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Fahrerlaubnis-Flaute bremst Azubi-Suche

Immer weniger junge Dresdner nehmen Fahrstunden gleich mit 18 Jahren. Das hat gravierende Folgen für ohnehin gebeutelte Branchen. 

Auch wer einen Rettungswagen fahren will, braucht dazu einen Führerschein.
Auch wer einen Rettungswagen fahren will, braucht dazu einen Führerschein. © Ronald Bonß

Hunderte unbesetzte Stellen, kaum Zeit für die Patienten: In der Altenpflege herrscht ein eklatanter Fachkräftemangel. Eines macht die Suche nach neuem Personal noch schwieriger: Immer weniger junge Dresdner machen ihren Führerschein gleich mit 18 Jahren. 

Das spüren auch die Johanniter. Wer keine Fahrerlaubnis hat, kann als Altenpfleger nicht eingestellt werden. „Ambulante Pflege ist mobil, die Pfleger fahren zum Patienten“, sagt Sprecher Danilo Schulz. Alternativen wie E-Bikes seien zwar im Kommen, ersetzen könnten sie aber das Auto nicht, da es in Dresden weite Wege zu überwinden gilt. Genau das Gleiche gilt beim Rettungssanitäter. Wer keinen Führerschein hat, bekommt den Job nicht. Dabei braucht Dresden den Nachwuchs dringend. Immer wieder streiken die Rettungssanitäter in der Stadt. Zwölf-Stunden-Schichten, bis zu neun Tage Arbeit am Stück und Lohndumping lauten die Vorwürfe der Betroffenen. Die Folge: immer weniger Nachwuchs für die Arbeit im Krankenwagen.

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Auch die aktuellen Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes belegen, dass die Zahl junger Männer und Frauen, die einen Führerschein besitzen, seit Jahren abnimmt. Besaßen 2010 noch knapp fünf Millionen junge Menschen zwischen 17 und 24 Jahren einen Führerschein, sind es 2019 nur noch rund 4,4 Millionen, die Auto fahren dürfen. Die gute Infrastruktur in der Großstadt Dresden, in der man mit Bus und Bahn überall hinkommt und die Klimaschutzdebatte sind Gründe dafür. Auch die rund 1500 Euro, die der Erwerb des Führerscheins kostet, hat nicht jeder junge Mensch gleich mit dem Schulabschluss parat. Der oft fehlende Führerschein werde auch in den städtischen Kliniken als Problem wahrgenommen, bestätigt Sprecherin Viviane Piffczyk. Wer einen Krankentransporter fahren will, braucht seinen „Lappen“. Aber auch für Ärzte, die Dienste mit Rufbereitschaft haben, kann das zum Problem werden. Wer es mit Bus und Bahn nicht garantieren kann, in der geregelten Reaktionszeit bei Notfällen vor Ort zu sein, muss eben in der Klinik bleiben. Das sei vor allem abends und am Wochenende der Fall, da Busse und Bahnen dann nur noch in längeren Abständen fahren.

Die Stadt spürt das Thema bei den Gärtnern, die ebenso wie die Altenpfleger große Nachwuchssorgen haben. „In dem Beruf Gärtner ist der Führerschein im Arbeitsverhältnis Voraussetzung, da in diesem technischen Gewerk Maschinen zu bedienen sind“, so Stadtsprecher Karl Schuricht. Und der Bedarf ist groß: „Aktuell haben wir 63 Auszubildende in ganz Sachsen, könnten aber locker doppelt so viele ausbilden“, so Tobias Muschalek vom Gartenbauverband. In dem Beruf könnten die jungen Menschen mit moderner Technik arbeiten und trotzdem „etwas mit den Händen tun“, sagt er. Ähnlich wie in der Gastronomie scheuen sich auch in dem Bereich viele Jugendliche vor der Arbeit am Wochenende. „Der Nachwuchsmangel besteht“, bestätigt auch die Stadt. Aufgrund des Mangels könnten derzeit nur 75 Prozent der Arbeiten an den Grünflächen umgesetzt werden. Auch bei der Feuerwehr und beim Ordnungsamt ist die Fahrerlaubnis laut Stadt zwingend erforderlich. Und auch hier: Bei der Feuerwehr gehen jedes Jahr mehr Kameraden in den Ruhestand, als Azubis nachkommen.

Ralf Böhm, Leiter bei der Dresdner Fahrschule Viva sieht immer mehr junge Menschen, die erst mit 25 oder 26 Jahren bei ihm Fahrstunden nehmen. In einem Alter, in dem die Ausbildung längst vorbei ist. „Viele kommen erst, wenn sie eine Familie gründen“, so Böhm, Aber früher oder später kämen sie fast alle. Finanzielle Einbußen hätte die Fahrschule dadurch nicht. „Das Geld kommt nur später pro Fahrschüler“, sagt auch Dietmar Quentin vom Bundesverband der Fahrlehrer.

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