SZ +
Merken

Führerscheine werden in Stahlschränken verwahrt

In Stahlschränken verschlossen, von Mitarbeitern des Landratsamtes oder Rechtspflegern mit Argusaugen bewacht und in Akten abgeheftet, ist der Führerschein sicher verwahrt vor dem Verkehrssünder. Wer einmal seine Fahrerlaubnis abgeben musste, sieht sie so schnell nicht wieder.

Teilen
Folgen

Von Ulrike Körber

In Stahlschränken verschlossen, von Mitarbeitern des Landratsamtes oder Rechtspflegern mit Argusaugen bewacht und in Akten abgeheftet, ist der Führerschein sicher verwahrt vor dem Verkehrssünder. Wer einmal seine Fahrerlaubnis abgeben musste, sieht sie so schnell nicht wieder. Durch viele Hände geht der Ausweis. Im schlimmsten Fall wird er von Amt zu Amt quer durch die Stadt kutschiert. Vom Polizeiauto ins Revier, dann zur Staatsanwaltschaft auf die Kynastweg, anschließend aufs Amtsgericht, von da aus eventuell zum Straßenverkehrsamt. Wenn er dort gelandet ist, ist es aus mit ihm. Dann haben ihn die Rechtspfleger entwertet, durchgestrichen oder zerschnitten — dann hat das Gericht nämlich ein hartes Urteil gefällt: Führerscheinentzug.Um die Weihnachtszeit sammeln sich die Scheine„Wem das Dokument entzogen wurde, muss ein neues beantragen. Das alte bekommt er nicht zurück“, sagt Gudrun Gerner, eine Sachbearbeiterin im Straßenverkehrsamt. Je nachdem, was sich der Fahrer zu Schulden hat kommen lassen, muss er zudem noch seine Fahrtüchtigkeit, also das Ergebnis einer medizinisch-psychologischen Untersuchung vorweisen. „Dann kann er sich den neuen Schein bei uns abholen.“An vier Orten in der Stadt kann ein Führerschein aufbewahrt werden, wenn der Fahrzeugführer ihn abgeben musste: Im Amtsgericht, wenn der Ausweis an den Akten für die Verhandlung hängt oder wenn er vom Angeklagten in der Verhandlung auf den Richtertisch gelegt wird, so Petra Rudolph, die Sprecherin vom Amtsgericht.Eine zweite Möglichkeit ist die Führerscheinstelle vom Landratsamt auf der Loosestraße. Dort werden die Papiere weggeschlossen, die wegen einer Ordnungswidrigkeit einkassiert wurden. „Eine Ordnungswidrigkeit besteht dann, wenn bei dem Fahrer bis 0,8 Promille Alkohol im Blut festgestellt werden“, sagt Jan Meuche, der Sprecher der Polizeidirektion Riesa. „Die Beamten stecken den Führerschein aber auch ein, wenn der Fahrzeugführer zum Beispiel Schlangenlinien oder gegen einen Poller fährt — wenn eine Gefährdung absehbar ist.“ Etwa 30 bis 50 Führerscheine sind in den Aktenschränken gesammelt, schätzt die stellvertretende Leiterin der Bußgeldstelle. Eine bestimmte Jahreszeit, bei der viele Ausweise abgegeben werden, gebe es nicht. Nur eines fällt ihr auf: Um Weihnachten herum reihe sich ein Ausweis an den anderen in den Hängeordnern. Dass einer seine Fahrerlaubnis nicht wieder haben wollte, ist noch nicht vorgekommen. Zumindest weiß Reinhard Bennewitz, der Chef vom Ordnungsamt im Landratsamt, davon nichts. „Wir schicken die Dokumente pünktlich und auf den Tag genau nach Ablauf der Sperrfrist an den Eigentümer mit der Post in einem einfachen Briefumschlag zurück.“ Angekommen sei bislang jeder, so Bennewitz.In Vollzugsabteilungfest verschlossenFester verschlossen als im Landratsamt sind die Dokumente in der Vollzugsabteilung der Staatsanwaltschaft. Jens Hertel, der Leiter der Meißner Zweigstelle: „Sie sind separat gelagert und gesichert. Zuständig für die Führerscheine sind die Rechtspfleger und die Mitarbeiter der Geschäftsstelle.“ Die Scheine landen bei ihm, wenn ein Ermittlungsverfahren wegen eines Vergehens im Straßenverkehr läuft oder die Staatsanwaltschaft ihn behält, weil das Gericht ein Fahrverbot für den Angeklagten verhängt hat. „Fahrverbote werden sofort wirksam“, sagt Hertel. „Da kann sich der Fahrer nicht wie bei einer Ordnungswidrigkeit aussuchen, wann er seinen Schein abgibt.“