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Früherer Kindervilla-Chef verurteilt

Trotz eines Millionenschadens bei einem Franchisekonzept für Kindergärten bleibt Stephan Michalke auf freien Fuß.

Von Ulrich Wolf
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Der Ex-Chef der Kindervilla GmbH sowie des sächsischen Kolping-Bildungswerks, Stephan Michalke (li.), unterhält sich mit seinem Anwalt. Am Freitag ist er zu einer Bewähungsstrafe verurteilt worden.
Der Ex-Chef der Kindervilla GmbH sowie des sächsischen Kolping-Bildungswerks, Stephan Michalke (li.), unterhält sich mit seinem Anwalt. Am Freitag ist er zu einer Bewähungsstrafe verurteilt worden. © (c) Christian Juppe

Dresden. Der ehemalige Chef des sächsischen Kolping-Bildungswerks sowie der Kindervilla GmbH, Stephan Michalke, muss nicht ins Gefängnis. Das Landgericht Dresden verurteilte ihn am Freitag wegen Betrugs in sechs Fällen sowie wegen Insolvenzverschleppung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Der Richter setzte die Vollstreckung zur Bewährung aus. Sechs Monate gelten wegen der Verfahrensverzögerung bereits als vollstreckt.

Die Ermittlungen im Kindervilla-Fall hatten bereits im Herbst 2008 begonnen. In Sachsen, Brandenburg, Hessen und Niedersachsen gab es Durchsuchungen. Dennoch dauerte es bis zum Januar 2013, ehe die Anklage fertig war. Im April 2014 kam der Vorwurf der Insolvenzverschleppung bei Michalkes ehemaliger Vermögensverwaltungsfirma Tentum hinzu. Beide Verfahren wurden auf Beschluss des Oberlandesgerichts Dresden zusammengelegt.

Die Kindervilla GmbH hatte pädagogisch ausgebildete Frauen und Männer gesucht, die sich als Franchisenehmer wie Filialisten bei McDonalds selbstständig machen wollten. Ihnen versprach Michalke die schlüsselfertige Übergabe eines dann privat geführten Kindergartens. Staatsanwalt Tim Hohmeier warf ihm vor, dabei unlauter vorgegangen zu sein. Gemeinsam mit seiner Ehefrau und einem befreundeten Banker  habe der Angeklagte den Franchise-Interessenten „ins Blaue hinein“ Dinge versprochen, die er gar nicht hätte umsetzen können. „Und das in der Absicht, sich zu bereichern.“ In mindestens neun Fällen sei so ein Schaden von fast 1,5 Millionen Euro entstanden, von Lübeck über Leipzig bis Darmstadt. Die Anklage hatte deshalb eine zweijährige Bewährungsstrafe gefordert. Zudem sollte der inzwischen 58-Jährige 210 Tagessätze à 15 Euro zahlen.

Rückzug in ein Dorf an der Grenze zu Polen

Michalkes Anwalt hingegen verlangte Freispruch. Er hatte das ursprünglich bis Dezember angesetzte Verfahren durch zahlreiche Anträge in die Länge gezogen. Michalkes Ehefrau war in einem ersten Kindervilla-Prozess bereits im Juni 2010 zu einer Geldstrafe von 1.800 Euro, der befreundete Banker zu 3.600 Euro verurteilt worden.

Nach eigenen Angaben lebt der in Görlitz ausgebildete Nachrichtentechniker Michalke in dem brandenburgischen 300-Seelen-Ort Bomsdorf an der Grenze zu Polen. 2001 war er bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Er hatte das katholische Kolping-Bildungswerk zum größten freien Träger beruflicher Bildung in Sachsen gemacht. Das Wachstum war jedoch ohne Gegenfinanzierung erfolgt, die Gesellschaft ging pleite. Der Schaden lag damals sogar im zweistelligen Millionenbereich.

Bereits damals führte die Staatsanwaltschaft Dresden eines ihrer bis dahin umfangreichsten Wirtschaftsstrafverfahren. Im April 2007 waren davon lediglich die Vorwürfe der Veruntreuung von Arbeitsentgelt sowie Untreue übriggeblieben. Michalke erhielt eine Bewährungsstrafe von 18 Monaten. Das Gericht hielt ihm damals zugute, nicht vorbestraft zu sein und sich geständig gezeigt zu haben. Zudem sei er persönlich und finanziell erheblich belastet worden.