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Für Olympia: Hindernis-Ass wird Sportsoldat

Der Dresdner Karl Bebendorf kündigt seinen 30-Stunden-Job. Jetzt zählt nur der Titel bei der Corona-Meisterschaft – und der Weg nach Tokio.

Er nimmt das nächste Hindernis: Karl Bebendorf.
Er nimmt das nächste Hindernis: Karl Bebendorf. © Ronald Bonß

Dresden. Ob diesmal etwas mehr Verantwortung auf seinen Schultern lastet? Bei der deutschen Meisterschaft der Leichtathleten am Wochenende in Braunschweig startet Karl Bebendorf vom Dresdner SC als einziger Titelverteidiger seines Klubs.

Doch selbst das war lange unklar. Bis Mitte Juli sah das Hygiene- und Sicherheitskonzept des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) einen Verzicht auf die Mittel- und Langstrecken ab 1.500 Meter vor. Als deutscher Meister über 3.000 Meter Hindernis wäre auch Bebendorf davon betroffen gewesen. Letztlich wurden die Auflagen des Gesundheitsamtes so gelockert, dass alle starten dürfen. „Das Laufen wird wie gewohnt sein. Der Rahmen ist halt anders“, sagt er. Alle Athleten dürfen sich nur zwei Stunden vor ihrem Wettbewerb und bis eine Stunde danach im Stadion aufhalten. Durch diese „Wellen“ will der Veranstalter das Infektionsrisiko minimieren. „Das ist nachvollziehbar. Ich bin froh, dass überhaupt etwas stattfindet“, sagt der 24-Jährige, der erst am Sonntag mit dem Auto anreist, natürlich nur als Beifahrer seines Trainers Dietmar Jarosch.

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Eine besondere Bürde ob seines Erfolgs aus der Vorsaison empfindet er nicht. „In der Hinsicht bin ich voll auf mich fixiert. Da ist es mir egal, was um mich herum passiert“, sagt er. Viel wichtiger ist für Bebendorf, dass er seine eigenen Ansprüche erfüllt. „Ich will es mir selbst und den Zweiflern beweisen, dass das im Vorjahr keine Eintagsfliege war.“ Seine Freude hält sich tatsächlich etwas in Grenzen. Auch das kann der kommunikative Kerl begründen. „3.000 Meter Hindernis ist jetzt nicht das, worauf ich mich schon drei Wochen vorher freue. Das ist eine ziemlich elende Strecke, die einen an die Grenzen bringt." Er war 2019 kurzerhand von seiner bis dato bevorzugten Distanz über 1.500 Meter auf die Hindernisstrecke zurückgekehrt, auf der er als Junior erfolgreich gewesen war. Bebendorf wurde auf Anhieb deutscher Meister, löste dabei auch noch das Ticket für die Wüsten-WM in Doha.

Dort schied er erwartungsgemäß im Vorlauf aus. Das soll ihm bei Olympia 2021 nicht passieren. Dabei helfen auch neue Einsichten während der Corona-Zeit. Denn auch ohne die üblichen Höhentrainingslager ist er in erstaunlicher Verfassung. Ein Rennen über die bei den Männern selten gelaufenen 2.000 Meter Hindernis beendete Bebendorf vor zwei Wochen als Sieger nach 5:26,81 Minuten – die zweitschnellste Zeit eines Deutschen.

Der Dresdner Karl Bebendorf trainiert mit seiner Atemmaske auch in der Sächsischen Schweiz.
Der Dresdner Karl Bebendorf trainiert mit seiner Atemmaske auch in der Sächsischen Schweiz. © privat

„Ich bin mehr als zufrieden, komme an meine Leistungen aus der Vorsaison heran, bin vielleicht sogar besser – und das ohne Höhentraining“, bestätigt Bebendorf. „Das macht mich zuversichtlich für nächstes Jahr. Die lange Trainingsphase gibt mir genau das, was ich brauchte“, sagt Bebendorf.

Für sein Ticket nach Tokio muss Bebendorf 2021 optimalerweise die DLV-Norm von 8:22,00 Minuten unterbieten. So schnell war seit 17 Jahren kein Deutscher. Die Bestzeit des Dresdners liegt bei 8:27,52 Minuten. Daran wird sich auch in Braunschweig nichts ändern. „Da ist mir die Zeit völlig egal. Ich will einfach nur den Titel.“ Das DSC-Ass will sich deshalb noch bei einem möglichen internationalen Event verdingen, beim Meeting der Diamond League am 14. August in Monaco zum Beispiel. Abgesagt ist das zumindest noch nicht.

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Eine wichtige offizielle Zusage bekam Bebendorf auch in diesen Tagen. Im September wird er nach einem entsprechenden Antrag des DLV in die Sportfördergruppe der Bundeswehr aufgenommen. Nach vier Wochen Grundausbildung ist Bebendorf vom Dienst freigestellt, bekommt dennoch weiter Gehalt. Seinen Status muss er aber Jahr für Jahr mit Leistungen untersetzen. Der gebürtige Dresdner kündigte dafür zum Monatsende sein befristetes Arbeitsverhältnis als Kundenberater bei der AOK plus – mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Ich wäre jetzt nicht auf diesem Niveau, wenn ich diese Sicherheit nicht gehabt hätte. Die AOK hat einen Anteil an meinem Erfolg“, sagt er. Zuletzt erfüllte er neben dem Leistungssport eine 30-Stunden-Woche bei der Gesundheitskasse. „Bei der Bundeswehr habe ich total den Kopf frei, kann nur das machen, was ich eigentlich will“. Nämlich laufen. „Das ist eine Grundlage, die mir kein anderer Arbeitgeber ermöglichen kann. Ich will jetzt alles in den Sport investieren, möchte mir nachher keine Vorwürfe machen“, betont der Hindernisläufer.

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