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Friseure zahlen für Radiomusik

Die Musik im Hintergrund beim Coiffeur Elegant ist nicht umsonst. Selbst wenn sie von einem Privatsender kommt.

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

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Musik im Betrieb macht gute Laune. Das wollen die Anbieter der Friseurkette Coiffeur Elegant auch für ihre Kunden. Deshalb läuft im Hintergrund immer eine CD oder leise Musik aus dem Radio. Doch die Salons müssen dafür GEMA-Gebühren zahlen, und das zusätzlich zum Rundfunkbeitrag, der ebenfalls pro Betriebsstätte zu entrichten ist. Marina Kocziolek, die in der Verwaltung der Coiffeur Elegant GmbH arbeitet, findet das ungerecht. Denn seit diesem Jahr muss nicht nur für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, sondern auch für Privatsender bezahlt werden. Das hat das Patent- und Markenamt entschieden.

Innungsbetriebe erhalten Rabatt

Die GEMA zieht diesen Aufschlag von 15 Prozent als Service für die Verwertungsgesellschaft Media ein. Nur wer nachweisen kann, dass er nie private Sender laufen hat, muss nicht zahlen. Kleinere Friseurbetriebe werden allerdings weniger belangt als große. Bei der Hörfunk-Wiedergabe, also der Musik aus dem Radio, verdoppelt sich der Tarif sogar, wenn der beschallte Raum nicht nur bis 100, sondern bis 200 Quadratmeter groß ist. Zahlen kleine Geschäfte nur rund 100 Euro pro Jahr bei einem Jahresvertrag, sind größere mit über 200 Euro dabei. Auch wer kein Radio, sondern nur CDs mit Entspannungsmusik in seinem Salon abspielt, muss fast 100 Euro überweisen. Netto wohlgemerkt. Da kommen noch sieben Prozent gesetzliche Umsatzsteuer hinzu. „Wir müssen sogar 19 Prozent Mehrwertsteuer draufschlagen“, sagt Marina Kocziolek. Weil die GmbH auch Salons in Priestewitz, Zabeltitz und Thiendorf hat, außer den drei Geschäften in Großenhain, zahlt die Verwaltung in diesem Jahr allein 860 Euro GEMA-Beitrag für die Vergütung der Urheber der Musik.

Die Friseure sind allerdings nicht die einzigen, die mit der GEMA-Gebühr belastet sind. Auch Einzelhandelsgeschäfte oder Arztpraxen haben diesen Tarif, wenn sie Hintergrundmusik abspielen. Ob ihnen das wert ist, um den Aufenthalt für den Kunden angenehm zu gestalten, muss jeder selbst entscheiden. „Wenn Musikstücke öffentlich wahrnehmbar gemacht werden, besteht für den Inhaber des Geschäftsbetriebs allerdings die Pflicht, eine Vergütung an die Gema zu zahlen“, argumentiert die Gesellschaft. In ihr sind deutschlandweit über 65 000 Komponisten, Textdichter und Musikverleger Mitglied. Sie vertritt auch ausländische Rechteinhaber. Diese Pflicht bestehe, wenn Musik als MP3, von CDs oder Ähnlichem abgespielt wird, wenn sie aus dem Radio oder Fernsehen kommt. Rundfunkbeitrag für alle sechs Betriebsstätten, und das auch noch berechnet nach Beschäftigten, GEMA-Beitrag und seit Neuestem auch noch der Mindestlohn für 36 Mitarbeiter – der Coiffeur Elegant müsste eigentlich die Preise erhöhen. „Doch das können wir fast nicht machen, wir sind ja nicht im Westen oder in der Großstadt“, sagt Marina Kocziolek. Die letzte Anhebung war im August 2013. In diesem Sommer werden die Preise wohl aber doch steigen. Denn die Hintergrundmusik abstellen will die GmbH auch nicht. Dass dies viele Friseurbetriebe der Region als Reaktion gemacht hätten, ist Obermeister Rainer Thielemann aus Riesa nicht bekannt. Die GEMA-Gebühr sei eben eine Gesetzlichkeit, an die man sich halten muss. „Unsere Innungsbetriebe bekommen allerdings 20 Prozent Rabatt“, wirbt Thielemann für eine Mitgliedschaft im Verband. Nur etwa die Hälfte der Friseurgeschäfte sind allerdings in dieser Innung.

GEMA kontrolliert verdeckt

Thielemann weiß, wie die GEMA die Einhaltung der Vorschriften kontrolliert: Nämlich verdeckt. „Da kommt jemand drei-, viermal zum Haareschneiden, und anschließend kommt die Rechnung“, weiß der Obermeister. Umgehen könnten das die Friseurgeschäfte nur, wenn sie – zum Beispiel im Friseurgroßhandel – GEMA-freie CDs mit Entspannungsmusik kaufen. „Das steht dann auch auf der CD als Beweis“, sagt Rainer Thielemann.

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