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Haarsträubend

Friseure in der Region Löbau-Zittau klagen über fehlende Mitarbeiter und Lehrlinge. Die ersten ziehen bereits Konsequenzen.

Der Beruf der Friseuse ist bei jungen Frauen nach wie vor beliebt, wie die Zahl der Auszubildenden zeigt. Aber es gibt zunehmend Probleme.
Der Beruf der Friseuse ist bei jungen Frauen nach wie vor beliebt, wie die Zahl der Auszubildenden zeigt. Aber es gibt zunehmend Probleme. © dpa/Robert Günther

Waschen, schneiden, föhnen - der Friseurberuf ist bei jungen Menschen immer noch beliebt. Von den über 1.700 Auszubildenden, die jetzt im Gebiet der Handwerkskammer Dresden ihre Lehre begonnen haben, wollen 111 Friseur werden. Damit rangiert der Beruf unter den Top 5 - so wie auch in den Jahren zuvor. Im Landkreis Görlitz ist die Zahl der Friseur-Azubis sogar gestiegen.

Wurden bei der Handwerkskammer vor fünf Jahren noch 37 Lehrlinge gemeldet, sind es dieses Jahr 53. Nicht anders sieht es im gesamten Kammerbezirk aus. Daniel Bagehorn, Pressereferent der Handwerkskammer Dresden sagt aber, dass trotz der gestiegenen Zahl der Auszubildenden nicht alle freien Lehrstellen im Friseurhandwerk besetzt werden können.

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Die Branche scheint insgesamt Personalprobleme zu haben. Allein in Zittau ist von mehreren Friseuren zu hören, dass es schwer ist, neue Mitarbeiter zu finden. So will Caroline Looke ihren Salon schließen - eben weil Personal fehlt. Zeitweise war ihr fünfköpfiges Team auf zwei Leute geschrumpft. Ersatz zu finden, war schier unmöglich.

Dass Fachkräfte fehlen, bestätigt auch Steffen Langner, der Vorstandsvorsitzende der Löbauer Friseure. Die Firma betreibt sieben Salons in Löbau, Beiersdorf, Herrnhut und Obercunnersdorf. Wenn ältere Mitarbeiter in Rente gehen, könne die Lücke kaum mehr geschlossen werden, so Langner. Dass Salons wie in Zittau aus diesem Grund schließen, gab es bei den Löbauer Friseuren aber noch nicht. Es werde im Falle, dass Stellen unbesetzt bleiben, einfach mit einem kleineren Team weitergemacht. Das dann aber auch weniger Kunden bedienen kann. In jüngerer Zeit habe sich laut Langner das Problem mit fehlenden Mitarbeitern verschärft.

Im Zuge des demografischen Wandels nimmt der Wettbewerb um Fachkräfte generell zu, erklärt Daniel Bagehorn, Pressereferent der Handwerkskammer Dresden. Davon ist ebenso der Friseurberuf betroffen. Auch nehme die Zahl derjenigen zu, die in einen anderen Beruf wechseln. Neben persönlichen Gründen spielen hier nicht selten gesundheitsbedingte Gründe eine Rolle. In Berufen mit einem hohen Frauenanteil, wie dem des Friseurs, sind auch Elternzeiten nicht zu vernachlässigen, meint Bagehorn.

Bei der Agentur für Arbeit sind im Bezirk Bautzen, zu dem auch die Geschäftsstellen in Zittau und Löbau gehören, im August insgesamt 25 freie Stellen als Fachkraft im Friseurgewerbe gemeldet gewesen, wie Iris Hoffmann, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Pirna, vertretungsweise für die Bautzner Kollegen, mitteilt. In der Region Löbau ist dabei keine freie Stelle gemeldet worden, im Zittauer Raum sind es weniger als drei gewesen. Eine freie Stelle wieder zu besetzen, dauerte im Jahr 2018 durchschnittlich über 330 Tage, so Frau Hoffmann. Das sind gut elf Monate.

Das es gar keine arbeitssuchenden Friseure gibt, ist aber nicht der Fall. Zuletzt waren im August im Bezirk der Agentur für Arbeit Bautzen 49 Fachkräfte im Friseurgewerbe arbeitsuchend gemeldet, darunter drei in Löbau und sieben in Zittau. Allerdings ist die Dauer der Arbeitssuche heute deutlich kürzer als noch vor ein paar Jahren. Waren ausgebildete Fachkräfte im Friseurgewerbe im Jahr 2014 noch im Durchschnitt 166 Tage arbeitssuchend gemeldet, sind es 2018 nur noch im Schnitt 80 Tage gewesen.

Eine Chance, dem Fachkräftemangel im Friseurgewerbe zu trotzen, sieht Karl-Heinz Peter, Obermeister der Friseurinnung Ostsachsen, in der Ausbildung von Lehrlingen. Von den 275 Betrieben im Landkreis Görlitz bilden nur 16 selber aus. Peter weiß natürlich, dass es gerade für kleinere Betriebe eine Kostenfrage sei, selber auszubilden. Aber nur so könne man sich den eigenen Nachwuchs sichern. Mehr Friseur-Azubis würden auch die Ausbildung am Beruflichen Schulzentrum Görlitz sichern. Dieses Jahr ist die Mindestanzahl für eine Friseurklasse gerade so erreicht worden. Laut Karl-Heinz Peter werde es immer schwieriger, genügend Azubis für eine Friseurklasse in Görlitz zu finden. Kommt die Mindestanzahl nicht zusammen, müssten die Friseurlehrlinge ihre theoretische Ausbildung in Bautzen oder Dresden absolvieren. Das ist auch kein Lockmittel für junge Leute, den Friseurberuf zu ergreifen. Vor einigen Jahren wurden die Friseurklassen schon mal in Bautzen zusammengefasst, weil sich in Görlitz nicht genug gefunden haben, sagt Peter.

Auch Steffen Langner, der Vorstandsvorsitzende der Löbauer Friseure, würde gern dazu beitragen, dass die Friseurklasse in Görlitz weiterhin bestehen bleibt. Aber er findet keine Lehrlinge mehr. In diesem Jahr wird deshalb niemand bei den Löbauer Friseuren ausgebildet. Dabei ist den Lehrlingen nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung eine Festanstellung sicher, denn die Lehre erfolgt über einen Salon, in dem die ausgebildeten Friseure dann auch arbeiten können. Oder sie absolvieren anschließend noch eine Meisterausbildung. Und eröffnen danach ihren eigenen Salon. Zwischen 2004 und 2019 ist die Zahl der Friseurbetriebe im Landkreis Görlitz jedenfalls deutlich angestiegen, von 171 (2004) auf 275 (2019). 

So schnell wird diese Zahl kaum sinken, auch wenn schon einzelne Salons wegen Personalmangel schließen. Für das Friseurgeschäft auf der Zittauer Frauenstraße, das Ende September dicht macht, wird es Ersatz geben - wenn auch nicht an gleicher Stelle. Eine Mitarbeiterin von Caroline Looke will außerhalb des Zittauer Stadtzentrums einen neuen Salon eröffnen.

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