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Fünf junge Turmfalken am Fenster

Die frühere SZ-Redakteurin Margarethe Weber hat den kleinen Raubvögeln eine neue Heimstatt versorgt.

Durch einen Spalt kann eine Familie in Niederau direkt in die Kinderstube von Turmfalken schauen. Der Nistkasten steht vor dem Wohnzimmerfenster und wurde von einem Falkenpärchen angenommen. Die Jungtiere wachsen schnell heran.
Durch einen Spalt kann eine Familie in Niederau direkt in die Kinderstube von Turmfalken schauen. Der Nistkasten steht vor dem Wohnzimmerfenster und wurde von einem Falkenpärchen angenommen. Die Jungtiere wachsen schnell heran. © Weber

Von Margarethe Weber

Niederau/Meißen. Das war nicht abzusehen, dass wir vom Wohnzimmerfenster in eine Turmfalken-Kinderstube schauen würden. Es war gegen Ende April, als ein Turmfalkenpärchen unsere noch unbepflanzten Blumenkästen wohl als Heimstätte anflog. Vermutlich war das Paar aus dem Kirchturm Niederau von den Dohlen vertrieben worden und suchte nun nach einer neuen Bleibe.

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Turmfalken sind bekanntlich standorttreu. Da unser Haus unweit der Kirche steht, schienen dem Falkenweibchen zwei Blumenkästen an den Fenstern die geeignete Brutstätte zu sein. Sie probierte beide aus. Mehrere Tage hintereinander stieß das Weibchen in diese Kästen im ersten Stock des Wohnhauses. Immer wieder wurde in der Erde gescharrt. Schließlich war so etwas wie eine kleine Mulde entstanden. Während ihrer Arbeit lockte die Turmfalkenfrau mit dem typischen Balzlaut und -gehabe das Männchen an. Es wird Zeit für die Paarung, sollte das wohl heißen.

Der Falke zeigte allerdings wenig Interesse, an einem solchen Ort seine Nachkommen aufzuziehen. Für uns, die Bewohner des Hauses, war das ebenfalls nicht tragbar. Die Fenster zeigen zur Straßenseite, sind Wind und Wetter ausgesetzt. Auch die geringe Höhe zur Straße erscheint uns nicht günstig für ein solches Nest. Doch wir wollten den Falken helfen. Also baten wir den Stellmachermeister Roland März um den Bau eines Nistkastens. Nach einer Vorlage vom Nabu aus dem Internet zimmerte er mit viel Akribie eine kleine „Villa“. Für das Vogelpärchen sponserte der Niederauer sogar Material und Arbeitszeit.

Am 12. Mai hatte der Nistkasten vor dem Dachgeschossfenster, zur Ostseite ausgerichtet, seinen Platz gefunden. Wir haben auch noch die Wohnungseinrichtung besorgt: reichlich Erde. Alles war fertig, nur die schnellen Flieger waren seit Tagen zwar immer mal wieder zu hören, aber nicht mehr gesehen worden.

Als am Montagabend darauf das Weibchen dann doch im Kasten saß, atmeten wir auf. Unsere Fürsorge war angenommen worden. Wir waren dem Beringungsgehilfen Bernd Hartung, den wir inzwischen kontaktiert hatten, dankbar für seine mentale Unterstützung und Aufmunterung.

Knapp vier Wochen nach der Nestannahme lagen fünf dunkelbraun getüpfelte Eier in einer Ecke des Brutkastens. Hinter der Gardine beobachteten wir weiterhin die An- und Abflüge der Altvögel. Sie machten sich stets durch ihre charakteristischen Rufe bemerkbar. Ein Spalt in der Rückwand ermöglicht uns einen ziemlich guten Blick auf das Nestgeschehen. Aber nur auf das, was im vorderen Teil passiert.

So bekamen wir erst mit, dass die Küken geschlüpft waren, als die Fütterung begann. Neugierigerweise öffneten wir am 13. Juni nach Abflug der Altvögel erneut das Nest. Fünf muntere hungrige Turmfalkenküken piepsten uns an. Sechs Tage später waren sie so propper, dass Bernd Hartung zur Beringungszange griff. Eigentlich hatte er nur nach dem Gesundheitszustand sehen wollen. Wir hatten ihn informiert, weil wir den Anschein hatten, dass die Altvögel nicht genügend Futter heranschaffen würden.

Unsere Befürchtungen waren unbegründet. Bernd Hartung war überrascht über den guten Entwicklungsstand. „Dass die Nestlinge schon so weit sind, hätte ich nicht gedacht“, sagte er. „Jetzt wird beringt“.

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