Bürgermeisterin ist auch gleich eine millionenschwere.

Kati Wenzel ist Jonsdorfs neue Bürgermeisterin. Am Montag hat sich die 37-Jährige zum ersten Mal an den Schreibtisch ihres Vorgängers gesetzt.
Kati Wenzel ist Jonsdorfs neue Bürgermeisterin. Am Montag hat sich die 37-Jährige zum ersten Mal an den Schreibtisch ihres Vorgängers gesetzt. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Das Büro ist groß - und kalt. Kati Wenzel muss erst einmal die Heizkörper aufdrehen. Beinahe vorsichtig setzt sich die 37-Jährige dann in den weißen Chefsessel hinterm Schreibtisch. Der Sessel wirkt, als wäre er viel zu groß für die zierliche junge Frau. 

Kati Wenzel schmunzelt verschmitzt. "Wartet's ab, ich werde mich hier schon einrichten", könnte das heißen. An ihrem ersten Arbeitstag hat sich Jonsdorfs neue Bürgermeisterin business-schick gemacht. Die 37-Jährige trägt Etuikleid und Blazer.

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Sie wirkt in dieser Amtsstube ihres Vorgängers buchstäblich selbst wie der frische Wind, den sie angekündigt hat, und den sie jetzt in die Gemeindeverwaltung bringen will. Die Erwartungen an die Neue sind groß. Immerhin Dreiviertel aller Jonsdorfer haben bei der Wahl im September für sie gestimmt.

Erste Bürgermeisterin der Ortsgeschichte

Gemeindesekretärin Marlies Köhler steht dem frischen Wind offen gegenüber. Sie hat ihrer neuen Chefin eine weiße Orchidee fürs Fensterbrett geschenkt. Nach Horst Zimmermann und Christoph Kunze ist Kati Wenzel jetzt der dritte Bürgermeister, für den sie arbeitet. Jetzt eben eine Bürgermeisterin - die erste in der Jonsdorfer Ortsgeschichte. Marlies Köhler freut sich auch diesmal auf eine gute Zusammenarbeit.

Christoph Kunze ist an diesem Montag aber auch noch da. Er hat sich an den Schreibtisch des Bauhof-Leiters gesetzt und arbeitet seine handgeschriebene Liste ab. Auf der hat er alles notiert, was noch zu tun ist, ehe er sich endgültig in den Ruhestand verabschiedet. Kunze will seiner Nachfolgerin einen warmen Start ermöglichen und ihr die Geschäfte geordnet übergeben. Am Telefon meldet er sich an diesem Montag mit "Bürgermeister a. D.".

Ganz oben auf dem Stapel mit den Übergabe-Papieren liegt der Entwurf des Fördermittelantrags für die Schulturnhalle. Christoph Kunze hat den Antrag schon vorbereitet. Die Sanierung der Turnhalle zum Erfolg zu führen, das wird nun Kati Wenzels erste große Aufgabe sein. Und es ist auch gleich eine millionenschwere. "Wir werden das als Gemeinde stemmen", sagt sie zuversichtlich. Schon in der ersten Gemeinderatssitzung unter ihrer Leitung in der kommenden Woche wird sie das Thema auf die Tagesordnung setzen.

Auch den Fördermittelantrag für eine neue Straßenbeleuchtung auf der Zittauer Straße wird sie schnellstmöglich auf den Weg bringen. Die alten Laternen stammen noch aus den 1960er Jahren. Da wird es Zeit, sie auszuwechseln. Kati Wenzel sprüht vor Tatendrang. Jonsdorf braucht schnellstmöglich einen besseren Internetauftritt.

Job als Bankkauffrau gekündigt

Die Sanierung der Eishalle und des Schmetterlingshauses sind zwei Großprojekte, die keinen Aufschub dulden. Für die Grundschule, die jetzt wieder in Gemeindehand ist, muss der Schulbetrieb sichergestellt werden. Der Tourismus braucht neuen Schwung.

Es gibt viel zu tun für die neue Bürgermeisterin. So viel, dass sie ihren Job als Bankkauffrau bei einem Zittauer Finanzdienstleister mit ihrem Amtsantritt gekündigt hat. Obwohl der Gemeinde mit reichlich 1.500 Einwohnern gar kein hauptamtlicher Bürgermeister zusteht. Aber auch mit dem Ehrenamt, sagt Kati Wenzel, werde die Familie finanziell klarkommen. Gemeinsam mit ihrem Mann, der im Vertrieb einer Sanitätsfirma arbeitet, vermietet sie in Jonsdorf auch ein Ferienhaus.

"Ich kann mir nicht vorstellen, diesen Job als Bürgermeisterin nur nebenbei zu machen", sagt sie. "Das traue ich mir nicht zu." Die Jonsdorfer wissen das Engagement zu schätzen. Kati Wenzel kommt auch mit vielen positiven Vorschusslorbeeren ins Amt. Schon am Morgen stehen die ersten Gemeinderäte vor ihrer Tür, um Themen zu besprechen. Und zu Mittag hat sie die Chance, ihre einzigen Mitarbeiter zu treffen - die fünf Kollegen vom Bauhof, die im Ort unterwegs sind, kommen zur Mittagspause ins Gemeindeamt. Die Einrichtung des Chefzimmers kann warten.  

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