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Früher begehrt – heute nicht mehr gebraucht

Am Montag beginnt der Abriss der Häuser 26 und 28 an der Nordstraße. Doch der Bagger kommt erst später zum Einsatz.

Von Sylvia Mende

Sie werden nicht mehr gebraucht – die beiden Häuser unterhalb des alten Edeka-Marktes an der Nordstraße. Seit einiger Zeit stehen die acht Wohnungen schon leer. „Sie entsprechen mit ihrer kleinen Küche und dem winzigen Bad nicht mehr den heutigen Ansprüchen“, so Harald Ahnert, Geschäftsführer der Wohnbau Hartha GmbH. Nach und nach seien die beiden Häuser leer gezogen worden. Hinzu kam, dass im Januar 2011 das Tauwasser nicht in die zugefrorenen Dachrinnen abfließen konnte und sich einen Weg in das Gebäude suchte. Die Wände wurden von oben nass. „Die Nässe blieb in den oberen Wohnungen. Da war nicht mehr viel zu machen“, so Ahnert.

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Fenster zur Ersatzteilgewinnung

Nach der Wende hatte die Wohnbau in dieses Objekt investiert, neue Fenster und eine Heizung eingebaut sowie die Fassade gedämmt. Nun wurden zumindest die Heizung und die Fenster ausgebaut. Einige von ihnen sollen wieder eingesetzt werden, andere zur Ersatzteilgewinnung dienen. Den Ausbau haben die Mitarbeiter der Wohnbau übernommen. Die Abrissarbeiten, die am Montag beginnen, werden von der Firma SKR Sönitz GmbH aus Lichtenberg ausgeführt. Sie kann allerdings nicht einfach mal so mit einem Bagger loslegen. Ein Gerüst muss aufgestellt werden, um die as-besthaltigen Kunstschiefer abzubauen. „Wir haben ein Gutachten von der Laborgesellschaft für Umweltschutz mbH Hartha anfertigen lassen“, sagte der Geschäftsführer. Festgestellt wurde, dass auch die Fußböden, die mit Teer abgedichtet worden sind, als Sondermüll entsorgt werden müssen.“ Die Schadstoffuntersuchung der Bausubstanz habe sich bewährt. So könne die Entsorgung des Sondermülls gleich mit ausgeschrieben werden, und es gebe keine finanziellen Nachforderungen seitens der Firmen, so Ahnert.

Zweimal ausgeschrieben

Insgesamt werden 512 Quadratmeter Wohnfläche zurückgebaut. Das Vorhaben wird aus dem Fördermitteltopf des Stadtumbaus Ost mit 60 Euro pro Quadratmeter gefördert. Insgesamt kostet der Abriss mehr als 40 000 Euro. Dabei war es gar nicht so leicht, eine Firma zu finden. Zunächst schrieb die Wohnbau den Abriss beschränkt aus. Fünf Firmen wurden beteiligt, drei Angebote gingen ein. „Allerdings waren die Angebote so hoch, dass sie die geschätzten Kosten überstiegen“, so Harald Ahnert. „Das konnten wir uns nicht leisten. Deshalb haben wir die Ausschreibung aufgehoben.“ Eine öffentliche Ausschreibung folgte. Acht Firmen forderten die Unterlagen an, vier gaben Angebote ab.

Eigentlich will die Wohnbau noch ein weiteres Gebäude abreißen. Dabei handelt es sich um das Geschäfts- und Wohnhaus an der Kreuzung Dresdener Straße/Karl-Marx-Straße. Dort befand sich nach der Wende ein Sportgeschäft. „Wir müssen erst einmal die Kostenschätzung abwarten. Dann entscheiden wir, ob der Abriss noch machbar und zu realisieren ist. Ende des Jahres läuft die derzeitige Förderrichtlinie aus“, so Ahnert. Dann müsse abgewartet werden, ob es vom Freistaat auch weiterhin Geld gibt, wenn unbewohnte Häuser abgerissen werden. Die Wohnbau setzt jedoch nicht generell auf Abriss, sagte der Geschäftsführer. Es werde nur dann darüber nachgedacht, wenn es sich anbiete. Ziel ist es, den Wohnraum zu verknappen, um die Mieten zu halten. In diesem Jahr hat die Wohnbau bereits zwei Häuser an der Dresdener Straße 4 und 8 in Zusammenhang mit der gesamten Gebäudezeile, die ans Reinhardtsthal grenzte, abreißen lassen. Sie war einfach nur grau, unansehnlich und kein schöner Anblick für die Harthaer und diejenigen, die durch die Stadt fuhren.

Der Abriss wurde ebenfalls über den Stadtumbau Ost gefördert. Rund 87 000 Euro kostete der Abriss der Häuserzeile. Da die Häuser verschiedene Eigentümer hatten, hielt die Stadt die Fäden für das Vorhaben in der Hand. Nun steht nur noch das Haus Nummer 10, in dem es im vergangenen Jahr vor Weihnachten gebrannt hat. Eigentlich sollte die Eigentümerin überzeugt werden, dass das Haus mit viel Nebengelass ebenfalls abgerissen wird. Doch sie stimmte nicht zu.

Rückbau der fünften Etage

In den Neubau-Häusern setzt die Wohnbau auf den Rückbau der fünften Etagen. Diese werden als Bodenkammern ausgebaut und von den Mietern der oberen Wohnungen zur Verfügung gestellt. So kann der Wohnraum verknappt und den Mietern mehr Komfort bei gleichbleibender Miete geboten werden.