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Funker stört Premiere nur kurz

Wie Filme schauen im Auto funktioniert, sollte klar sein. Aber Abtanzen im Fahrzeug? Pia Wittrin war bei der ersten Autodisko Mittelsachsens dabei.

Erst im Auto Film schauen und dann bei Disko-Musik feiern: In Roßwein bot der Club auf dem Festplatz beides. Besonders die Autodisko kam gut an. Deshalb könnte es durchaus noch eine Wiederholung geben.
Erst im Auto Film schauen und dann bei Disko-Musik feiern: In Roßwein bot der Club auf dem Festplatz beides. Besonders die Autodisko kam gut an. Deshalb könnte es durchaus noch eine Wiederholung geben. © Norbert Millauer

Von Pia Wittrin

Roßwein. Sonnenuntergang, Popcorn, eine Cola – wenn ich an Autokino denke, denke ich an Kitsch und Romantik pur. Das ist vor allem dem Film „Grease“ mit John Travolta in der Hauptrolle aus dem Jahr 1978 geschuldet. Er setzte mir mit der Szene, in der er mit einem hübschen Mädchen im Autokino saß, dieses Bild in den Kopf. Danke John. Meine Premiere läuft allerdings anders ab.

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Ich bin mit zwei Freundinnen auf dem Festplatz an der Roßweiner Stadtbadstraße. Der Himmel ist zugezogen – nicht so sonnig wie der bei John Travolta im heißen Kalifornien. Aber das ist gar nicht schlimm. Im Gegenteil, es verschafft uns eine sehr gemütliche Atmosphäre.

Rauschen in der Leitung

Eine Viertelstunde vor Beginn der Vorstellung – es soll der Abenteuerfilm „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ gezeigt werden – stehen etwa 20 Fahrzeuge auf dem Platz. Die ersten zwei Reihen sind teilweise belegt. Auf den hinteren stehen ein paar weitere Autos. Nachdem die Leinwand noch einmal gestrafft und die letzten Vorbereitungen vom Club Roßwein, Veranstalter des Autokinos, getroffen wurden, geht es los.

Die ersten Minuten laufen reibungslos ab – alle sitzen gebannt in ihren Autos und lauschen über ihr Radio und die Frequenz 91,2 dem Filmgeschehen. Doch mit der Zeit schleicht sich ein Kratzen in die Leitung, das sich beinahe zu einem beständigen Rauschen entwickelt. „Wenn das noch schlimmer wird, müssen wir den Film zurückspulen“, meint Celine Böhme, Hauptveranstalterin des Autokinos. Schuld für die schlechte Qualität sei der sogenannte „Funker“ in Roßwein. Wie Böhme erzählt, habe der schon mit der Bundesnetzagentur Probleme gehabt. „Der stört mit seiner Antenne das Signal, da kommen wir nicht durch“, sagt Celine Böhme. Nachdem ein paar Mitglieder des Clubs Roßwein bei dem „Funker“ vorbeigeschaut und mit ihm geredet haben, bessert sich das Signal schlagartig. Als Wiedergutmachung verteilt das Veranstaltungsteam kostenlos Popcorn und Cola. Das Publikum schaut nun, besänftigt durch die Geschenke, weiter zu.

Gemütlicher machen als im Kino

Den beiden Schwestern Sarah (21) und Martha Tag (19) hat die Vorstellung gefallen. „Ich fand es schön, dass man für sich war und reden konnte“, sagt Sarah. Außerdem könne man es sich im Auto gemütlicher machen als im Kino. „Ich würde gern nochmal in ein Autokino gehen, allerdings war es schon ein bisschen teuer“, gibt Martha zu bedenken. Ein Pkw-Ticket kostet 21 Euro und ist nur für zwei Personen pro Auto gültig. „Die Lage ist finanziell schwierig“, erklärt Celine Böhme namens der Veranstalter. Es kämen zu wenige Leute, als dass die Organisatoren viel daran verdienen würden. Ohne Sponsoren, auch zwei einheimische Unternehmen unterstützen das Projekt, wäre ein solches Angebot womöglich gar nicht möglich gewesen.

Der Film ist vorbei, das Programm allerdings nicht. Gegen 23 Uhr finden sich mehr und mehr Autos auf dem Festplatz ein. Etwa eine halbe Stunde später legt DJ Halbsteiv aus dem Landkreis Bautzen auf. Mit einem Remix von „Doch in der Nacht“ von Apache startet die erste Autodisko Mittelsachsens. In der der Dunkelheit leuchten nur noch die bunten Leuchtstäbe und Zigaretten der Fans. Nicht alle sitzen im Auto. Zwischen den Fahrzeugen sammeln sich Grüppchen. Dem 20-jährigen Max Neidert aus Döbeln gefällt die Atmosphäre: „Mal was anderes, aber gut“, sagt er. Er ist mit zwei Freunden unterwegs.

Clubfeeling im Auto

DJ Halbsteiv kommuniziert durch Lichthupe mit dem Publikum. Dadurch, dass viele im Auto sitzen, hat er kein direktes Feedback, aber er weiß sich zu helfen. Über das Mikrofon unterhält er die Zuschauer, fragt nach. Die Bierflaschen auf den Autodächern werden mehr, es breitet sich beinah ein richtiges Clubfeeling aus. Untermalt wird die Show durch Lichteffekte. „Es ist ungewohnt, aber fetzt“, sagt der DJ mit einem fetten Grinsen im Gesicht durch das Mikrofon. Er freut sich, endlich mal wieder live auftreten zu können. Eine Nebelmaschine hüllt die stehenden Fahrzeuge ein und nimmt die Menschen mit in die Nacht. Die Autodisko läuft.

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Mit der ist auch Celine Böhme ist zufrieden. „Eigentlich war keine Wiederholung geplant, aber wir haben überlegt, vielleicht doch noch mal eine zu veranstalten“, meint sie. In den nächsten Wochen sollen freitags und samstags weitere Filme laufen. 

www.autokino-rosswein.de

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