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Der etwas andere Friseurtermin

Nach sechs Wochen Corona-Pause öffnen die Salons wieder. Umdenken müssen dafür alle. Ein Besuch im Salon von Anke Klieber in Heidenau.

Gewaschen werden jetzt alle und Friseuse wie Kunden müssen Mundschutz tragen: Anke Klieber mit Marcel Freudenberg.
Gewaschen werden jetzt alle und Friseuse wie Kunden müssen Mundschutz tragen: Anke Klieber mit Marcel Freudenberg. © Daniel Schäfer

Um noch einen Kunden glücklich zu machen, verzichtet Anke Klieber am Montag sogar auf ihre Mittagspause. Um 12 Uhr kann der Mann kommen, der morgens im Laden steht und spontan einen Termin begehrt. Ansonsten sind fast alle Termine bis 20. Mai vergeben. Doch auch für eine ältere Frau findet Anke Klieber noch einen am 15. Mai. "Was, so spät", sagt die Frau. Anke Klieber kann sich ein "Sie sind lustig" nicht verkneifen.  Die Kundin kommt sonst nur zum Spitzen schneiden. Das machen viele in der Gegend. Der Preise wegen, sagt Anke Klieber. Doch Trockenschnitte sind vorerst verboten. Und das ist nur eine der neuen Regeln, die seit Montag gelten. Die Maskenpflicht eine andere. "Mal sehen, was bis zu meinem Termin gilt", sagt die Kundin beim Hinausgehen. 

Die Tür zum Salon auf der Siegfried-Rädel-Straße steht offen. Auch ansonsten, weil  Anke Klieber die Klimaanlage nicht so verträgt. Jetzt hilft die offene Tür, dass nicht jeder die Türklinke anfassen muss. Trotzdem steht gleich am Eingang das vorgeschriebene Desinfektionsmittel. Als Nächstes stößt der Kunde auf einen großen Aufsteller mit allen Informationen. Außerdem gibt es Zettel, die die Kunden freiwillig ausfüllen können. Mit ihren Angaben, Tag des Besuches, Zeit der  Ankunft und des Verlassens. Damit sollen im Falle einer Infektion Kontakte schneller und besser nachvollzogen werden können.

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Akt der Verzweiflung

Halb sieben begann Anke Kliebers erste Schicht nach sechs Wochen. Die ersten drei Frauen wollten gefärbt werden - fürs Homeoffice. Elke Gantze hat auch am ersten Tag einen Färbetermin ergattert. Die Dohnaerin hatte zwischendurch selbst zur Farbe gegriffen. Ein Verzweiflungsakt, sagt sie. Jetzt hält sie die Maske vors Gesicht, die Schlaufen über die Ohren hat sie gelockert, damit sie nicht mit Farbe eingeschmiert werden. Alternative ist, die Schlaufen mit Alufolie einzuwickeln. Elke Gantze hatte in der Woche einen Termin, in der die Friseure gerade schlossen. So war sie nun statt der sonst sechs, fast 13 Wochen nicht beim Friseur. 

Ein Mann hatte sich mit Gel über die friseurlose Zeit geholfen. Wer kurze Haare hat, ist der Pelz der vergangenen Wochen gefühlt schneller über den Kopf gewachsen. Er weiß genau was er will: Fasson sechs Millimeter, gerade, nicht so rund. 

Was gibt es bei Friseuren jetzt zu beachten

  • Nicht ohne Mundschutz.
  • Noch mehr als sonst ist Pünktlichkeit gefragt.
  • Warten im Salon ist nicht erlaubt.
  • Keine Trockenschnitte, weder für Frauen noch Männer.
  • Kein Kaffee, keine Zeitungen.
  • Mit Corona-Zulagen zwischen einem und fünf Euro ist zu rechnen.

Anke Klieber arbeitet allein im Salon, so wie in der anderen Schicht ihre Kollegin. Es gilt zudem: Immer nur ein Kunde. Die zwei Friseusen haben sonst oft zwei Kunden parallel bedient. Auch das ein Grund für die langen Wartezeiten. Doch jeder, der am Montag bei ihr auf dem Stuhl sitzt, ist froh, einen Termin ergattert zu haben. 

Immer wieder wird Anke Klieber unterbrochen, von Leuten, die im Salon stehen, vom klingelnden Telefon. Nicht immer kann sie rangehen. Eine Frau spricht auf den Anrufbeantworter, sie wolle betreffs eines Termines zurückgerufen werden, die Nummer habe man ja. Etwas viel verlangt in dieser Zeit. Eine Kundin, die etwas vor der Zeit da ist, sagt Anke Klieber: "Gehen Sie mal noch zehn Minuten spazieren." Auch Warten im Salon gehört zu dem, was derzeit gestrichen ist.

25 Jahre und sechs Wochen

Einer der ersten Männer ist Marcel Freudenberg. Der Gottleubaer nutzt die Frühstückspause und trägt eine der FFP-Masken mit dem größeren Schutz, da er auf dem Bau arbeitet. Während Anke Klieber ihn schneidet, witzelt er: Schnippschnapp, Maske ab. Und was lustig klingt, ist der größte Wunsch von Friseuren und Kunden. Dass er schnell in Erfüllung geht, danach sieht es nicht aus.

Halb leer ist der Salon Evers auf der Heidenauer Siegfried-Rädel-Straße, weil Anke Klieber in der Schicht allein arbeiten muss und immer nur einen Kunden bedienen darf.
Halb leer ist der Salon Evers auf der Heidenauer Siegfried-Rädel-Straße, weil Anke Klieber in der Schicht allein arbeiten muss und immer nur einen Kunden bedienen darf. © Daniel Schäfer

Während Anke Klieber ihm die Haare schneidet, sagt  sie immer wieder: "Und rutscht" und greift nach der Maske. Die Kunden müssen sie nur so lange tragen, wie sie hier im Salon sitzen, die Friseure aber den ganzen Tag. "Noch geht es, aber wie das ist einer Woche oder zwei?" Schon allein wegen möglicherweise steigender Temperaturen. Anke Klieber zuckt mit den Schultern. Über den Aufschlag von drei Euro beschwert sich am Montag niemand. Damit soll der zusätzliche Aufwand, auch für die Einmal-Umhänge, ausgeglichen werden.

Anke Klieber arbeitet seit 25 Jahren in diesem Salon. Sie nimmt es gelassen, sagt sie. Doch auch ihr ist die Anspannung anzumerken. Sie beherrscht ihr Handwerk. Doch  zwischen ihrem letzten Arbeitstag am 21. März und dem ersten am 4. Mai liegen eben mehr als sechs Wochen. 

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