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Für laute und auch leise Töne

Beim Tag der offenen Tür konnte man sich in der Kreismusikschule Weißwasser ausprobieren - nicht nur am Schlagzeug.

Mit Sergio López bleibt die Schlagzeugausbildung an der Musikschule in Weißwasser erhalten. Der Berufsmusiker aus Berlin freut sich auf die neue Aufgabe.
Mit Sergio López bleibt die Schlagzeugausbildung an der Musikschule in Weißwasser erhalten. Der Berufsmusiker aus Berlin freut sich auf die neue Aufgabe. © Foto: Joachim Rehle

Weißwasser. Einmal so richtig draufhauen. Beim Tag der offenen Tür an der Kreismusikschule in Weißwasser zieht das große Schlagzeug die Kinder geradezu magisch an. Der 4-jährige Jakob schlägt erst etwas zaghaft und dann voller Begeisterung auf Trommeln und Becken. 

Bei seiner Mutti hört sich das kurz darauf „gar nicht so verkehrt“ an. Man könnte auch sagen, richtig professionell. Im Landau-Gymnasium hat Sandy Dahley in einer Schülerband Schlagzeug und Gitarre gespielt hat. Leider sei das nach der Schulzeit auseinandergegangen. Sohn Jakob versucht es noch einmal. Sein Bruder Hannes (6) hingegen hat es nicht so mit der Lautstärke, er spielt lieber Klavier.

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Wenig später möchte die Mutti von David (5) wissen, ob das Instrument, welches beide „cool“ finden, etwas für ihn wäre. Sie selber, so erzählt Damaris Scheller aus Halbendorf, spiele einige Instrumente, jedoch keins so richtig gut. Aber ein Gefühl für Musik, das habe sie den Kindern weitergeben können. Schwester Hanna (10), die eigentlich Flöte lernt, setzt sich ebenfalls ans Schlagzeug. Die meisten Kinder schlagen mit Inbrunst auf die Trommelfelle. Sergio Antonio López Blanco bremst sie und lässt sie auch ganz leise probieren, dabei klingen die Becken wie Kirchenglocken.

Der gebürtige Venezolaner saß selber im Alter von neun Jahren das erste Mal am Schlagzeug. Damals habe er sich als Rockmusiker gesehen, erzählt er schmunzelnd. Berufsmusiker ist er tatsächlich geworden, ist allerdings in der Klassik zu Hause. Schon mit 15 spielte er in einem Orchester. Längst beherrscht er Trommeln, Pauke, Zylophon und die Latinoschlaginstrumente. Seit 2015 lebt Sergio López in Berlin. In gutem Deutsch erzählt der Orchestermusiker, dass er an zwei bis drei Tagen die Woche freie Kapazitäten hatte. Der 39-Jährige stieß auf eine Anzeige der Kreismusikschule Dreiländereck. Jetzt wird er Kinder in Zittau, Löbau und Niesky unterrichten und einige Stunden in Weißwasser geben. Darüber ist Dorothea Wollstadt, die Leiterin der Regionalstelle, froh. Im Sommer war vier Honorarlehrern gekündigt worden, darunter den beiden für Schlagzeug. Mit Sergio López könne das Angebot zum Erlernen des Instruments aufrechterhalten werden.

Dorothea Wollstadt erzählt vom Probenlager, welches Musikschüler aus Weißwasser und Zary in den Ferien in Polen verbrachten. Im Ergebnis fanden zwei Konzerte statt. Die Musikschüler spielten im Vorprogramm beim „Sommer mit Telemann“ in Zary. Am Projekt „MASZnehmen“ in Weißwasser waren mit Selina Franz (Klavier) und Lena Krahl (Cello) zwei erfolgreiche Musikschülerinnen beteiligt.

Lehrkräfte hoch motiviert

Am ersten Tag des neuen Schuljahres standen die Türen der Musikschule für Jedermann offen. „Es gibt immer wieder Kurzentschlossene“, weiß Dorothea Wollstadt. Oder welche, denen noch der zündende Funke fehlt. Beim Ausprobieren der Instrumente springt dieser meist über. Etwa 200 Schüler zwischen 3 und 88 Jahren aus dem Altkreis Weißwasser sind in der Regionalstelle eingeschrieben. In Weißwasser bietet die Kreismusikschule Dreiländereck Unterricht in 13 Instrumenten an, dazu im Fach Gesang. Am beliebtesten seien Klavier und Gitarre. „Vielleicht, weil es die bekanntesten Instrumente sind“, vermutet Dorothea Wollstadt. Allerdings seien sie gar nicht so leicht zu erlernen. Mancher springt wegen zu großer Erwartungen nach einigen Wochen wieder ab. Deshalb gibt es seit drei Jahren das „Instrumentenkarussell“. Im Laufe eines Schuljahres beschäftigen sich die Kinder mit sechs Instrumenten und finden so heraus, was ihnen am meisten liegt.

Wegen des Streits um die Entlohnung der Lehrkräfte und der Streiks war die Kreismusikschule Dreiländereck wiederholt in die Schlagzeilen geraten. Die Situation belastet auch in Weißwasser die Mitarbeiter. Dennoch seien die fünf angestellten und sechs Honorarlehrer „hoch motiviert ins neue Schuljahr gegangen“, war am Montag zu vernehmen. Zusätzlich zu Kinder- und Seniorenchor soll ein Jugendchor entstehen, „weil die Schüler ab 13 nicht mehr dasselbe wie die Kleinen singen wollen“. Die Idee sei noch ganz frisch. Die musikalische Früherziehung für Kinder ab 4 Jahre wird fortgesetzt. Ganz neu ist ab 5. September ein zweijähriger Kurs zur Musiktheorie mit Notenkunde und anderem mehr. Am 1. Oktober findet wieder die Musizierstunde statt. Selbstverständlich werde es auch das Weihnachtskonzert geben. Jedoch habe man wegen der unklaren Situation nicht wie gewohnt planen können.

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