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Löbau

Scheitert Therapie an fehlendem Hautarzt?

Der Neugersdorfer Marcel Wistuba hat nach einer Krebs-OP Probleme mit Narben und muss oft in die Uniklinik. Nun hängt die Behandlung an einer Überweisung.

Marcel Wistuba hat seit einer Krebs-OP Probleme mit der Narbe am Hals und braucht nun eine Überweisung vom Hautarzt für eine Laserbehandlung.
Marcel Wistuba hat seit einer Krebs-OP Probleme mit der Narbe am Hals und braucht nun eine Überweisung vom Hautarzt für eine Laserbehandlung. © Privat/Wistuba

Marcel Wistuba hat schon einiges hinter sich. Mit 15 Jahren erkrankte der Neugersdorfer an Schilddrüsenkrebs. Eine OP war nötig - und soweit auch erfolgreich. Allerdings sind dem jungen Mann auch elf Jahre danach noch sicht- und spürbare Nachwirkungen geblieben. "Mein Körper neigt dazu Narben dick und wulstartig werden zu lassen", beschreibt er dieses überschießende Hautwachstum, was in der Fachsprache Keloidose genannt wird.

Wegen dieser dicken Narbenbildung am Hals bekam Wistuba bis vor zwei Jahren Kortison in die Narbe gespritzt und muss nach wie vor regelmäßig in Dresden in die Uniklinik, um sich einer speziellen Lasertherapie zu unterziehen. 

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Doch diese Behandlung wackelt jetzt. Denn ihm fehlt ein Arzt, der ihm die Überweisung für die Uniklinik ausstellt: Während am Anfang nur eine Überweisung des Hausarztes ausreichte, muss es seit reichlich einem Jahr ein Dermatologe sein. Und den gibt es jetzt nicht mehr, seit Marcel Wistubas Hautärztin Uta Franke vor wenigen Wochen in den Ruhestand gegangen ist. Zumindest nicht in erreichbarer Nähe.

Die beiden Ärzte im Süden des Kreises, die zunächst für den jungen Mann infrage kamen, waren in Zittau und Herrnhut. Beide nehmen keine neuen Patienten mehr auf, die Herrnhuter Praxis ist aus Krankheitsgründen inzwischen sogar geschlossen. "Also der komplette Südkreis Löbau-Zittau hat jetzt noch einen Hautarzt in Zittau, der aber keine neuen Patienten mehr aufnimmt, nicht mal um eine Überweisung zu schreiben", fasst der 26-Jährige zusammen. Die nächsten Fachmediziner finden sich dann erst in Görlitz und Bautzen - aber auch da sind keine Kapazitäten frei.

Nächster freier Hautarzt in 140 Kilometern

Ratlos wandte sich Wistuba an seine Krankenkasse. Deren Rat, nochmals mit der Klinik zu reden, befolgte er - ohne Erfolg. Deshalb wandte er sich dann an die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung - an die Nummer 116117. Die Bearbeiterin am Telefon konnte ihm im Umkreis von 100 Kilometern keinen einzigen Hautarzt mit freien Kapazitäten benennen, zu dem sie Marcel Wistuba schicken könnte.

Der nächst gelegene Facharzt säße in Freiberg fast 140 Kilometer entfernt. "Mir wurde gesagt, dass ich doch mal einen Tag Urlaub machen und da hinfahren kann", erzählt Wistuba, der kaum fassen kann, was er da gehört hat: "Sie hat ernsthaft von mir verlangt, dass ich wegen einer Überweisung knapp 300 Kilometer fahre und einen Tag Urlaub mache - und das mindestens jedes Quartal einmal?" Für ihn ein Unding. Bei seinen täglichen Arbeitszeiten zwischen 6.30 und 16.30 Uhr hat er ohnehin schon Schwierigkeiten, Termine bei Ärzten mit weiten Anfahrtswegen wahrzunehmen.

Videosprechstunde könnte Lösung sein

Einen Hautarzt für die Region backen - das kann auch die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) nicht. Sprecherin Katharina Bachmann-Bux hat jedoch eine Idee, wie der junge Mann doch noch zu einer Überweisung kommen könnte: In Sachsen gibt es fünf Hautärzte, die explizit auch Online-Sprechstunden anbieten. Vier von ihnen sitzen in Leipzig, eine Medizinerin in Bad Schlema bei Aue - das kann man auf der KVS-Internetseite unter dem Stichwort Arztsuche finden.

"Ob diese Ärzte den Patienten ausschließlich per Video behandeln würden oder ihn wenigstens einmal in natura sehen wollen, kann ich natürlich nicht entscheiden, aber es wäre eine Möglichkeit", sagt Sprecherin Bachmann-Bux. Sollte Marcel Wistuba die wesentlichen Befunde oder gar die Kopie seiner Krankenakte haben und dies einreichen können, gäbe es aber sicher die Chance auf eine Video-Behandlung, nach der postalisch dann ein Überweisungsschein verschickt werden könnte.

Andernfalls könnte der Neugersdorfer nur noch einmal versuchen, alle Hautärzte in der Nähe abzutelefonieren, ob sie nicht doch noch neue Patienten aufnehmen und vielleicht eine Überweisung per Post verschicken können. Sonst bleibt ihm nur die Fahrt zum nächsten "freien" Hautarzt gegebenenfalls in Freiberg. "Im Endeffekt hat keiner einen Plan, jeder schiebt es auf den anderen, niemand will was davon wissen und ich bin der mit dem Problem", schildert Marcel Wistuba resigniert seine Sicht der Dinge. Aber es bleibt ihm nichts anderes übrig - er braucht die Behandlung auch weiterhin.

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