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Wer macht jetzt die Haare schön?

Während der Corona-Krise ist der Friseur-Besuch verboten. Viele Kunden lassen trotzdem nicht locker. Deshalb hat Melissa Halang aus Oberseifersdorf eine Idee.

Auch Melissa Halang musste ihr Friseurgeschäft in Oberseifersdorf schließen.
Auch Melissa Halang musste ihr Friseurgeschäft in Oberseifersdorf schließen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Mal einfach so durchs Dorf gehen, ohne auf ihr Geschäft angesprochen zu werden, ist in diesen Tagen für Melissa Halang in Oberseifersdorf nicht möglich. "Ich kann wirklich keine Ausnahme machen", sagt sie immer wieder. Die 51-Jährige ist Friseurin. Und wie alle in ihrer Branche musste sie ihr Geschäft wegen der Corona-Pandemie schließen.

"Am letzten Arbeitstag hatte ich es am 20. März schon geahnt, dass wir alle nach dem Wochenende unsere Geschäfte schließen müssen", erzählt sie. Bei einer 91-jährigen Frau hatte sie dann am Sonnabend noch einen Hausbesuch gemacht. Und am Montag, dem 23. März, kam es dann auch so. Eine Kundin hatte sie schnell noch angerufen, ob sie kurzfristig dennoch kommen könnte, aber da ging es schon nicht mehr. 

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"Obwohl es ständig in den Nachrichten kommt, manche Leute glauben es einfach nicht", erzählt sie. Melissa Halang kann ihre Kunden schon verstehen. Schließlich will jeder anständig um die Haare aussehen. Männern geht es da nicht anders als Frauen. Die Oberseifersdorferin hat sich jetzt auch selber die Haare geschnitten, was sie sonst nie macht. Nun sind sie viel kürzer. 

"Das klingt verrückt, aber wir haben es ernsthaft überlegt"

Melissa Halang grübelt, wie sie trotzdem helfen könnte. "Was soll ich machen", hat sie ein junger Mann aus der Nachbarschaft gefragt. "Ich habe ernsthaft überlegt, ob ich meine Haarschneidemaschine desinfiziere und sie ihm borge", gesteht sie. Mit dem größten Aufsatz darauf, wäre es vielleicht gegangen. "Sicherlich wäre es nicht perfekt geworden, aber vielleicht besser, als gar nicht schneiden", fügt sie hinzu.

Ihr Plan sah so aus: Sie steht mit fünf Metern Abstand zu ihm und sagt seiner Freundin, was sie machen soll. "Das klingt verrückt, aber wir haben es ernsthaft zusammen überlegt", erzählt Melissa Halang. Aber dann kam Entwarnung. Der junge Mann hatte es sich anders überlegt. Warum auch immer. "Ich halte es noch aus", hat er gesagt.

Kurz darauf hat die Friseurin dann doch eine Ausnahme gemacht und etwas von ihrem Handwerkszeug verliehen, was sie sonst nie macht. Bei einer Kundin gab sie nach und borgte ihrer Tochter eine Kopfhaube, damit sie sich zu Hause selber helfen können. 

Und am Dienstag hielt auf der Straße plötzlich ein Auto an. "Melissa schau mal, mein Enkelkind hat selbst Hand angelegt", schilderte die Bekannte aus dem Dorf. Der etwa Fünfjährige im Auto sah es gar nicht so verbissen. "Das habe ich doch gut gemacht. Und wenn der Friseur wieder auf ist, helfe ich Melissa beim Haare schneiden", erzählte der Kleine selbstbewusst. 

Der Ansturm wird groß sein

Das Schild mit den Öffnungszeiten an ihrer Tür zum Geschäft ist bei Melissa Halang jetzt durch ein Blatt Papier verhangen. Darauf bittet sie ihre Kunden um Verständnis und um eine Terminabsprache, wenn die strengen Corona-Auflagen wieder gelockert werden. Dann will die 51-Jährige sogar Sonnabend ihr Friseurgeschäft öffnen und wahrscheinlich auch ab und an abends länger machen, weil der Ansturm groß sein wird. Vor allem für Männer wird das eine Umstellung sein. Die kämen nämlich gern spontan vorbei. 

"Vielleicht hat Corona auch etwas Gutes", meint sie. Einige Leute besinnen sich, dass es auch in ihrem Ort kleine Geschäfte gibt. "Einige wissen gar nicht, dass wir in Oberseifersdorf sogar zwei Friseure haben", fügt sie hinzu. Und Eis essen könne man auch hier gehen. Der Straßenverkauf sei beim "Oberlausitzer Bauernhofeis" noch geöffnet. 

Jetzt, in Zeiten der Corona-Krise, ist Melissa Halang  froh, dass sie ihr Friseurgeschäft seit diesem Jahr nur noch als Nebengewerbe angemeldet hat. Von Montag bis Mittwoch arbeitet sie seit Januar bei einer Hörgeräte-Akustik-Firma in Zittau. Am Montag und Dienstag ist deshalb ihr Friseurgeschäft in Oberseifersdorf geschlossen. Am Mittwoch führt es ihre Mutter. Die hat sie mit ihren 71 Jahren deswegen angestellt. Und die kennt sich in dem Laden bestens aus. Vor ihrer Tochter hatte sie es geführt.

Ihr Friseurgeschäft aber nur noch als Nebengewerbe zu führen, hat aber ebenso einen Nachteil für die 51-Jährige. So hat sie nun keine Chance auf staatliche Förderung oder sonstige Hilfen. "Das ist schon hart, weil die Ausgaben wie Miete, Heizung, Strom, Telekom, Handwerkskammer und anderes laufen ja auch weiter", schildert sie. Selbst um die GEZ-Gebühr kommt sie nicht drum herum, obwohl es im Geschäft weder Radio noch Fernseher gibt.

Die freien Tage jetzt sinnvoll nutzen

"Machen wir uns nichts vor, wenn wir die Geschäfte wieder öffnen dürfen, ist Corona noch lange nicht vorbei", sagt Melissa Halang. Sie will jedenfalls auch dann noch eine ganze weile Vorsichtsmaßnahmen treffen. "Ich werde nicht nur Handschuhe, sondern auch eine Gesichtsmaske tragen", erklärt sie. Und da ihre Mutter wegen ihres Alters zur Risikogruppe gehört, darf sie nicht gleich wieder arbeiten kommen. "Dann mache ich eben den Mittwoch, an dem sie frisiert, einfach zu", schildert sie.

Um ihre freien Tage jetzt sinnvoll zu nutzen, hat die Friseurin ihr Geschäft schon so gut wie leer geräumt. "Ich werde es malern", verrät sie. 

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Während Melissa Halang das alles so erzählt, kommen zwei Leute an die Tür, weil sie, wie sonst auch, offen steht. "Nein, es ist immer noch geschlossen", sagt sie und hofft, dass sie gesund wiederkommen, wenn alles vorbei ist.

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