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Fritz-Foerster-Platz: In 3D mitgestalten

Zur Zukunft des Platzes am Dresdner TU-Campus lässt die Stadt die Bürger zu Wort kommen - und nun sogar selbst zu Designern werden. Wie das funktioniert.

Viel Fahrbahn, wenig Grün: Der Fritz-Foerster-Platz am TU-Campus soll attraktiver werden.
Viel Fahrbahn, wenig Grün: Der Fritz-Foerster-Platz am TU-Campus soll attraktiver werden. © Sven Ellger

Dresden. Der Fritz-Foerster-Platz ist das Tor zum Dresdner Hochschulcampus. Mehr als 20 Fahrspuren und etliche Radstreifen münden in die Kreuzung oder gehen von ihr ab - auch als Knotenpunkt ist der Platz also für die Landeshauptstadt von Bedeutung. Und er wird künftig noch wichtiger: als Teil der neuen Stadtbahntrasse. Das Stadtplanungsamt will den runden Platz nun noch attraktiver gestalten, denn was fehlt, sind grüne Bereiche.

In einer Studie soll ermittelt werden, wie der Fritz-Foerster-Platz ergänzend zu den vorhandenen Gebäuden aufgewertet werden kann. Bevor das Stadtplanungsamt das Gutachten allerdings in Auftrag gibt, sollen die Dresdner zu Wort kommen. Konkret geht es um den Bereich zwischen Zelleschem Weg, Einstein- und Hochschulstraße. Wie stellt sich die Stadtgesellschaft die künftige Gestaltung des Fritz-Foerster-Platzes vor? Welche Wünsche und Erwartungen zur Nutzung und Gestaltung des Stadtraums gibt es? Diese Fragen stellt Dresdens Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) den Dresdnern. Auf digitalem Weg können sie ihre Anregungen in das Bauprojekt einfließen lassen.

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Befragung geht in die zweite Runde

Am Montag, 13. Juli, startet nun die zweite Phase der Online-Beteiligung zur Zukunft des Fritz-Foerster-Platzes in der Südvorstadt. Dieses Mal haben Interessierte die Möglichkeit, virtuell eigene Designvorschläge auf Grundlage eines 3D-Stadtmodells im Modul "Online Co-Design" zu erstellen.

"Durch die Möglichkeit der direkten räumlichen Gestaltung und durch die Wirkung von Objekten im Stadtraum testet die Stadtplanung eine neue Qualität der Bürgerbeteiligung", erklärt Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) in Vertretung des Baubürgermeisters. 

Durch die virtuelle 3D-Umgebung mit der Darstellung von Gebäuden und Bäumen entstehe ein starker räumlicher Bezug zum realen Ort, so dass auch Ortsunkundige einen guten Eindruck vom Fritz-Foerster-Platz und seiner Umgebung bekämen, erklärt die Stadt.

Virtueller Spielplatz mit 3D-Objekten

Das Ganze funktioniere wie eine Art Spielplatz für gestalterische Ideen. Aus einer Objektbibliothek können 3D-Objekte ausgewählt und im Modell an der gewünschten Stelle frei platziert werden. Die Objekte lassen sich mit einer Funktion oder einer Beschreibung versehen. Eine Ansicht aus der Vogelperspektive ist für die Teilnehmer ebenfalls möglich. Aber auch ein ganz tiefes Eintauchen in die 3D-Welt und die neue Umgebung ist möglich, um alles aus der zu Nähe erleben. Außerdem können Interessierte die Entwürfe anderer Teilnehmer in einer Galerie anschauen, vergleichen und bewerten.

Das Team der Wissensarchitektur der TU Dresden wertet die Ergebnisse mit Analyse-Algorithmen aus, um Präferenzen abzuleiten und starke Ideen als Grundlage für die weitere städtebauliche Entwicklung zu identifizieren. 

Der Link zum Online Co-Design wird am Montag auf der Internetseite der Stadt freigeschaltet und ist bis Sonntag, 9. August, aktiv.

Tausende Dresdner sollen sich so einbringen können.

In dem von der EU geförderten Projekt "U_Code" haben Wissenschaftler der Architektur-Fakultät ein neues Verfahren entwickelt. Es ermöglicht, verschiedene Interessengruppen bei der Konzeption urbaner Räume und Gebäude einzubeziehen. "Mit digitalen Werkzeugen können sich Tausende Bürger mit Ideen und Hinweisen einbringen, die weitestgehend automatisiert aufbereitet und ausgewertet werden", teilen Stadt und TU mit. 

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung können so direkt in die konkrete Anwendung vor Ort eingebracht werden, erklärt Professor Jörg Rainer Noennig. Der Fritz-Foerster-Platz in Dresden soll zeigen, wie digitale Werkzeuge ermöglichen, größere Gruppen an derartigen Bauprojekten zu beteiligen. Tausende Dresdner sollen sich so einbringen können. 

"Wir hoffen, dass auch viele Beschäftigte und Studierende der TU Dresden diese einmalige Chance nutzen, sich unmittelbar an der Stadtplanung zu beteiligen, zumal der Fritz-Foerster-Platz direkt den TU-Campus betrifft", so Noennig.

Stadt und TU haben dabei mehrere Schwerpunkt im Auge: die bauliche Fassung des Platzes, die verschiedenen Nutzungen wie Universitätscampus, Büros, Wohnungen und Studentenwohnheime sowie Straßen, Gehwege und die künftige Straßenbahntrasse im Bereich der Platzfläche. 

"Interesse übertrifft Erwartungen bei Weitem"

In der ersten Phase der Bürgerbeteiligung führte die Stadt für vier Wochen eine Wissenssammlung durch. Hier war die Rückmeldung sehr groß. "Mit über 1.400 ausgefüllten Fragebögen übertrifft das Interesse an dem Bürgerbeteiligungsverfahren U_CODE zur Zukunft des Fritz-Foerster-Platzes die Erwartungen des Stadtplanungsamts und des Projektpartners Wissensarchitektur der Technischen Universität Dresden bei Weitem", sagte Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne).

Die Teilnehmer der Online-Wissenskampagne hätten nach drei Wochen schon über 11.000 Beiträge zu den einzelnen Themen abgegeben. Besonders häufig haben sie sich laut Stadt zu den Gebäuden am Platz, zu Freiflächen, dem Verkehr oder auch zur Nutzung und Nachbarschaften geäußert. Vor allem junge Menschen haben die Möglichkeit zur Beteiligung genutzt.

"Neben zahlreichen Studierenden und Mitarbeitern der TU Dresden haben über 80 Anwohner, 85 Besucher und etwa 180 Pendler teilgenommen", teilt die Stadt weiter mit. Die meisten Antworten bezögen sich auf den Ausbau der Grünanlagen und die Bereitstellung von Pausenorten, um dem Fritz-Foerster-Platz eine bessere Aufenthaltsqualität zu verleihen. Interessant für die Stadt sind auch die Vorschläge, vor Ort neue Fahrradparkhäuser oder einen Ausstellungsort für Forschungsergebnisse der TU Dresden zu schaffen. 

So funktioniert die Online-Befragung

Das Projekt "U_Code" wird in drei Phasen durchgeführt. In einem ersten Schritt konnten die Dresdner bis zum 5. Juli ihre Beiträge und Gestaltungsideen in einer Online-Befragung beisteuern. Die Ergebnisse werden von der TU analysiert und für die nächste Phase aufbereitet. Vom 13. Juli bis 9. August können dann online konkrete Designvorschläge zum Fritz-Foerster-Platz erstellt werden. 

Daran schließt sich ein Workshop an, der sich in der Zeit vom 24. August bis 5. September mit den Anregungen und Ideen aus den ersten beiden Phasen beschäftigt. Dort können die Teilnehmer im virtuellen Raum oder an einem digitalen Planungstisch eigene Konzepte designen und ausprobieren. Nachdem sich dann noch einmal die TU-Wissenschaftler damit auseinandergesetzt und daraus eine "Inspirations- und Ideensammlung" erstellt haben, wird diese an das Stadtplanungsamt übergeben. 

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