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Staunen auf Indisch

Yashashree Devdikar hat an der Grundschule Oberottendorf drei Wochen hospitiert. Ihr Bild von Deutschland ist nun ein anderes.

Von Katarina Lange

Wenn Yashashree Devdikar an Deutschland dachte, dann hatte sie ein ganz besonderes Bild vor Augen. Von Eheleuten, die sich kurz nach der Hochzeit wieder scheiden lassen. Und von Kindern, die den ganzen Tag nur Fernsehen schauen, sich mit Mama und Papa nicht mehr verstehen und früh von zu Hause ausziehen. Heute kann die 37-Jährige darüber nur lachen. „Deutschland ist in Wirklichkeit ganz anders, als ich dachte“, gibt sie zu. Die Erkenntnis kam in Neustadt.

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Nur eine Handvoll Kinder zu unterrichten, das ist eine Premiere für Yashashree Devdikar (Mitte). Die Inderin hat in ihrer Heimat bis zu 60 Schüler in einer Klasse. An der Grundschule in Oberottendorf ist das anders. Hier kann sie sich für Anne, Moritz, Da
Nur eine Handvoll Kinder zu unterrichten, das ist eine Premiere für Yashashree Devdikar (Mitte). Die Inderin hat in ihrer Heimat bis zu 60 Schüler in einer Klasse. An der Grundschule in Oberottendorf ist das anders. Hier kann sie sich für Anne, Moritz, Da

Drei Wochen lang hospitierte Yashashree Devdikar an der Grundschule in Oberottendorf. Der Aufenthalt wurde über ein Programm des Auswärtigen Amtes organisiert. Deutschlandweit wurden Schulen gesucht, die ausländische Hospitationslehrer aufnehmen wollten. Oberottendorf bewarb sich – und bekam „Yasha“, wie die Grundschüler die Inderin inzwischen liebevoll nennen. Nicht nur für die Kinder war die Begegnung etwas Besonderes. Auch für die 37-Jährige war die Reise nach Sachsen eine Premiere.

Noch nie zuvor war sie in Europa, geschweige denn in Deutschland. Und trotzdem spricht sie fließend Deutsch. Gelernt hat sie die Sprache in der Schule, als dritte Fremdsprache. Zwischen Französisch und Deutsch musste sie sich damals entscheiden. Ihre Wahl war schon lange zuvor klar. Denn die ostindische Stadt Pune, aus der Yashashree Devdikar stammt, ist berühmt dafür, dass hier Deutsch gesprochen wird. In der Drei-Millionen-Metropole, die die neuntgrößte Stadt Indiens ist, wird seit etwa 100 Jahren Deutsch unterrichtet. „Ich habe die Sprache erst ab der elften Klasse gelernt“, erzählt die Pädagogin. Seit neun Jahren unterrichtet sie nun Studenten, die Deutsch als Fremdsprache studieren. „Die Sprache zu lernen, ist für uns Inder gar nicht schwer“, meint Yashashree Devdikar. Denn Deutsch und die heilige Sprache der Hindus, Sanskrit, seien sich sehr ähnlich. Das betreffe vor allem die Grammatik. „Wer Sanskrit kann, kann alle Sprachen sprechen“, ist die Lehrerin überzeugt.

Kaffeekränzchen mit Oma und Opa

Auch mit der deutschen Geschichte hatte sich die Inderin im Vorfeld beschäftigt. Ein Kapitel spielte in den indischen Büchern dabei aber keine Rolle – die DDR. Davon hat sie erst in Neustadt erfahren. Drei Wochen lang wohnte sie bei Schulleiterin Katrin Barowsky mit im Haus. „Bei den Kaffeerunden mit den Großeltern habe ich viel über die DDR-Zeit erfahren, das war alles neu für mich“, erzählt sie begeistert. Familie Barowsky hat ihre Vorstellung von Deutschland generell verändert. Aber auch andersherum seien Vorurteile verschwunden. „Frauen und Mädchen in Indien sind heute sehr gut ausgebildet“, sagt Yashashree Devdikar, die einen 16-jährigen Sohn hat. Das Land hätte sich rasant entwickelt. Auf allen Ebenen. Sie selbst sei ein Beispiel dafür. Zwischen den Schulen in Indien und Deutschland gäbe es aber auch große Unterschiede. In ihrer Heimat fehle zum Beispiel die Technik, darunter so gut ausgestattete Computerzimmer. In Deutschland wiederum sei die Disziplin etwas lockerer.

Neu war für die zierliche Frau auch die deutsche Küche. Um nicht zu sagen, gewöhnungsbedürftig. Was sie hier am liebsten gegessen hat? Yashashree Devdikar verzieht das Gesicht. Sie will nicht unhöflich sein, aber ihr Geschmack ist die deutsche Küche augenscheinlich nicht. Bis auf eine Ausnahme: vegetarischer Döner. „Und der Christstollen hat mir auch sehr gut geschmeckt“, fügt sie hastig hintenan.

Eine Kostprobe des deutschen Winterwetters konnte die 37-Jährige vergangene Woche nehmen. Als am Donnerstag der erste leichte Schnee fiel, staunte Yashashree Devdikar nicht schlecht. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagt sie mit großen Augen. In ihrer Heimat herrschen Temperaturen von über 30 Grad. Winter gibt es nur in Nordindien. Erinnerungen wie diese wird die Pädagogin nun mit zurück nach Indien nehmen. Denn heute heißt es, Abschied nehmen, wenn ihr Flug in Frankfurt startet.