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„Für Omas Fusseln und das Gesicht der Braut“

Was hat in Wachau bisher gefehlt? Richtig: ein Kosmetiksalon. Fachfrau Antje Herrich hat sich nach ihrem zweiten Kind in die Selbständigkeit gewagt und eröffnet in wenigen Tagen ihre eigene Praxis.

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Von Birgit Andert

„Ich mach die Fusseln der Omi genauso gern wie ein anspruchsvolles Make-Up“, sagt Antje Herrich und beschreibt damit lächelnd ihren Beruf. Man merkt, dass die 35-jährige Frau nicht lügt, wenn sie erzählt, wie schön es ist, wenn eine Omi ihr nach einer Fußpflege dankbar die Hände drückt. Begeisterung für ihren Beruf – das braucht Antje Herrich in den nächsten Monaten mehr denn je. Denn die gelernte Kosmetikerin hat sich selbständig gemacht und eröffnet am Montag in Wachau ihre eigene Praxis.

Salbei und Thymian

statt Kolonialwaren

Wo jetzt Salbei und Thymian die Wände schmücken und meditative Musik die hellen Räume füllt, werkelte vor einem halben Jahrhundert schon der Großvater ihres Mannes herum. Kolonialwaren hat Fritz Einert bis 1952 in den zwei Räumen auf der Teichstraße verkauft, und die alten Wachauer erinnern sich noch, wie sie ihre Schuhe, Bonbons und Seifendosen in dem Geschäft erstanden. „Nach 1952 wurden die Räume nur noch als Schuppen genutzt“, erzählt Antje Herrich. Und zögerte nicht lange, als die Schwiegereltern ihr anboten, die Zimmer freizuräumen.

„Nach dem Babyjahr wollte ich nicht wieder nach Dresden zurück“, erklärt die zweifache Mutter, warum sie den Sprung in die Selbständigkeit gewagt hat. „In der Beauty-Farm, wo ich lange gearbeitet habe, bin ich abends nicht vor zehn rausgekommen.“ Das wollte sie der jetzt 15 Monate alten Sophia dann doch nicht antun, und so hat sie seit einem Vierteljahr in jeder freien Minute geackert und sich mit der Hilfe von Mann und Freunden ein kleines Schönheits-Reich errichtet. „Eigentlich ist alles fertig“, sagt sie und lässt den Blick prüfend über Theke und Regal, Liege, Wagen und Fußbecken gleiten. „Trotzdem habe ich auch Bauchschmerzen und wache mitten in der Nacht auf.“

Fachfrau und keine 0815-Kosmetikerin

Nach drei Monaten Arbeitslosigkeit wird sie ab September als Ich-AG vom Arbeitsamt gefördert und ist heilfroh über die anfänglich 600 Euro Zuschuss im Monat. „Damit kann ich wenigstens die Kosten wie Versicherung und Berufsgenossenschaft abdecken“, erklärt die junge Frau. „Ob die Kunden gern in meine Praxis kommen, liegt natürlich dann an mir.“ Auf das Wort „Praxis“ legt sie ganz besonderen Wert: „Ich bin eine Fachfrau und keine 0815-Kosmetikerin“, erklärt sie. In der Ausbildung zur Kosmetikerin in der Medak musste sie zum Beispiel auch ein dreimonatiges Praktikum in der Hautklinik machen, was ihr heute natürlich hilft.

Dabei war ihr Weg zur Kosmetik keineswegs selbstverständlich. Als Kind eines Bauern musste sie ihren Vater erst mal überzeugen, dass sie auch als Kosmetikerin richtig arbeiten würde. „Du musst aber weiter Schweine füttern!“ soll er gesagt haben, erzählt sie lachend. Die nächste Hürde türmte sich auf, als es in der PGH Friseure in Nossen nur eine Ausbildungsstelle für Kosmetik gab, und die war für die Tochter der Konsumvorsitzenden blockiert. „Da bin ich hingegangen und hab gesagt: Ich will Kosmetikerin werden oder gar nichts“, erinnert sich Herrich. Und hat mit ihrer burschikosen Art die Stelle schließlich doch gekriegt. „Es hat mir gleich unheimlich Spaß gemacht“, weiß sie noch. Bei Kreis-, Bezirks- und sogar der DDR-Meisterschaft hat sie immer den dritten Preis abgesahnt und deshalb kurzzeitig überlegt, zu Film oder Theater zu gehen, um professionelles Make-Up zu machen.

„Ich liebe meinen Beruf zu sehr“, war für sie schließlich der Grund, doch bei der „normalen“ Kosmetik zu bleiben. „Es ist einfach schön, anderen Menschen zu helfen. Sei es die kleine Omi mit ihren Fusseln, ein Teenagern mit Pickeln im Gesicht oder die Braut, die ein tolles Make-Up zur Hochzeit will.“ Zwei Freundinnen lagen zur Generalprobe in den eigenen Räumen schon mal auf ihrer Liege, ein Hochzeits-Make-Up war die Premiere vor der Eröffnung am Montag.

Weil es weder in Wachau noch in Seifersdorf, Leppersdorf oder Lomnitz schon eine Kosmetik oder Fußpflege gibt, hofft Antje Herrich, in etwa einem Jahr einen Kundenstamm aufgebaut zu haben, von dem sie leben kann. „In zwei Jahren will ich, dass mein Terminbuch ausgefüllt ist“, sagt sie. Ein paar wenige stehen jetzt schon drin.

Kosmetik- und Fußpflegepraxis Antje Herrich, Teichstraße 25a, Wachau, Tel.: 03528/41 68 87, Funk: 0173/7 90 06 94

Neueröffnung: 1. September 2003

Tag der offenen Tür: 30. August ab 10 Uhr mit „Open End“