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Für die neue Sporthalle fehlt nicht nur Geld

Auch alles andere ist ungeklärt. Noch nicht mal über den Standort ist man sich einig. Den Sportlern läuft die Zeit davon.

Von Jürgen Müller

OSTRALE Biennale O19

Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Wenn es um die Sporthalle in Zehren geht, liegen die Nerven blank. Da springen bei einer Gemeinderatssitzung auch sonst eher ruhige und besonnene Bürger auf und tun ihre Meinung lautstark kund. „Ich habe den Eindruck, dass die Verwaltung die Halle gar nicht bauen will“, sagte der Zehrener Dr. Manfred Engelmann, der frühere Hausarzt in dem Ort. Bürgermeisterin Carola Balk (parteilos) regierte genervt, gereizt und für ihre Verhältnisse ungewöhnlich scharf: „Ich finde es unverschämt, wie hier diskutiert wird.“ Angesprochen fühlte sich vor allem Gemeinderat Lutz Wagner (Neue Wählervereinigung Zehren). „Ich werde mir auch weiterhin die Unverschämtheit leisten, hier offen meine Meinung zu sagen und Missstände anzuprangern“, sagte er. Zuvor hatte er kritisiert, dass zum Standort des Ersatzneubaus der mehrfach unter Wasser stehenden Halle noch immer keine Entscheidung getroffen wurde. „Ich bin verwundert, dass immer noch diskutiert wird. Wir sind keinen Schritt weiter als im Juli“, sagte er.

Es fehlt an allem

Tatsächlich ist das Ergebnis eineinhalb Jahre nach dem letzten Hochwasser dürftig. Genaugenommen gibt es außer dem Bekenntnis, eine neue Halle an einem anderen, hochwassersicheren Standort bauen zu wollen, nichts: keine Fördermittelzusage, keine verbindlichen und vertraglich gesicherten Spendenzusagen, keine Planung, ja noch nicht einmal Klarheit, wo die neue Halle entstehen soll. Darüber wird immer noch und immer wieder diskutiert. Für die Zehrener ist klar, dass es nur einen Standort geben kann: Schieritz. Dafür haben sie auch mehr als 400 Unterschriften gesammelt. Doch mehrere Standorte sind im Gespräch. Neben Schieritz sind das Obermuschütz, Naundorf, das Gelände der ehemaligen Ofenfabrik in Zehren. Letzter scheint allerdings schon aus Platzgründen auszuscheiden. Für Naundorf spräche, dass eine Halle dort neben der Feuerwehr auch als Ausweichunterkunft bei Hochwasser genutzt werden könnte. Problematisch sei dagegen Schieritz. Hier sei ein Bebauungsplan nötig. Schieritz sei auch nicht vollkommen hochwassersicher, sagte die Bürgermeisterin. Neben zusätzlichen Kosten, die für die Hochwassersicherung aufzubringen seien, gäbe es das Problem von Altlasten und der Abwasserschließung. Außerdem fehlten Buslinien, sei Schieritz schlecht erreichbar. Auch die notwendigen Spenden – nach Informationen der SZ rund 700 000 Euro – sind noch lange nicht eingeworben. Laut Bürgermeisterin soll jetzt ein Vertrag mit einem Dresdner Verein abgeschlossen werden. Die Summe, die er spenden will – die Rede ist von 150 000 Euro – reicht aber bei weitem nicht aus. Es müssen also weitere Spender gefunden werden. „Wenn wir in Schieritz bauen, müssen wir den Spendern aber sagen, dass die Halle dort nicht hochwassersicher ist“, so die Bürgermeisterin. Wagner ist empört: „Auf diese Weise kann man mögliche Spender vergraulen.“

Die Kosten für den Neubau einer Halle einschließlich Kegelbahn, die als Ersatz für die Kegelanlage in Niederlommatszch gedacht ist, bezifferte die Bürgermeisterin je nach Standort auf 2,4 bis 2,6 Millionen Euro. Darin enthalten sind auch die Kosten für die Hochwasserschäden an der alten Halle, die das Landratsamt aber noch ermittele. „Je höher diese Kosten sind, desto geringer ist der Eigenanteil, den die Gemeinde bezahlen muss“, erläuterte Carola Balk. Diera-Zehren hofft auf über 400 000 Euro aus dem Wiederaufbauplan. Etwa 1,1 Millionen Euro sollen aus der Sportförderung kommen. Dies ist aber alles noch nicht gesichert.

Lutz Wagner hat noch einen anderen Vorschlag. Er regte er, darüber nachzudenken, am gleichen Standort in Zehren eine Halle zu bauen, die hochwassersicher ist, also das Gelände aufzuschütten, so wie es etwa beim Kindergarten praktiziert wurde. Die Bürgermeisterin lehnt das ab. „Wir können nicht ein paar hunderttausend Euro in den alten Standort investieren, der nicht hochwassersicher ist und auch nicht sicher zu machen ist“, sagte sie.

Kritik an Behörde

Dass es noch keine Genehmigung für Schieritz gibt, schiebt die Bürgermeisterin auf die Naturschutzbehörde. „Wenn es darum geht, Windkraftanlagen zu bauen, ist alles möglich. Da zählt auch der Rote Milan nichts. Aber hier stellt sich die Naturschutzbehörde quer.“ Sie räumte auch ein, dass es bisher bei keinem einzigen Standort Bodenuntersuchungen gegeben habe. „Da kann es noch Überraschungen geben“, sagte sie. „Schieritz bietet sich als Standort förmlich an, aber wir müssen klären, was uns die Hochwassersicherheit an Mehrkosten bringt“, sagte Frank Spitzhüttl (Bürger von Diera-Zehren). Lutz Wagner und Zehrener Einwohner sehen in dem ganzen Prozedere Verzögerungstaktik. „Schieritz soll mit Macht zerredet werden“, glaubt Wagner. Die Bürgermeisterin weist das vehement zurück: „Die Entscheidung will wohlüberlegt sein. Schnellschüsse, Polemik und Unterschriftensammlungen helfen uns nicht weiter.“

Selbst wenn Fördermittel, Spenden, Planung und alle Genehmigungen schnell beschafft werden könnten, dürfte es wohl zwei Jahre dauern, bis die neue Halle steht. Für Lutz Wagner ist das zu spät. „Bis dahin haben sich die Vereine mangels Sportmöglichkeiten aufgelöst oder vielleicht auch eine andere Bleibe gefunden.“ Und dann gäbe es eine Halle, die keiner mehr brauche.

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