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Füchse-Saison mit zu viel Schatten

Die Corona-Krise schiebt die sportliche Bilanz in den Hintergrund. Vor der neuen Saison sind die Unsicherheiten groß.

Von Frank Thümmler
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Zu oft drückten die Gesichter der Füchse-Spieler nach den Partien Enttäuschung aus, wie hier nach dem 1:3 gegen den EHC Freiburg am 21. Januar.
Zu oft drückten die Gesichter der Füchse-Spieler nach den Partien Enttäuschung aus, wie hier nach dem 1:3 gegen den EHC Freiburg am 21. Januar. © Thomas Heide

Die Lausitzer Füchse haben den Klassenerhalt sicher. Das ist die wohl einzige gute Nachricht nach dem abrupten Ende der Eishockey-Zweitligasaison, die von der Ligenleitung vor dem Beginn der Play-offs und Play-downs beendet wurde. Mit dem Abstand von über einer Woche seit dieser Entscheidung und dem Wissen um das in der Zwischenzeit Geschehene gab es dazu keine Alternative. Und weil keine Play-downs gespielt werden können, gibt es keinen Absteiger.

So gut die Nachricht auf den ersten Blick ist, so groß sind die Probleme, die aus dem plötzlichen Saison-Aus für die Lausitzer Füchse (und die anderen Eishockey-Zweitligaclubs) resultieren. Füchse-Geschäftsführer Dirk Rohrbach taxiert den finanziellen Schaden daraus auf 150 000 Euro. „Uns fehlen die Erlöse aus mindestens zwei Heimspielen. Dazu kommen Einnahmen aus der Abschlussfeier, aus dem Fanshop und dem Abverkauf der gebrauchten Materialien“, sagt Rohrbach.

Sorgen über Sponsorengelder

Der 47-jährige hofft, dass es durch die Corona-Krise keine Ausfälle bei den für die endende Saison vereinbarten und im März und April vertragsgemäß fälligen Sponsorenzahlungen gibt. Die würden das Minus in der Kasse noch erhöhen. „Wir wissen natürlich, dass die Coronakrise auch viele unserer Sponsoren arg belastet und sie im Moment vielleicht gerade andere Probleme als das Sponsoring der Lausitzer Füchse haben. Wir werden in den kommenden Wochen ganz vorsichtig das Gespräch suchen, wie es weitergehen kann.“ Ein Großteil der kleineren und mittleren Sponsoren hat Verträge auch für die kommende Saison. Vor allem mit den Premiumsponsoren, die ihre Verträge immer saisonweise abschließen, muss der Füchse-Geschäftsführer relativ schnell sprechen, denn die Termine drücken schon wieder. Lizenzunterlagen müssen eingereicht und mit Verträgen untersetzt werden, am 24. Mai ist die Einlage bei der DEL 2 fällig. Die Situation ist also kompliziert. Die Lausitzer Füchse appellieren also an ihre Anhänger, die auch in dieser Saison trotz der teilweise sportlich enttäuschenden Leistungen wieder wie ein Mann hinter ihrem Team gestanden und die Halle zu nahezu 90 Prozent ausgelastet haben.

Geisterspiel soll Rettung bringen

Die Füchse bieten Karten (Infos auf der Füchse-Homepage) für ein Geisterspiel gegen den „Erzrivalen“ an, zum symbolträchtigen Eintrittspreis von 19,32 Euro (1932 begann die Geschichte des Eishockeys in Weißwasser). Als Ziel haben die Füchse 5.950 Karten ausgegeben, was den mindestens zwei entgangenen Heimspielen entspricht. „Im Moment sind wir bei rund 500, wobei da auch die Fans berücksichtigt sind, die auf eine Rückerstattung für ihre bereits gekauften Eintrittskarten für die Playdowns verzichten“, sagt Dirk Rohrbach, der außerdem hofft, von der vereinfachten Kurzarbeiterregelung zu profitieren. Der entsprechende Antrag ist jedenfalls gestellt. Und die sächsischen Profisportclubs haben sich zusammengetan, um gemeinsam mit dem Staatsministerium Lösungen zu finden.

Der Trainer bleibt ein weiteres Jahr

Die vielen plötzlich über den Eishockeyclub hereinbrechenden Probleme haben auch Auswirkungen auf die „Spielerfront“. „Wir wollten die Gespräche führen, nachdem die Zugehörigkeit zur Liga geklärt ist. Das kam jetzt anders und plötzlicher als gedacht“, erklärt Rohrbach. Einige Spieler, deren Vertrag teilweise Mitte März endete, sind bereits in ihre Heimat abgereist. Andere haben Vertrag bis Ende März oder Ende April und sind noch da. Auch der Trainer, der laut Dirk Rohrbach auch in der nächsten Saison an der Bande stehen wird. Corey Neilson ist mit der Saisonanalyse beschäftigt und soll auch Gespräche mit Spielern und Agenten über die neue Saison führen. Fünf Spieler haben einen Vertrag für die kommende Saison. Aber es ist nach dem enttäuschenden Abschneiden in dieser Saison klar, dass es erneut einen Umbruch geben wird.

„Wir haben einfach keine konstante Leistung hinbekommen“, schätzt Dirk Rohrbach, selbst ja ehemaliger Trainer der Füchse, ein. Er kritisiert ausdrücklich die Leistungsträger der Mannschaft, „die nicht immer ihr Leistungsvermögen von vor der Saison und von einigen Spielen abgeliefert und Führungsqualitäten gezeigt haben.“ Tatsächlich begannen die Füchse ganz gut und standen nach einem starken Oktober auf dem fünften Tabellenplatz. Dann aber begann der Absturz, mit vielen, teils auch unnötigen Niederlagen, begünstigt von individuellen Fehlern, durchbrochen von wenigen Lichtblicken.

Balance erst am Ende gefunden

Die Taktik von Trainer Corey Neilson, nach der vorherigen Saison noch als Trainer des Jahres in der DEL 2 ausgezeichnet, schien nicht mehr aufzugehen oder wurde von anderen Teams übernommen und besser umgesetzt. Hatten die Füchse in der Vorsaison noch mit aggressivem und riskantem Forechecking sowie extrem schnellem Umschaltspiel brilliert, liefen sie diesmal des Öfteren in die Falle von Kontern und hatten selbst Probleme, die Gegenzüge zu eröffnen. „Die läuferischen Qualitäten in unserer Mannschaft waren in der Vorsaison noch besser ausgeprägt, und dann dürfen wir nicht vergessen, dass wir von einem extrem guten Jahrgang an Förderlizenzspielern aus Berlin profitiert hatten, mit Adam, Jahnke, Hessler und Schiemenz“, erklärt Rohrbach. Wirklich besser wurde es erst in der Schlussphase der Saison, als die Füchse endlich ihre Balance zwischen Offensivrisiko und Sicherheit gefunden hatten und aus den letzten zwölf Partien beachtliche 23 Punkte holten. Die Füchse hatten in der Schlussphase der Saison, teils auch auf den Ausländerpositionen, noch einmal Verstärkung (Kerbashian, Nogard, Ross) geholt. Aber es reichte nicht mehr. Am Ende fehlte ein winziger Punkt zu den Pre-Playoffs, auch nur sechs zu Platz sechs und zur direkten Play-off-Qualifikation.

Lehren haben die Füchse gezogen: „Wir müssen bei der Zusammenstellung des Kaders darauf achten, dass wieder mehr echte Führungsspieler dabei sind, die auf dem Eis und in der Kabine den Ton angeben. Ansonsten wollen wir möglichst viele deutsche Talente anlocken, die uns als Chance sehen, in den Profiligen Fuß zu fassen.“ Aber erst mal muss die Corona-Krise bewältigt werden.

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