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Funktürme nicht nur in Zschaitz unbeliebt

Nachdem der Rat gegen den Bau stimmte, wird nun eine Lösung gesucht. Widerstand gab es auch schon in anderen Orten.

In Sachsen wird derzeit das Mobilfunknetz deutlich ausgebaut. Das führt jedoch auch zu Problemen.
In Sachsen wird derzeit das Mobilfunknetz deutlich ausgebaut. Das führt jedoch auch zu Problemen. © Archiv/Sebastian Schultz

Döbeln. In Zschaitz-Ottewig ist die Entscheidung zum Funkturm in der letzten Sitzung gefallen: Die Gemeinderäte lehnten einstimmig das Vorhaben der Deutschen Funkturm GmbH aus Leipzig ab. Die Tochtergesellschaft der Telekom wollte einen Stahlgittermast mit entsprechender Systemtechnik für den Ausbau des LTE-Netzes im Nordwesten des Ortsteils Lüttewitz bei den sieben Linden aufstellen. Aufgrund der Nähe zum Wohngebiet wurde das Vorhaben abgelehnt.

Wie es nun mit dem geplanten Funkmast der Telekom weitergeht, ist indes unklar. Bürgermeister Immo Barkawitz (parteilos) wolle am Montag noch einmal über den Funkturm sprechen und für Fragen von Bürgern bereitstehen. Ursprünglich wollt der Bürgermeister mit der zuständigen Baufirma sowie dem Landratsamt ein Bürgergespräch vorbereiten – bisher ohne Erfolg. „Es ist nicht einfach, die zuständigen Personen an einen Tisch zu kriegen“, erzählt er. „Sie haben Bedenken und sind an einem Gespräch nicht sonderlich interessiert.“ Grundsätzlich sei die Gemeinde bereit, andere Standorte außerhalb eines Wohngebietes für einen Mobilfunkmast zur Verfügung zu stellen. Im ländlichen Raum gebe es genug Auswahl.

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Der Handynetzausbau soll in ganz Sachsen weiter vorangetrieben werden. Nach Recherchen unserer Zeitung ist die Gemeinde Zschaitz-Ottewig nicht der einzige Fall, bei dem es zu Bedenken von Anwohnern und Frust beim Bau eines Funkmastes kommt:

Radebergs Ortsteil Liegau im Landkreis Bautzen kippt Baupläne für Funkturm

Auch der Ortschaftsrat in Liegau-Augustusbad stimmte gegen den Bau eines Funkturms in Ortsnähe. Zwei Ortschaftsräte stimmten für den Mast, neun waren dagegen. Damit kann die Anlage der Telekom nicht am geplanten Ort, 300 Meter von einem Sportplatz entfernt, errichtet werden. Die Negativpunkte waren zuletzt in der Mehrzahl „Der Funkmast würde mit einer Höhe von gut 40 Metern jeden Baum überragen. Auch müssen wir uns fragen: Ist er für Liegau wirklich notwendig? Nicht unbedingt, wir haben andere Telefon-Anbieter, die in weiten Teilen des Ortes gut empfangbar sind“, sagte der Ortsvorsteher.

Noch in der Sitzung rief der Vorsteher zu einem kleinen Experiment auf. Er bat in der Sitzung alle Ortschaftsräte mit Telekom-Vertrag, ihn anzurufen. Das Handy blieb stumm. Die Gaststätte, in der die Ortschaftsratssitzung stattfand, liegt im Telekom-Funkloch. Mit einem neuen Mast wäre Empfang an der Stelle möglich.

Der Ortsvorsteher ist sich sicher, dass die Telekom ein anderes Grundstück suchen wird, das womöglich näher am Ort liegt. „Den Mast dort können wir dann wahrscheinlich nicht mehr verhindern“, sagt er. Sollte das Unternehmen einen Standort finden, der an einer Straße liegt, kann die Ortschaft wieder gegen den Masten stimmen, eine wirkliche Handhabe hat sie nicht. Die Entscheidung fällt dann im Landratsamt und auch dort kann das Vorhaben dann nur unter bestimmten Bedingungen versagt werden.

Ärger um neuen Mobilfunkmast bei Ludwigsdorf im Kreis Görlitz

Knapp 200 Meter Luftlinie von einem Wohnhaus in Ludwigsdorf entfernt, baut zurzeit ebenfalls die Deutsche Funkturm GmbH einen Funkturm. Zum Ärger der Anwohner. „Als ob die nahe Autobahn mit ihrem Lärm nicht schon genug wäre“, schimpft ein Anwohner. „Jetzt bauen die uns auch noch einen Mobilfunkmast vor die Nase.“ Ähnlich wie in Zschaitz-Ottewig soll in dem Ort ein Funkturm mit Systemtechnik gebaut werden, der die anliegenden Anwohner sowie die Autobahn 4 mit besserem Empfang ausstatten soll.

Zwei Dinge ärgern die Bürger besonders: Die zu erwartende Strahlenbelastung und der Fakt, dass die Anwohner nicht informiert worden seien. „Nur im Herbst erhielten zwei Nachbarn mal eine Anfrage, ob durch ihre Grundstücke eine Leitung verlegt werden könne“, sagt er. Beide hätten abgelehnt, mehr sei nicht passiert. Auch der amtierende Ortsvorsteher von Ludwigsdorf bestätigt, dass der Rat im Vorfeld nicht informiert wurde. Auch die Stadt konnte ihm nicht sofort helfen, denn der Bau erfolgte auf einem Landstück des Bundes. 

Die Stadt Görlitz sagt: Der Bauherr hätte mit der Ortschaft kommunizieren müssen. Die Stadt hat dem Antrag letztendlich zugestimmt. Voraussetzung sei ein Gutachten der Bundesnetzagentur zur Strahlenbelastung, dies läge vor, sagt die Stadtverwaltung. Ein Mindestabstand zu Wohnhäusern sei im Gesetz nicht definiert. Grundsätzlich würden Funkmasten zur allgemeinen Daseinsvorsorge gehören. Ihre Errichtung sei damit in jedem Baugebietstyp denkbar. Die Anwohner haben keine andere Wahl. Der Funkturm wird nun gebaut und soll Ende des Jahres in Betrieb gehen.

Lawalde bei Löbau sollte zwei neue Funktürme nebeneinander erhalten

Erst will es gar nicht so recht vorwärtsgehen, mit dem Stopfen der Funklöcher im Zittauer Gebirge und dann kamen gleich zwei Betreiber auf einmal. Vodafone und die Telekom wollten jeweils einen Funkmasten bauen – allerdings nur rund 250 Meter voneinander entfernt. „Das fühlt sich ein bisschen an wie verkehrte Welt“, sagte Lawaldes Bürgermeisterin.

Zunächst beharrten die Mobilfunkriesen auf ihrem Recht und kündigten Anfang Dezember 2019 an, beide Masten an den geplanten Standorten zu errichten. Nicht zuletzt, weil man sich schon vertraglich gebunden hatte. Beide hätten ihren Standort bei der Bundesnetzagentur beantragt und genehmigt bekommen. Auch habe die Telekom bereits eine Baugenehmigung von der Gemeinde erhalten. Vodafone hingegen wartete noch auf eine und war nicht bereit, mit der Telekom über einen Zusammenschluss zu reden.

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Dann kam es kurz vor Weihnachten letztendlich doch noch zur Einigung: Denn Vodafone ist nach Gesprächen mit der Gemeinde zu einem Kompromiss bereit. Da die Telekom für ihren Funkturm bereits Baurecht hat, wird Vodafone auf die eigenen Bau-Pläne verzichten – trotz bereits getätigter Investitionen, zur Wohle der Gemeinde. Das Unternehmen will sich mit seinen Anlagen auf dem in nächster Nähe entstehenden Telekom-Mast einmieten. Ein durchaus übliches Verfahren, das in diesem Fall aber durch Zufälle zunächst schief gegangen ist. (mit SZ/abl/ig/td)

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