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Weißwasser

Für leichteren Winterbetrieb

Der Neubau der Lokwerkstatt war für den Verein Waldeisenbahn Muskau eine Mammutaufgabe. Nicht nur aus finanzieller Sicht.

Sven Schlenkrich ist seit 20 Jahren im Verein. Der Ingenieur kann Beruf und Hobby  verbinden.
Sven Schlenkrich ist seit 20 Jahren im Verein. Der Ingenieur kann Beruf und Hobby verbinden. © Foto: Constanze Knappe

Weißwasser. Von außen erscheint die neue Dampflokwerkstatt der Waldeisenbahn Muskau (WEM) an der Teichstraße in Weißwasser wenig spektakulär. Und auch innen gibt es auf den ersten Blick keinen Grund zum Staunen. Dennoch ist es nicht einfach nur ein Neubau. Rund eine halbe Million Euro hat er gekostet, einschließlich dreier neuer Weichen und 160 Meter Gleis. Zwar steuerte der Freistaat Sachsen 75 Prozent aus Fördertöpfen bei, dennoch habe der Eigenanteil von 25 Prozent die Schmerzgrenze überschritten, sagt Vereinsvorsitzender Olaf Urban. Möglich wurde die Investition nur, weil der Verein „über Jahre angespart“ hat sowie durch Spenden.

Stolz auf das Geschaffene luden der Verein und der Geschäftsführer der WEM-Betreibergesellschaft, Heiko Lichnok, am Donnerstag zu einem Blick hinter die Kulissen. Selbst da sind die Dimensionen des Ganzen nicht sofort erkennbar. Der Altbergbau mit Schachtanlagen in dem Bereich wurde zu einer großen Herausforderung. In einem Winkel von 70 Grad reichte das Kohleflöz einst bis an die Oberfläche. „Wir haben hier Altboden bis zum Abwinken und die Probleme des Altbergsbaus auszubaden“, beschreibt Olaf Urban das Dilemma. Die Schwierigkeit bestand in der Sicherung des Geländes. Wegen der alten Bergwerksstollen im Untergrund bekam der Neubau nicht einfach nur ein Fundament. Wie von Wilfried Hänel zu erfahren ist, steht das Gebäude auf 18 Betonpfählen, die zwölf Meter tief in die Erde reichen und zur Hälfte im Wasser stehen. Sie mussten vor dem aggressiven Nass noch extra geschützt werden. Das zusammen schlug mit 100 000 Euro zusätzlich zu den eigentlichen Baukosten zu Buche.

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Errichtet wurde die sechs Meter hohe und 23 Meter lange Halle in Stahlleichtbauweise. Wenigstens die Grundstücksfrage war für den Verein kein Thema. Vor 20 Jahren hatte er die Fläche zwischen Jahn- und Teichstraße erworben. Seither war es allerdings eine wilde Brachfläche. Der „zweckmäßige Bau“ wurde an Strom- und Trinkwassernetz angeschlossen und verfügt über eine Gasheizung. Das ermöglicht, die Werkstatt auch im Winter für Reparaturarbeiten zu nutzen. Außerdem können nun die Loks vorgeheizt werden, was den ganzjährigen Betrieb erlaubt.

Die Fahrzeughalle verfügt über eine Untersuchungsgrube, sodass man jede Lok auch von unten genau inspizieren kann. Im Nebenraum wird eine Werkstatt zur Metallbearbeitung eingerichtet, zum Drehen, Bohren und was sonst noch so nötig ist. Gewissermaßen „als Abfallprodukt“, wie es Olaf Urban bezeichnet, entstand ein zusätzlicher Raum. Darin möchte der Verein sein Archiv einrichten. Dann könnten endlich alle Unterlagen, die bisher weit verstreut untergebracht sind, zusammengeführt werden. Zwar sei schon vieles digital erfasst, aber eben auch „noch viel Papierkram“ vorhanden. Der könnte dann gesichtet und richtig archiviert werden. Das werde eine Aufgabe für die nächsten Jahre.

24 Jahre bemühte sich der WEM- Verein um eine eigene Instandhaltungswerkstatt. Erst eine neue Richtlinie des sächsischen Wirtschaftsministeriums für Schmalspurbahnen ermöglichte, dass der Traum nun endlich wahr wurde. Mit der Umsetzung in den vergangenen 21 Monaten können die Bewahrer der historischen Bahntechnik um einiges beruhigter in die Zukunft schauen. Mit dem Ziel, die Waldeisenbahn Muskau so zu erhalten, wie sie war. Das habe man sich auf die Fahnen geschrieben.

Die WEM-Betreibergesellschaft fährt im Tagesgeschäft mit Dieselloks. Der WEM-Verein besitzt vier historische Dampfloks, von denen drei schon 100 Jahre alt sind. Alle zwei Jahre müssen sie zur Hauptuntersuchung. Alle acht Jahre steht zudem eine Generalüberholung an. Das kostete einst 100 000 D-Mark. Inzwischen fallen 250 000 Euro an, wenn man es in Osteuropa machen lässt, in Deutschland nahezu das Doppelte. Geld, das relativ kleine Vereine selber kaum erwirtschaften können. Die Finanzierung der Instandhaltung der historischen Loks trieb dem Vereinsvorstand regelmäßig die Sorgenfalten auf die Stirn. Ganz davon abgesehen, dass dafür Wartezeiten von drei Jahren bestehen.

In der neuen Werkstatt kann die jeweilige Dampflok nun in Eigenleistung zerlegt und Einzelteile wie Kessel oder Tragwerk zur Sanierung in Spezialfirmen gebracht werden. Danach bauen Vereinsmitglieder in mühevoller Kleinarbeit ihre Lok wieder selber zusammen. Das spart, wie man sich leicht vorstellen kann, eine ganze Menge an Geld. Vieles haben sich die Hobby-Eisenbahner des WEM-Vereins in der Freizeit selber angeeignet. So habe man sich beispielsweise bei den Zittauer Schmalspurbahnen angeschaut, wie Gleitlagerschalen gegossen werden. „Inzwischen können wir das selbst“, erzählt Heiko Lichnok .

Bereits in der Halle steht die jüngste Dampflok des Vereins, Baujahr 1938. Bis 1976 war sie in einem Steinbruch bei Kamenz im Einsatz, wurde nach dessen Schließung 1978 nach Gera umgesetzt, wo sie 20 Jahre unter freiem Himmel stand. Bei der Waldeisenbahn Muskau wurde sie „zu einem rollfähigen Museumsstück aufgearbeitet“. Sie soll den Fahrzeugpark ergänzen. Um sie tatsächlich nutzen zu können, muss sie überholt werden. Ein Fördermittelantrag über 200 000 Euro ist gestellt. Der Eigenanteil klingt in Prozent zwar wenig, macht in Summe aber 38 000 Euro aus.

Mit seiner historischen Technik und nun der Lokwerkstatt sieht sich der Verein für die Zukunft bestens gerüstet. Nicht nur mit Blick auf den 125. Geburtstag 2020. Die Vorbereitungen darauf laufen bereits. Einen Vorgeschmack kann man sich bei den Mondscheinfahrten am 6. September und den Sonderzügen am 7./8. September zum Turmfest am Schweren Berg in Weißwasser holen. Karten dafür gibt es bereits.

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