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Großenhain

Für jede Klasse einen Lehrer?

Personal ist weiter Mangelware: Nicht an jeder Schule im Großenhainer Land kann der Unterricht abgesichert werden.

Schulleiterin Birgit Büchner.
Schulleiterin Birgit Büchner. ©  Kristin Richter

Landkreis. Auch drei Wochen später schaut es vielerorts schlecht aus. Das nicht mehr ganz so neue Schuljahr krankt, woran es immer hapert: am teilweise akuten Personalmangel. 1100 Lehrer waren in den vergangenen Monaten gesucht worden, um den Bedarf an sächsischen Schulen zu decken. Knapp über 900 konnte das Kultusministerium immerhin zum 14. August besetzen. 

„Und es laufen nach wie vor Einstellungsgespräche“,sagt Petra Nikolov auf SZ-Anfrage. Wie die Sprecherin des Landesamtes für Schule und Bildung betont, würden vor allem Fachkräfte für naturwissenschaftliche Fächer gesucht. Personelle Hängepartien gebe es in Mathematik, Informatik, aber auch Englisch und Sport.

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Dass es in so manchen Fächern klemmt, wissen Verantwortliche vor Ort wie etwa Silke Gaida nur allzu gut. Die Leiterin der Schule mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung in Priestewitz kämpft zum wiederholten Mal damit, den Unterricht nicht abdecken zu können. 

Gegenwärtig arbeite sie mit einem Team von 15 engagierten Pädagogen, die auch bereit wären, Inhalte von Fächern zu vermitteln, in denen sie eigentlich nicht ausgebildet seien. Die fehlenden vier Lehrer könnten sie bei aller vorhandener Bereitschaft nicht ersetzen. Musik werde demnach ebenso zum Problem wie Sport und Fördern. 

Was Silke Gaida besonders plagt: Ihre Einrichtung – sie wird von 78 Schülern aus dem gesamten Landkreis Meißen besucht – sei zudem zuständig für die Diagnostik an den Regelschulen und die Betreuung von momentan 186 Integrationsschülern. „Diese Betreuung können wir leider aber nur zu zehn Prozent abdecken, da dafür das Personal fehlt“, gibt Silke Gaida zu bedenken.

Wesentlich besser dran ist da die Oberschule Ebersbach. Nachdem es in den vergangenen Jahren durchaus schon zu Zitterpartien gekommen wäre, habe es dieses Mal keine Einschränkungen gegeben. Zwar, so Schulleiterin Birgit Büchner, müsse man damit leben, dass zwei von 25 Kollegen auch an anderen Orten aushelfen müssten. Der Unterricht im eigenen Hause könne jedoch fachlich abgesichert werden. 

Unterstützt von einer Studienreferendarin mit der Fächerkombination Chemie und Geografie gebe es überdies einen Englisch- und Gemeinschaftskundelehrer, welcher gern an die Ebersbacher Schule wechseln wollte. „Wir freuen uns natürlich, wenn sich das Team so gut zusammenfindet und auch, dass diesem zwei Seiteneinsteiger angehören“, betont Birgit Büchner.

Dass Sachsen nach wie vor auf Frauen und Männer setzt, die neben den grundständig ausgebildeten Lehrern eine Hinwendung zur Arbeit mit Heranwachsenden hat, ist kein Geheimnis. Der Anteil jener, die aus anderen Berufsgruppen vor die Klassen drängten, liegt bei etwa 20 Prozent. 198 sogenannte Seiteneinsteiger waren bereits im Mai vom Freistaat eingestellt worden. Weitere, so Petra Nikolov vom Landesamt, folgten zum 1. November. 

„Voraussetzung für alle, die sich dafür interessieren, ist ein mit einem Master, Magister oder Diplom abgeschlossenes Hochschulstudium an einer Universität, Kunst- oder Fachhochschule“, weiß Nikolov. Sofort einen Arbeitsvertrag in der Tasche – weil dringend gesucht – dürften Gebärdendolmetscher haben. Ihre fachlichen Kompetenzen würden zurzeit benötigt.

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Anders im Großenhainer Werner-von-Siemens-Gymnasium. Die renommierte Schule habe laut Klaus Liebtrau in der sechsten Klassenstufe Sport auf zwei Stunden kürzen müssen. Auch sonst habe man laut dem Schulleiter in den Ferien gut damit zu tun gehabt, um den Plan entsprechend zu gestalten. Dank einem fachlichen Aufgebot an 65 Pädagogen, zu denen sieben Studienreferendare zählten, sei es letztlich gelungen. „Es ist immer ein Balanceakt, und wir können nur hoffen, dass niemand längerfristig ausfällt!“

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