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Frischlinge an der Pumpe

Instabile Nachwuchsarbeit: Während sich das THW Riesa vor Nachfragen kaum retten kann, sieht es bei den Radebeuler Kollegen dürftig aus.

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Von Doreen Hübler

Ein Verein hat durchaus Gemeinsamkeiten mit einer Kneipe: Bietet der Gastwirt ein abwechslungsreiches Programm, bleiben die Gäste dem Tresen erhalten. Findet ewig nur das gleiche Einerlei statt, wird irgendwann auch der treuste Stammkunde gelangweilt in ein anderes Etablissement flüchten. So lautet zumindest die Theorie von Oliver Schmitt. Der 26-Jährige ist Leiter der Jugendgruppe des Technischen Hilfswerks (THW) Riesa. „Wir können uns nicht über zu wenige Interessenten beklagen“, sagt er. „Das liegt zu einem Großteil an den vielfältigen Aktionen, die wir unserem Nachwuchs bieten.“

Erst kürzlich feierte der Riesaer Ortsverband des THW sein zehnjähriges Jubiläum. Die Jugendgruppe der Vereinigung besteht immerhin seit sieben Jahren und war stets ein begehrtes Freizeitziel für die Jugendlichen aus dem Umland. „Derzeit kommen sogar so viele Anfragen, dass die Gruppe ihre Kapazitäten erreicht“, so Schmitt. Momentan sind etwa 20 Mitglieder registriert. Im Idealfall sollten sieben Nachwuchs-Retter durch ein alteingesessenes Mitglied der Gemeinschaft betreut werden. „Wenn sich die Zahl der Bewerber noch mehr erhöht, können wir diese Auflage nicht mehr erfüllen“, sagt er.

Ohne Aktion kein Nachwuchs

Bianka Fröde ist seit etwa einer Woche die neue Landesjugendleiterin der THW-Helfer in Sachsen. Sie stellt gravierende regionale Unterschiede fest, wenn es um die Nachwuchsarbeit in den Ortsverbänden des Hilfswerks geht. „Es gibt Gruppen, die haben Zulauf ohne Ende und wiederum andere, die dümpeln seit Jahren vor sich hin“, sagt Fröde. Sie bestätigt die Rechnung des Riesaer Kollegen: ohne Aktion keine neuen Mitglieder. „Ein wenig Werbung ist notwendig, um auf sich aufmerksam zu machen.“ Die Arbeit beim THW hätte aber durchaus Aspekte, die auch ohne großes Getöse für junge Leute interessant seien. „Da wäre unter anderem die Tatsache, dass sich Männer durch das Engagement beim Werk die Zeit beim Bund sparen können“, sagt sie. Sechs Jahre beim THW werden vom Staat mit zehn Monaten bei der Bundeswehr gleichgesetzt. „Wir bieten den Jugendlichen außerdem eine breit gefächerte Ausbildung.“ So würde der Nachwuchs in der Nutzung technischer Gerätschaften und der Anwendung von Erste-Hilfe-Maßnahmen geschult. „Mit 18 Jahren legen die Jugendlichen dann eine Prüfung ab und können nach dem Bestehen bei allen Projekten selbstständig mitwirken“, sagt Fröde.

Bei der Jugendgruppe des Radebeuler THWs ist es um den Nachwuchs eher spärlich bestellt. Derzeit üben sich lediglich sechs Jugendliche zwischen zehn bis 17 Jahren an Wasserpumpen und Bohrgeräten. „Die heutige Generation ist wahrscheinlich zu faul für Vereinsarbeit“, sagt Hendrik Nietzold, der Leiter der örtlichen Jugendgruppe. Ab und an rühren die Radebeuler die Werbetrommel, um dem Problem entgegen zu wirken. „Auf einschlägigen Veranstaltungen im Umkreis trifft man immer wieder mal auf jemanden, der sich für die technischen Vorgänge und das Abenteuer interessiert“, sagt er. „Im Normalfall stoßen die Leute aber durch Mund-Propaganda zu uns oder, weil die Arbeit bereits zur Familientradition gehört.“