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„Für Leute, die mit Herz und Blut an Radebeul hängen“

Das Heft „Vorschau & Rückblick“ gibt es seit 30 Jahren – trotz mancher Schwierigkeiten.

Ilona Rau, die Vereinsvorsitzende von „Vorschau & Rückblick“, mit den aktuellen Heften.
Ilona Rau, die Vereinsvorsitzende von „Vorschau & Rückblick“, mit den aktuellen Heften. © Arvid Müller

Die kleine Zeitung „Vorschau & Rückblick“ ist ein Phänomen. Es gibt sie seit 30 Jahren in Radebeul – ohne jede Unterbrechung. Monatlich erscheint sie, und nach spätestens zwei Wochen ist sie vergriffen. Manche nennen sie wegen des gleichen Formats die Weltbühne von Radebeul. Wie das geht, 30 Jahre zu bestehen und gefragt zu sein, beantwortet Ilona Rau, die den Verein Radebeuler Monatsheft e.V. „Vorschau und Rückblick“ leitet und seit Beginn dabei ist.

Frau Rau, viele andere Zeitungen und Zeitschriften sind längst wieder untergegangen – warum „Vorschau & Rückblick“ nicht?

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Zum einen, weil sich alte Radebeuler noch an das Heft aus den 1950er-Jahren erinnern und anfangs neugierig waren. Zum anderen denke ich, dass die Inhalte Interesse finden. Es geht um Geschichte, Denkmalschutz, es gibt Rezensionen zu aktuellen Theateraufführungen, zu Büchern und zur Radebeuler Kunstszene überhaupt. Was die ehemalige Stadtarchivarin von Radebeul, Lieselotte Schließer oder unsere Redaktionsmitglieder und andere Autoren schrieben und schreiben, das sind gut recherchierte Beiträge, die Hand und Fuß haben. Das gefällt offenbar den Leserinnen und Lesern.

Ist das das Blatt des Bürgertums von Radebeul? Wer ist die Leserschaft?

Na, dann wären die Kunden von Aldi, Rewe, Kaufland das Radebeuler Bürgertum. Doch wohl nicht. Breit gefächert ist die Leserschaft. Vor allem Radebeuler, die mit Herz und Blut an der Stadt hängen, aber auch Menschen aus den umgebenden Orten wie Moritzburg, Weinböhla, Coswig, Cossebaude freuen sich über unser Heft.

Sie haben auch Lesermeinungen drin. Sogar eine Frau aus New York hat geschrieben. Wie kommt das?

Das ist eine ehemalige Radebeulerin, die es dorthin verschlagen hat. Die Kontakte entstehen oft auch durch Freunde oder Verwandte. Einige bekommen das Heft in die westlichen Bundesländer geschickt. Wer Mitglied ist – 25 Euro im Jahr – kann das Heft zugesandt bekommen. Der Beitrag deckt die Portokosten. Deshalb verteilen wir auch viele Hefte persönlich in Radebeul und Umgebung, um die Portokosten zu sparen.

Die Meinungen und Beiträge in „Vorschau & Rückblick“ machen einen sehr offenen, angenehmen Eindruck.

Wir sind niemandem Rechenschaft schuldig. Wir haben auch keinen Chef, jedoch einen Chefredakteur, bei dem alle Beiträge zusammenlaufen und der die Inhalte begutachtet. Er bekommt dafür eine kleine Aufwandsentschädigung, ebenso unsere zwei Onlineverantwortlichen. Alle anderen arbeiten unentgeltlich. Den Schluss setzt unsere Layouterin, die das Heft in die Druckerei gibt. Sie kümmert sich auch seit vielen Jahren um die Inserenten.

Kann jeder für „Vorschau & Rückblick“ schreiben, oder ist das nur ein enger Zirkel?

Nein. Es kann jeder uns Beiträge schicken. Manchmal treffen wir Leute, die was zu sagen haben, die was Tolles erlebt haben oder was kritisieren müssen. Dann sagen wir auch: „Schreiben Sie das doch auf“. Sicher muss das Geschriebene auch ein lesbares Niveau haben. Das zu entscheiden, behalten wir uns vor. Manchmal werden wir auch gebeten, uns eines Themas anzunehmen. Wünschen würden wir uns, dass auch junge Leute Lust hätten, mal einen Beitrag zu scheiben. Im Herbst soll es deshalb zusammen mit dem Lößnitzgymnasium eine Schreibwerkstatt geben. Die besten Ergebnisse wollen wir dann in „Vorschau & Rückblick“ veröffentlichen.

Was würde als Geschriebenes abgelehnt, was kommt nicht rein?

Politische Statements. Demokratiefeindliches kommt nicht rein. Aber das hat noch niemand versucht. Wir bekommen Hinweise und oft auch Lob.

Es gab mal richtig Geldschwierigkeiten. Seit Jahren aber wird das Heft von Sponsoren und Inserenten unterstützt. Warum geben diese Personen und Firmen Geld?

Weil sie die Hefte gut finden. Wir wollten am Anfang ein Kulturheft ohne jegliche Anzeigen haben. Das war schiefgegangen, weil wir die Kosten für Druckerei und Redaktion unterschätzt hatten. Da waren allerhand Schulden zusammengekommen, die wir erst nach und nach mit viel Unterstützung durch Spender und die Stadt tilgen konnten. Danach haben wir uns sehr schnell entschieden, dass wir Annoncengeber suchen, weil sie das Heft und die Themen gut finden und nicht zuerst damit auf mehr Kunden hoffen. Mit diesem Hintergrund haben uns auch viele Händler und Gewerbetreibende unterstützt. Auch die Stadt Radebeul gibt uns von Beginn an eine jährliche Unterstützung im Rahmen der Vereinsförderung, in den letzten Jahren waren es 600 Euro im Jahr. Zukünftig werden Anzeigen ebenso über unseren Internetauftritt möglich sein. An dieser Stelle möchte ich auch erwähnen, dass wir viele private Spender haben, die uns sehr helfen.

Ist das nun die kleine Weltbühne von Radebeul?

Nein, es ist „Vorschau & Rückblick“ von Radebeul. Mehr zum Jubiläum kann jeder in unserem Jubiläumsheft vom Mai erfahren.

Interview: Peter Redlich

www.vorschau-rueckblick.de

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