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Für einen Prinzen ist Marx nicht totzukriegen

Popsänger Tobias Künzel macht den Philosophen und Kritiker des Kapitalismus fast zum rockenden Musical-Helden.

Von Bernd Klempnow

Für Prinzen-Sänger Tobias Künzel war nicht alles schlecht. Das erklärt er fast entschuldigend bereits im gleichnamigen Hit der Leipziger Popgruppe. Das hat er bereits 1998 in dem Bitterfeld-Musical „Elixier“ über eine Jugendliebe vertont. Und nun macht er den Philosophen Karl Marx, der nach der Wende bei zu kurz Denkenden zum Buhmann des abgewirtschafteten DDR-Sozialismus avancierte, zum Helden. Im Vogtland-Theater Plauen feiert am morgigen Sonnabend die schrille Verwechslungskomödie „Comeback! Das Karl-Marx-Musical“ Uraufführung.

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Künzel jedenfalls hat vor Karl Marx noch immer gehörigen Respekt. „Er ist irgendwie nicht totzukriegen. Er hat viele kluge Dinge geschrieben“, sagte er. „Ich glaube, dass sich viele Leute heute daran erinnern, was sie einmal gelesen haben und erkennen müssen: Da ist mehr dran, als wir dachten.“

In einem rockigen Musical lässt der Künstler den Urvater des Kommunismus in Gestalt eines mittellosen Obdachlosen wiederauferstehen. Der Philosoph selbst, der mit seinen brillanten ökonomischen Analysen zu einem Kapitalismus-Kritiker wurde, tritt nicht auf. „Es gibt keine Vorlesung in Marxismus-Leninismus, sondern eine witzige Liebesgeschichte, die in London vor dem Hintergrund der Finanzkrise spielt.“

Ob das textlich gelingt? Musikalisch stehen die Chancen nicht schlecht. Denn Künzel ist nicht nur als der coolere der beiden Frontmänner der Prinzen bekannt. Etwa 60 Prozent des Repertoires der Erfolgsformation wie „Alles nur geklaut“, „Mann im Mond“ und „Ich will ein Baby“ stammen von ihm.

Der 49-Jährige lebt in Leipzig und in London. Dort sei ihm auch die Idee zu dem Musical gekommen. „Der Marx-Missbrauch in der DDR hat mit dem Philosophen ja nichts zu tun. Er hat seine Theorien ja nur aufgeschrieben“, sagt der Musiker. In London, wo Marx lange gelebt hat, sieht man das viel lockerer. Ich glaube nicht, dass mir die Idee zum Musical in Sachsen gekommen wäre.“

Egal, wie das Stück funktioniert, für das Theaterchen in der Provinz ist es ein Glück – frei nach Marx: Klappern gehört ... „Alle sind aufmerksam geworden, zum Teil entsetzt, mit weit aufgerissenen Augen“, sagt Künzel. „Ein Musical über den Froschkönig hätte niemanden interessiert.“