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Funkturm GmbH hält an Mast fest

Trotz der Proteste der Wildenhainer soll die Anlage in Dorfnähe gebaut werden. Notfalls auch über einen Widerspruch im Falle der Ablehnung.

In Röderau bei Riesa ist jüngst ein Funkmast der Deutschen Funkturm GmbH errichtet worden. Auch dort gab es im Vorfeld Proteste. Wiederholt sich das Szenario jetzt in Wildenhain?
In Röderau bei Riesa ist jüngst ein Funkmast der Deutschen Funkturm GmbH errichtet worden. Auch dort gab es im Vorfeld Proteste. Wiederholt sich das Szenario jetzt in Wildenhain? © Sebastian Schultz

Wildenhain ist seit ein paar Wochen nervös. Die von der Deutschen Funkturm GmbH angestrebte Errichtung eines Funkturms in unmittelbarer Dorfnähe hat Skeptiker und Befürchtungen auf den Plan gerufen. Insbesondere die Anwohner von Schulgasse und Gartenweg fürchten um den Dorffrieden, ihre Gesundheit und ihre Grundstücke. 

Anfang August bat eine Bürgerinitiative deshalb zum Rapport vor Ort. Eingeladen: Oberbürgermeister Sven Mißbach, Stadträte, der Ortschaftsrat und die Deutsche Funkturm GmbH. Die Wildenhainer brachten dort ihre Probleme mit dem Mast auf den Punkt: Der Standort sei zu nahe an der Wohnbebauung. Die geplante 5G-Technik sei gesundheitsschädigend. Die Anlage ziehe eine Wertminderung der Grundstücke nach sich. Überhaupt sei der Rodaer Weg doch eigentlich eher für eine Wohnbebauung prädestiniert. Nicht zuletzt werden mögliche Schäden durch Blitzeinschläge befürchtet. Zudem beklagen die Bürger die fehlende Information zu den Plänen durch Stadtverwaltung und Ortschaftsrat. Letzterer hatte 2018 seine Einwilligung gegeben.

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Inzwischen rudern Stadtverwaltung und Ortschaftsrat zurück. Oberbürgermeister Mißbach sagte zu, dass die Stadt "keinen Antrag" auf eine Genehmigung beim Landratsamt stellen werde. Und der Chef des Ortschaftsrates, Mirko Neitzel, räumte Fehler in der Kommunikation ein und erklärte, dass das Gremium seine Zustimmung von 2018 inzwischen widerrufen hat.

Die Deutsche Funkturm GmbH als potenzieller Antragsteller indes schwänzte den Vor-Ort-Termin. Deren Pressesprecher Benedikt Albers macht allerdings klar, dass das Unternehmen wohl trotz der neuen Entwicklungen am Bau der Anlage am geplanten Standort festhalten will. "Bei der Analyse von Versorgungslücken hat die Funknetzplanung der Deutschen Telekom festgestellt, dass die vorhandenen Versorgungsmängel in der Ortslage Wildenhain nur durch den Bau eines neuen Funkstandorts im Bereich des Ortes zu schließen sind", antwortet er auf eine Anfrage der SZ. Daraufhin habe die Deutsche Telekom im November 2017 die Stadt Großenhain gemäß Kommunalvereinbarung schriftlich über die geplante Errichtung eines Mobilfunkmastes informiert. Danach seien der Standort ausgewählt und der Stadt Großenhain im Mai 2018 das Suchergebnis mitgeteilt worden. 

Der Standort nahe Wildenhain sei "sowohl aus immissions- wie auch funktechnischen Gründen die ideale Position zur Versorgung von Wildenhain", so Benedikt Albers. Die Randlage und gleichzeitige Nähe zum Ort werden einen sehr guten Mobilfunkempfang ermöglichen. Im Übrigen habe die Bundesnetzagentur eine sogenannte Standortbescheinigung mit Datum vom 2. September 2019 erteilt. "Durch die Einhaltung der vorgeschriebenen Sicherheitsabstände ist die Sicherheit aller Anwohner gewährleistet", fügt der Sprecher hinzu.

Die Großenhainer Stadtverwaltung hat angekündigt, dem Landratsamt bis 3. September mitzuteilen, dass sie den Funkturm nach den Plänen des Betreibers ablehnt. Vom Tisch ist die Anlage damit aber nicht. Die Behörde wird den Einspruch prüfen, dann die Deutsche Funkturm GmbH informieren. Und wenn die Widerspruch einlegt, geht das Verfahren in die nächste Runde. Grundsätzlich, so Tilo Hönicke, könne das Landratsamt dem Bau auch zustimmen, da es sich um ein sogenanntes "privilegiertes Vorhaben" handelt.

Die Deutsche Funkturm GmbH wiederum spricht von einem theoretischen Szenario. "Im Fall einer möglichen Ablehnung durch das Landratsamt halten wir uns die Option des Widerspruchs offen - unter Berücksichtigung der Begründung dieser potenziellen Ablehnung", so Sprecher Albers. Für sein Unternehmen sei das gültige Baurecht maßgeblich. "Wenn einige Gegner des Mobilfunkausbaus den Mast nicht wollen, reicht das nicht für eine Ablehnung nach geltendem Recht", ergänzt er.

Ob die Wildenhainer das auch so sehen, darf bezweifelt werden. Zur Ortschaftsratssitzung am 1. September wollen sie ihrem Unmut erneut Luft verschaffen. 

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Bei einem Vor-Ort-Termin auf Wildenhainer Flur standen Großenhains OB Sven Mißbach und Baubürgermeister Tilo Hönicke Rede und Antwort. Aber was zählt die angekündigte Ablehnung des Standortes durch die Stadtverwaltung? © Anne Hübschmann

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