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Fundamentale Probleme

Beim Abriss der alten Eishalle gibt es Streit zwischen Stadt und Baufirma. Es geht um dicken Beton und große Beträge.

Von Thomas Staudt

Trümmer und eine Betonfläche. Das ist alles, was vom Fuchsbau, der alten Weißwasseraner Eishalle, übriggeblieben ist. Noch da sind auch die Fundamente. Sie sind mächtiger als angenommen, sagt die Abrissfirma und will mehr Geld. Die Stadtverwaltung lehnt das rigoros ab. Sie befürchtet Abzocke. Viele Bürger befürchten dramatische Kostensteigerungen. Die Gerüchteküche kocht. Diese Woche hat der Bauausschuss zum Thema getagt. Eine Lösung scheint in weiter Ferne. Aber ein akzeptabler Vorschlag ist zum Greifen nah.

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Der Auftrag: Jedes Auftragsdetail

ist genau definiert

Vor der Ausschreibung hat sich das Baureferat im Rathaus die alten Unterlagen vorgenommen und alle Leistungen minutiös beschrieben. „Es geht um 50 000 Kubikmeter umbauten Raum“, erklärt Referatsleiter Thomas Böse. Dach, Wände, Maschinenhaus. Auch die Schichtenabfolge des Unterbaus ist weitgehend klar: Beton, Dämmung, Kies, Bitumenschichten, in welcher Reihenfolge auch immer. Die zweimal sieben Punktfundamente sind mit Maßen von 3,20 m x 2,60 m x 2 m angegeben. Auf diese Angaben sind alle Angebote zugeschnitten. Den Zuschlag erhält die Firma A.R.S. aus Hoyerswerda für 363 000 Euro. Thomas Böse wäre der Zweitplatzierte lieber gewesen. Er lag nach SZ-Informationen rund 50 000 Euro höher. Er habe mit Ronald Scholz von A.R.S. schlechte Erfahrungen gemacht, so Böses Begründung. Doch die Rechtsaufsicht sagt Nein.

Der Ablauf: Ist die Meldung über

den Zeitverzug zu früh gekommen?

Der Abriss startet Anfang Dezember, und damit zwei bis vier Wochen zu spät. Bereits im Januar meldet Thomas Böse von der Stadtverwaltung zum ersten Mal Zeitverzug bei den Abbrucharbeiten. Im März geht bei der Abrissfirma eine Verzugsanzeige ein. Bauleiter Ronald Scholz erklärt, er werde den Endtermin für die Abbrucharbeiten am 24. Mai halten. Das trifft sich mit der Einschätzung von Hans-Jürgen Beil (Klartext). Er ist selbst Bauunternehmer. Das Baureferat hat A.R.S. inzwischen eine Verlängerungsfrist bis 24. Juni eingeräumt. Eigentlich sei er gar nicht im Verzug, sagt Ronald Scholz. Hätte er die Mehrarbeiten (280 Kubikmeter) nicht erledigen müssen, hätte er pünktlich fertig werden können.

Das Problem: Mit diesen Fundamenten hat keiner gerechnet

Im Laufe der Arbeiten ergeben sich Abweichungen zur Ausschreibung. Laut Scholz handelt es sich um vier zusätzliche Punktfundamente. Aber damit nicht genug: Die Fundamente selbst seien entgegen der Ausschreibung bewehrt und einen Meter tiefer als angegeben, die Eishockeyfläche statt 45 Zentimeter insgesamt einen Meter dick. Die Technik und die Manpower von A.R.S. stimmt nicht, heißt es aus dem Baureferat.

Das Geld: Gesamtkosten von

900 000 Euro sind völlig überzogen

Ursprünglich bildet der Abriss der alten Eishalle zusammen mit dem Neubau der Eisarena ein Gesamtprojekt. Später werden die beiden Vorhaben getrennt. Damals schätzen die Planer den Abriss auf 900 000 Euro – nach Meinung der Stadtverwaltung völlig überzogen. Das ist auch heute noch die Aussage von Kennern der Branche. Später wird die Summe auf 670 000 Euro korrigiert. Vergeben wird der Auftrag weit darunter. Wegen der Abweichungen von der Ausschreibung schickt Scholz Anfang Mai zwei Nachträge ans Rathaus. Obwohl das Baureferat sie schriftlich ablehnt, behaupteten Thomas Böse und sein Mitarbeiter Thomas Heinrich am Mittwoch, Scholz habe bisher nichts angezeigt. Scholz droht nun mit Dienstaufsichtsbeschwerden. Seine Nachträge belaufen sich mittlerweile – ein Dritter ging am Donnerstag raus – auf 150 000 Euro.

Die Lösung: Auftrag erledigen –  aufräumen – fertig!

Wenn mehr abgefahren werden müsse, handele es sich um eine sogenannte Mengenmehrung, die über das Wiegen der Lkw erfasst werden könne, meint Thomas Böse. Nachträge wegen Mehrarbeit seien nicht erforderlich. Deshalb sei es besser, A.R.S. erfülle den ursprünglichen Auftrag und die Stadt suche sich eine andere Firma. Mehrkosten bleiben in jedem Fall.