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Für Quasselstrippen wird es richtig teuer

„Telefonieren in der Elblandklinik ist ja teurer als im Hotel.“ Dies hat Ernst B. aus Meißen festgestellt. Im Handumdrehen sei seine Telefonkarte, die er mit 20 Euro aufgeladen hatte, verbraucht gewesen.

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Von Jürgen Müller

„Telefonieren in der Elblandklinik ist ja teurer als im Hotel.“ Dies hat Ernst B. aus Meißen festgestellt. Im Handumdrehen sei seine Telefonkarte, die er mit 20 Euro aufgeladen hatte, verbraucht gewesen. „Dabei bin ich keine Quasselstrippe, habe nur kurz telefoniert“, so der Rentner. Das gesamte Telefonnetz sowie die Rundfunktechnik werden in den Meißner Elblandkliniken von einer Privatfirma betrieben, sagt Verwaltungsdirektor Jörg Ruppert. Der Vertrag ist für zehn Jahre abgeschlossen worden und nicht ohne weiteres kündbar. Bei einem Vergleich von Telefonkosten, den die Verbraucherzentrale Sachsen anstellte, kamen die Elblandkliniken ziemlich schlecht weg. „Doch da wurden Äpfel mit Birnen verglichen“, so Ruppert. So wurden psychiatrische Kliniken in den Vergleich mit einbezogen, obwohl die keine Telefone an den Betten haben. „Wer nur Münzfernsprecher hat, der braucht weniger zu investieren und ist natürlich billiger“, so Ruppert.

Keine Rechnung und kein Verbindungsnachweis

In der Meißner Klinik muss derjenige, der das Telefon am Bett benutzen will, eine Grundgebühr von 1,75 Euro zahlen. Eine Einheit kostet zehn Cent, so viel wie auch in der Radebeuler Klinik. Hier ist die Grundgebühr mit 1,70 Euro pro Tag etwas geringer, obwohl der gleiche Anbieter wie in Meißen die Anlage betreibt. Die Krankenhäuser verdienen an den Telefonkosten keinen Cent, sagt der Verwaltungsdirektor. Die Fremdfirma hat erheblich investiert und kann nun auch den Gewinn abschöpfen. Jeder zweite Patient nutzt das Telefonieren vom Krankenbett aus. Wer das nicht will und die Grundgebühr sparen möchte, kann einen Münzfernsprecher benutzen. In der Meißner Klinik gibt es davon sechs.

Ähnlich funktioniert das Telefonieren im Coswiger Fachkrankenhaus für Pneumologie und Thoraxchirurgie. Hier sind 1,64 Euro Tagesmiete fällig, eine Einheit kostet 15 Cent. „In der Tagesmiete sind auch Gebühren für Rundfunk und Fernsehen mit drin“, sagt Evelyn Berge von der Rezeption. Das ist auch in Meißen und Radebeul so. Allerdings: Wer nur Fernsehen möchte, der braucht keine Grundgebühr zu zahlen. Rechnungen und Einzelverbindungsnachweise über die Gespräche gibt es generell nicht. In der Meißner Klinik ist das zwar technisch möglich, wird aber nicht gemacht. Generell verboten in den Krankenhäusern sind Mobiltelefone. Sie könnten die sensible Technik stören und Patienten mit Herzschrittmachern Schwierigkeiten bereiten. „Das ist zwar noch nicht explizit nachgewiesen, wird von Fachleuten aber vermutet“, so Ruppert. In den Außenanlagen könne das Handy jedoch verwendet werden.

Ist Telefonieren also in Krankenhäusern tatsächlich teurer als im Hotel? Schwer zu sagen, weil die Vergleichsgrundlage fehlt. Im Meißner „Mercure“-Hotel zum Beispiel kostet die Einheit 35 Cent. Dafür fallen keine Grundgebühr oder Tagesmiete an. Bei privaten analogen Telefonanschlüssen kostet eine Einheit bei der Telekom sechs Cent, von 21 bis 8 Uhr und an den Wochenenden vier Cent. Hinzu kommt die monatliche Grundgebühr.