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Für die blaue Tonne fehlt der Platz

Entsorgung. Ab Januarsoll das Altpapier aufden Wohngrundstücken gesammelt werden. In vielen Orten des Kreises gibt es Protest.

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Von Jürgen Birkhahn

Änderungen in der Müllentsorgung springen seit gestern ins Auge: Im Landkreis Meißen werden blaue Tonnen verteilt. Darin wird künftig das Altpapier gesammelt. Die großen Container an den Stellplätzen, wo zugleich Gläser entsorgt werden, verschwinden. Zusätzliche Einnahme

Gegner sehen Probleme beim Aufstellen der Tonnen und werfen dem Zweckverband Geldverschwendung vor. So regen sich Proteste auch in Radebeul. Andreas Niese hat in seinem Grundstück in der Serkowitzer Straße eine Abstellbox für die Tonnen geschaffen. „Mit der Forderung, vier Tonnen aufzustellen, müssen wir den Platz erweitern. Das ist ohne bauliche Veränderungen nicht möglich“, so Niese.

Zwar ist die Entsorgung des Altpapiers nach wie vor kostenlos, doch müssen die Grundstückseigentümer für die Tonnen Platz schaffen. Das ist nicht überall machbar, wie Familie Habich aus der Lindenstraße in Nossen in einem Brief an die Sächsische Zeitung schreibt. „In den Reihenhäusern müssen alle Behälter über Treppen und Hausflure bewegt werden. Das ist schon bei einer 80-Liter-Tonne für die Restabfälle ein Problem“, sagt Alfred Habich.

Der Nossener bezweifelt zudem den ökonomischen Nutzen der Umstellung und spitzt die Situation noch zu: „Soll denn wirklich jedes Grundstück seinen eigenen Wertstoffhof einrichten? In ein paar Jahren bekommen wir dann vielleicht noch eine Glastonne?“

Der Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal (ZAOE), so dessen Geschäftsführer Raimund Otteni, will mit der Abschaffung der zentralen Papiersammelplätze für mehr Ordnung und Sauberkeit an den Stellplätzen sorgen. Außerdem rechnet er mit Mehreinnahmen durch den Verkauf des Altpapiers, da größere Papiermengen gesammelt werden könnten.

Mit dem Erlös könne man die Müllgebühren konstant halten, so Otteni, der sich mit einer Kosten-Nutzung-Rechnung allerdings bedeckt hält. „Sie müssen die Gesamtgebühr sehen“, sagt er. Mit dem Sammeln in künftig etwa 30000 Tonnen lasse sich mehr Geld verdienen. „Die Leute werden mehr Papier und Pappe ordnungsmäß entsorgen, weil sie es bis zur Tonne nicht mehr soweit haben“, so Otteni. Er könne die Aufregung nicht verstehen. Was in der Sächsischen Schweiz klappt, wird auch im Landkreis Meißen funktionieren, sagt er. Der Verband habe schon im Sommer anhand der Personenzahl in den Häusern einen Vorschlag unterbreitet. Daraufhin hatten alle Grundstückseigentümer die Möglichkeit, andere Tonnen zu bestellen“, sagt Otteni. Es hätten aber nur wenige davon Gebrauch gemacht.

In Weinböhla haben sich die Anwohner einer ganzen Straße zusammen getan und große Container bestellt. „Das ist auch in anderen Orten möglich“, sagt Otteni und erklärt, dass die Abfallberater auf Wunsch auch vor Ort kommen und gemeinsam mit den Hausbesitzern nach Lösungsmöglichkeiten suchen. Zudem sei ab Januar auch ein Umtausch der Tonnen möglich, wenn sie zu groß oder zu klein sind. Wertstoffhöfe unrentabel

Allerdings könne niemand verpflichtet werden, Papier und Pappe am Haus zu sammeln. Wer möchte, könne das Papier in die Wertstoffhöfe bringen. Deren Zahl verringert sich allerdings im nächsten Jahr, weil einige unrentabel arbeiten. „Hier stehen Ausgaben von 750000 Euro nur Erlöse von 24000 Euro gegenüber“. Lediglich in Gröbern, Meißen und Weinböhla werden die Höfe erhalten.