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Für eine Berufsfeuerwehr ist Roßwein zu arm

Irgendwann könnte eine Feuerwehr auf freiwilliger Basis nicht mehr funktionieren. Doch gibt es eine Alternative dazu?

Von Heike Stumpf

Auf die Stadt Roßwein könnten in einiger Zeit höhere Kosten für Brandschutz zukommen. Das prognostizierte Gemeindewehrleiter Wolfram Schirmer (DA berichtete) in einer der zurückliegenden Stadtratssitzungen. Passieren könnte das dann, wenn nicht mehr genügend Ehrenamtliche gefunden werden, die den Brandschutz als Pflichtaufgabe der Kommune erfüllen.

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Schirmer appellierte, mehr dafür zu tun, dass genügend Nachwuchs für die Freiwillige Feuerwehr gewonnen und die aktiven Kameraden auch gehalten werden. „Anderenfalls muss sich die Kommune mit einer Pflichtfeuerwehr beschäftigen“, sagte Schirmer. Dass es genau auf diese Bezeichnung ankommt, darauf macht Georg Riedel vom Vorstand des Kreisfeuerwehrverbandes aufmerksam. Im Beitrag stand das Wort Berufsfeuerwehr, was falsch ist.

„Eine solche Berufsfeuerwehr kommt für Roßwein aus heutiger Sicht wohl nicht infrage“, meint Georg Riedel und erklärt: „Berufsfeuerwehren können erst in Städten ab 80 000 Einwohnern eingerichtet werden.“ Ausnahme: Die Kommune könne es sich schon mit weniger Einwohnern leisten, eine solche Wehr zu unterhalten. Davon sei für Roßwein nicht auszugehen. Der Status Berufswehr sei außer den Kosten für den Träger für die Angehörigen mit gewissen Vorteilen versehen. Einer davon sei häufig eine Verbeamtung.

„Deswegen wird, wenn wir von etwas anderem als einer Freiwilligen Feuerwehr reden, es nur um eine Pflichtfeuerwehr gehen können“, erklärt der Vorstand des Kreisfeuerwehrverbandes. Das bedeutet, dass die Kommune eigene Bedienstete und wenn das nicht genügt auch andere Einwohner verpflichten kann, sich in den Dienst einer Wehr zu stellen. Diejenigen müssen sich in Sachen Brandschutz und technischer Hilfeleistung ausbilden lassen und dafür zur Verfügung stehen. „Theoretisch ist das vom Gesetzgeber durchaus so vorgesehen“, sagt Georg Riedel. Doch in der Praxis funktioniere das in aller Regel nicht. Das sei beim Feuerwehrdienst genauso wie bei anderen Dingen, zu denen man verdonnert werde. In Freiberg beispielsweise werde eine Art Zwischenlösung praktiziert. Dort beschäftige die Stadt hauptamtliche Feuerwehrleute. Berufsfeuerwehrleute dürften auch sie sich nicht nennen. Zusätzlich gebe es in Freiberg unterstützend ehrenamtliche Wehren.

Richtig ist, das räumt der Mann vom Kreisfeuerwehrverband ein, dass die Kommunen mit einer Freiwilligen Feuerwehr am günstigsten fahren. Denn wer einen Helfer verpflichte, der müsse ihm eine angemessene Aufwandsentschädigung zahlen. Vielerorts bekommen schon jetzt Ehrenamtliche einen kleinen Obolus für jede Stunde Freizeit, die sie nach einem Alarm unterwegs sind. In Roßwein gibt es so eine Regelung nicht. Da wird der Feuerwehr jedes Jahr eine festgelegte Summe zur Verfügung gestellt.

Knapp 80 000 Euro sind laut Gemeindewehrleiter Wolfram Schirmer für eine Pflichtwehr in Roßwein fällig. Hinzu kommen auch dann noch die Ausgaben für die Unterhaltung von Technik, Immobilien, Ausbildung und Ausstattung der Kräfte.