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Fundstücke im Polenzer Gesindehaus

Im Polenzer Gesindehaus wird gespachtelt und verputzt. Bei der Sanierung sind spannende Räume entdeckt worden.

Eberhard Krause hilft seit 2015 beim Wiederaufbau des Gesindehauses mit. Der Neustädter Rentner kümmert sich liebevoll um die zahlreichen Kreuzgewölbe im Erdgeschoss.
Eberhard Krause hilft seit 2015 beim Wiederaufbau des Gesindehauses mit. Der Neustädter Rentner kümmert sich liebevoll um die zahlreichen Kreuzgewölbe im Erdgeschoss. © Siri Rokosch

Unsere Vorfahren haben offenbar früher gern gemeinsam nebeneinander auf der Toilette gesessen. Das legt zumindest die Vermutung nahe, wenn man den Worten von Martina Herrmann vom Festverein 750 Jahre Polenz lauscht: „Als wir jetzt im Obergeschoss Wände entfernt haben, sind uns die beiden Plumpsklos aufgefallen. Die Löcher befinden sich nebeneinander im Boden und dazwischen fanden wir eine halbhohe Trennwand, die oben offen war“, sagt sie. 

Das alte Rittergut, von dem nur noch das Gesindehaus steht, war erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt worden. Ob die nun freigelegten WCs auch schon aus dieser frühen Zeit stammen, ist bisher unklar. Interessante gemeißelte Schriftzeichen sind an einer Säule im Untergeschoß zutage gekommen. Dort findet sich unter anderem eine Jahreszahl, vermutlich aus dem Jahr 1819. Ganz genau ist dies nicht zu erkennen. „Wir wollen diese Säule aber von einem Historiker mal näher begutachten lassen. Vielleicht erfahren wir noch spannende Dinge aus der Vergangenheit des Gemäuers,“ hofft Martina Herrmann. Im Zuge der jetzt laufenden Sanierungsarbeiten im Untergeschoss wurden Wände abgetragen und Säulen freigelegt. „So kam es, dass wir auch eine offene Küche im unteren linken Raum fanden. Und direkt über der alten Küche war früher im Obergeschoss eine Räucherei“, erklärt sie beim Rundgang und zeigt die verkohlten Wände und Decken.

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Diese Säule steht links im Erdgeschoss, wo jetzt der Barbereich für die Gäste entsteht. An ihr sind verschiedene Zeichen und Gravierungen gefunden worden. Ein Experte soll sie entschlüsseln.
Diese Säule steht links im Erdgeschoss, wo jetzt der Barbereich für die Gäste entsteht. An ihr sind verschiedene Zeichen und Gravierungen gefunden worden. Ein Experte soll sie entschlüsseln. © Siri Rokosch

Schätze wie Gold und Silber in alten Truhen oder Ähnliches wurden nicht gefunden. Dafür wird das Gebäude selbst jetzt immer mehr zum Schmuckstück. Von den zur Verfügung stehenden 200 000 Euro aus dem Leader-Programm der EU wird derzeit vor allem das Untergeschoss vollständig saniert. So sind bereits rechts neben dem großen Vorraum Wände für eine Garderobe und die Toilettenanlagen für Frauen, Männer und körperlich eingeschränkte Menschen eingezogen worden. In den nächsten Tagen werden die WCs und die Waschbecken installiert. 

Links neben dem Eingangsbereich, wo die Säule mit den Gravierungen gefunden wurde, soll nun der Bar-Bereich entstehen, mit Zugang zum Reitstall, der als Veranstaltungsort im Freien benutzt wird. Wo einst die Küchenmädchen am offenen Feuer Suppe kochten, wird jetzt der Technikraum eingerichtet. Dort steht bereits der Stromkasten. Momentan arbeiten freiwillige Vereinshelfer gemeinsam mit Fachleuten zusammen im Gesindehaus. So filzt der gelernte Schlosser und Trockenbauer Eberhard Krause jeden Donnerstag und Freitag die Kreuzgewölbedecken Stück für Stück in liebevoller Kleinarbeit. 

Vieles hat der Rentner bereits fertiggestellt. So ist die Decke im Umkleideraum für die Künstler schon fertig verputzt. Eberhard Krause unterstützt den Verein seit 2015 mit seinen handwerklichen Fähigkeiten. Im September werden die neuen historischen Kreuzstockfenster und alle anderen Fenster eingesetzt. Auch die Haustür wird im kommenden Monat erneuert.

Um den Schutt im ersten Obergeschoss wegzuräumen, werden Helfer gesucht. Arbeitseinsätze sind für den 7. September und den 13. September zwischen 9 und 13 Uhr geplant.
Um den Schutt im ersten Obergeschoss wegzuräumen, werden Helfer gesucht. Arbeitseinsätze sind für den 7. September und den 13. September zwischen 9 und 13 Uhr geplant. © Siri Rokosch

Eine große Hürde müssen die Vereinsmitglieder noch nehmen: „Wir haben zwar durch die Leader-Förderung auch einen Teil des Daches instandsetzenlassen können, doch der ganze Schutt und die Steine, die jetzt im Obergeschoss liegen, müssen wir selbst beseitigen“, sagt Martina Herrmann und zuckt mit den Schultern, bei dem Anblick. Der gesamte Raum liegt voller Steine und alter Holzlatten. „Wir werden eine Art Rutsche ans Fenster anbringen und Container bestellen. Dann heißt es Handschuhe an und einfach loslegen“, lacht sie. Der Verein betreut das Objekt seit 2013. Das Gesindehaus soll später für Feste, Musikveranstaltungen und Familienfeiern genutzt werden. Die bislang für den Tag des offenen Denkmals geplante erste Veranstaltung muss auf Ende Oktober oder November verschoben werden. Dann ist ein Tag der offenen Tür geplant und am 4. Adventssonntag gibt es einen Weihnachtsmarkt.

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