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Für alle Fälle das passende Rezept

Ausgerechnet während Corona ist das Personal knapp in der Park-Apotheke. Doch Mangel managt die Chefin immer schon souverän. Nun wird sie abgelöst.

Eine ehemalige sowie die elf aktuell in der Park-Apotheke angestellten Mitarbeiterinnen haben mit ihrer bisherigen Chefin Monika Koch (vorn rechts) und der neuen Inhaberin Kristin Rost die Geschäftsübergabe gefeiert.
Eine ehemalige sowie die elf aktuell in der Park-Apotheke angestellten Mitarbeiterinnen haben mit ihrer bisherigen Chefin Monika Koch (vorn rechts) und der neuen Inhaberin Kristin Rost die Geschäftsübergabe gefeiert. © Dietmar Thomas

Hartha. Schon wieder ein neues Gesicht!, moniert ein Stammkunde. Und da ist der Rentner nicht der Einzige, wie die Inhaberin der Park-Apotheke erzählt. Monika Koch, ihre Mitarbeiterinnen und die neue Chefin Kristin Rost hätten wegen des Personalwechsels schon viele Fragen beantworten müssen.

„Nein, wir haben niemanden entlassen“, stellen sie klar. Vielmehr liegt es am Kinderwunsch, dass sich Kunden auch an neue Gesichter gewöhnen müssen. „Vier Frauen sind gleichzeitig schwanger. Und das in der Corona-Zeit. Das hat mich ganz schön vor Probleme gestellt“, gibt die Apothekerin zu. Doch die kleine, resolute Frau ist dafür bekannt, schnelle und praktische Lösungen zu finden. „Es lag auf der Hand, dass wir die Geschäftsübergabe nicht erst zum Jahreswechsel vollziehen, weil Frau Rost auch Personal mitbringt“, so die Apothekerin.

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Dass die 68-Jährige aufgrund des Mangels an Fachpersonal überhaupt eine Nachfolgerin fand, verdankt sie einem Zufall. „Auf einer Fachtagung sagte Frau Koch: Wollen Sie nicht meine Apotheke kaufen?“, erzählt Kristin Rost. Das war im September. Eine Woche später habe sie in Hartha angerufen und gesagt, sie nehme das Angebot an. Beide wollten sich Zeit lassen, doch die vier Schwangerschaften beschleunigten die Übergabe. „Ich setze mich sozusagen ins gemachte Nest“, freut sich die Döbelnerin.

Pharmazie von allen Seiten entdeckt

Die 37-jährige Mutter eines fünfjährigen Sohnes hat die Pharmazie schon von allen Seiten kennengelernt: Nach dem Studium in Leipzig arbeitete sie als Stationsapothekerin an der Uniklinik Dresden, später fünf Jahre in einem Glauchauer Krankenhaus als stellvertretende Leiterin der Klinikapotheke. „Ich bin sehr wissbegierig, wollte erfahren, wie Krankenkassen ticken. So bin ich bei der Barmer gelandet.“ Dort war sie unter anderem in der Landesgeschäftsstelle und Hauptverwaltung tätig, verhandelte mit Apotheken über Kassenleistungen.

So lernte Kristin Rost auch Monika Koch kennen, die sich seit der Wende im Apothekerverband engagiert. Dieses Engagement hat der Harthaerin wie auch den Kunden geholfen. „Als ich die staatliche Apotheke, die ich zuvor leitete, am 1. September 1990 von der Treuhand übernahm, wusste ich nicht, worauf ich mich betriebswirtschaftlich einlasse“, sagt Monika Koch. Die Planungen seien schwierig gewesen, weil Kosten etwa für Personal, Strom oder Wasser nur schätzbar waren. Trotzdem habe sie alle elf Mitarbeiter der Apotheke sowie der Technischen Kontrolle (TKO) des Pharmazeutischen Zentrums Döbeln, zu dem die Harthaer Einrichtung gehörte, übernommen. Auch Kathrin Wenzel. „Etwas Besseres hätte uns nicht passieren können“, sagt die Pharmazieingenieurin. Aufgrund der Qualifikation sei auch kein Anderer infrage gekommen.

Abenteuerlicher Start

Der Start war abenteuerlich, schildert Monika Koch: „Die Kassen erstatteten uns nicht die Beträge, die westliche Apotheken erhielten. Hätten wir im Verband nicht hart verhandelt, wäre ich nach drei Monaten pleite gewesen.“ Dafür nennt sie ein Beispiel: Zu DDR-Zeiten stand für Diabetiker nur Schweine- und Rinderinsulin zur Verfügung. Humaninsulin stellten die großen Pharmaproduzenten den Ost-Apotheken aber nicht zu einem günstigeren Preis zur Verfügung. „Trotzdem bestellte ich das Humaninsulin und trug die Differenz so lange, bis der Preis heruntergehandelt war.“

Den Menschen bestmöglich zu helfen, sei immer ihr Credo und das ihres Teams gewesen. „Da kommen die Leute schon mal mit dem Rentenbescheid, weil sie nicht wissen, ob sie eine Zuzahlungsbefreiung beantragen können“, sagt die Apothekerin. Um den Kunden das plausibler zu machen, sei eigens ein Merkblatt entworfen worden. Monika Koch und das Team stellten während des Corona-Lockdowns Desinfektionsmittel her, kümmerten sich um Mund-Nasenschutz aus der Schneiderei in der Nähe und darum, dass genügend Medikamente vorrätig sind. „Denn weil keine Lieferungen aus China und Italien kamen und obendrein gehamstert wurde, gab es Engpässe“, so Koch.

Eine neue App soll entstehen

Gegen Engpässe hatte sie schon zu DDR-Zeiten so ihre „Rezepte“. Wie beinahe alles waren auch bestimmte Arzneimittel knapp. Koch erinnert sich an das Medikament „Corinfar“. „Es wurde im Arzneimittelwerk Dresden hergestellt und war das erste, das die Sauerstoffversorgung wirksam verbesserte. Entsprechend groß war die Nachfrage, doch es dauerte zwei Jahre, bis die Menge ausreichte, um die Patienten zu versorgen. Deshalb haben wir die Tabletten aus den 100er Röhrchen in 50er Packungen per Hand verpackt“, erzählt sie. Aufgrund der Engpässe sei das Verhältnis zwischen Ärzten und Apothekern besser gewesen. „Wir haben die Ärzte regelmäßig angerufen und Vorschläge gemacht, welches verfügbare Medikament am besten zu den jeweiligen Diagnosen passt“, so Koch.

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Bestmöglich helfen möchte auch Kristin Rost mit den aktuell elf Mitarbeitern. „Dafür habe ich einen Heilberuf gewählt“, sagt die 37-Jährige. Umkrempeln, so sagt sie, müsse sie da nichts. Aber sie hat sich vorgenommen, die Internetseite der Park-Apotheke um eine App fürs Handy zu ergänzen. Ganz verabschieden wird sich Monika Koch am 1. Juli nicht. „Nacht- und Wochenenddienste möchte ich noch übernehmen. “ Das freut Kristin Rost und die Mitarbeiterinnen. Letztere schwärmen regelrecht von ihrer Chefin. „Sie ist energisch, weiß, was sie will, trifft schnelle Entscheidungen und findet für jedes Problem eine Lösung“, sagt Kathrin Wenzel. Das Team schätze an Monika Koch aber auch, dass sie den Mitarbeitern die Freiheit ließ, eigene Entscheidungen zu treffen.

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