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Funkmast in Wildenhain liegt auf Eis

Das Rathaus wird vorerst keinen Bauantrag stellen und räumt Fehler im Vorfeld ein. Vom Tisch ist die Anlage trotzdem nicht.

Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach (rechts) hörte sich am Donnerstag geduldig die Probleme der Wildenhainer an.
Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach (rechts) hörte sich am Donnerstag geduldig die Probleme der Wildenhainer an. © Anne Hübschmann

Wildenhain. Der Volkszorn im kleinen Großenhainer Ortsteil kocht. Aus der SZ haben die Bürger erfahren, dass am Ortsrand, auf einem Privatgrundstück, ein rund 40 Meter hoher Funkmast gebaut werden soll. Direkt angrenzend an die Wohnbebauung. Insbesondere die Anwohner von Schulgasse und Gartenweg fürchten nun um den Dorffrieden, ihre Grundstücke und ihre Gesundheit. 

Eine Bürgerinitiative macht deshalb mobil. Am Donnerstag lud sie zum Vor-Ort-Termin ein. Die Wildenhainer haben viele offene Probleme mit dem Mast. Der Standort sei zu nahe an der Wohnbebauung. Die geplante 5G-Technik sei gesundheitsschädigend. Die Anlage ziehe eine Wertminderung der Grundstücke nach sich.

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 Überhaupt sei der Rodaer Weg doch eigentlich eher für eine Wohnbebauung prädestiniert. Nicht zuletzt werden mögliche Schäden durch Blitzeinschläge befürchtet. Zudem beklagen die Bürger die fehlende Information zu den Plänen durch Stadtverwaltung und Ortschaftsrat. Letzterer hatte 2018 seine Einwilligung gegeben. Dabei allerdings versäumt, die Bürger zu informieren. Die Bürgerinitiative findet das "eigentlich komisch".

Baubürgermeister Tilo Hönicke: "Es ist keine Zustimmung durch uns erfolgt."
Baubürgermeister Tilo Hönicke: "Es ist keine Zustimmung durch uns erfolgt." © Anne Hübschmann
Groß war das Interesse am Vor-Ort-Termin, zu dem die Bürgerinitiative eingeladen hatte.
Groß war das Interesse am Vor-Ort-Termin, zu dem die Bürgerinitiative eingeladen hatte. © Anne Hübschmann

Nicht nur der tropischen Temperaturen wegen ist die Stimmung aufgeheizt. Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach nimmt aber gleich ein bisschen Wind aus den Segeln. "Wir können Ihr Anliegen verstehen und werden einen neuen Standort suchen", sagt er den zahlreichen Zuhörern. Und räumt auch persönlich den Fehler ein, den Fortgang des Problems "nicht ausreichend kontrolliert" zu haben.

Der Mast sei zur Verbesserung der Mobilfunkverbindung gedacht, neben den Wildenhainern sollen davon auch die Baudaer, Skassaer und Weißiger profitieren. Aber die Stadt, so Sven Mißbach, habe ihre Stellungsnahme für die Genehmigungsbehörde des Landratsamtes noch nicht abgegeben. Jetzt stellt der OB klar: "Wir werden keinen Antrag stellen."

Baubürgermeister Tilo Hönicke rollt den Werdegang des Dilemmas auf. 2017 sei der Betreiber, damals die Telekom, mit der Anfrage ans Rathaus herangetreten, "damals haben wir unsere Ablehnung klargemacht". Ein Jahr später war dann die Deutsche Funkturm GmbH im Spiel. Damals wurde auch der Ortschaftsrat informiert und stimmte dem Vorhaben grundsätzlich zu.

Ortsvorsteher Mirko Neitzel verteidigt die damalige Befürwortung. Man sei davon ausgegangen, dass der Mast die Mobilfunkverbindung im "Tal der Ahnungslosen" verbessern würde. Insofern habe man die Anlage als "förderlich" für Wildenhain gesehen.

Den Bedenken der Anwohner folgend, hat der Ortschaftsrat nunmehr seine Zustimmung zurückgezogen. Ein eventueller neuer Standort, so Mirko Neitzel, solle mindestens einen Kilometer entfernt von einer Wohnbebauung gesucht werden. "Es tut mir leid, dass das alles durch uns nicht öffentlich kommuniziert wurde", räumt auch der Ortsvorsteher Fehler ein.

Die Stadtverwaltung wird nun bis zum 3. September dem Landratsamt mitteilen, dass sie den Funkturm nach den derzeitigen Plänen des Betreibers ablehnt. Vom Tisch ist die Anlage damit aber nicht.

Die Behörde werde den Einspruch prüfen, dann die Deutsche Funkturm GmbH informieren. Und wenn die Widerspruch einlegt, geht das Verfahren in die nächste Runde.

Grundsätzlich, so Tilo Hönicke, könne das Landratsamt dem Bau auch zustimmen, da es sich um ein sogenanntes "privilegiertes Vorhaben" handelt. Das sind Bauten, die auch im Außenbereich, also auf Flächen, für die kein qualifizierter Bebauungsplan besteht und die außerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile liegen, zulässig sind. 

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