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Furchtlos in Istanbul

Der DSC kann gegen Fenerbahce nur gewinnen. Mit dieser Einstellung hofft der Außenseiter auf seine kleine Chance.

© Daniel Hinsdorf

Von Michaela Widder

Es ist knapp ein Jahr her, da leisteten die Volleyballerinnen aus Dresden in Istanbul etwas Großes, wie ihr Trainer befand. Sie hatten in der K.-o.-Runde der Champions League das Hinspiel gegen Fenerbahce, ein Weltklasseteam, noch 0:3 verloren und dann mit dem 3:2 und ihrer Leistung am Bosporus imponiert.

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Für leidenschaftliche Sportler gilt: Es gibt kein schlechtes Wetter und auch nicht zu wenig Licht, nur falsche Kleidung.

Gewiss: Es ist jetzt eine andere Mannschaft mit anderen Voraussetzungen, und doch werden sich einige Spielerinnen den 18. Februar in Erinnerung rufen. Die eingewechselte Louisa Lippmann hatte damals 21 Punkte gemacht, den zweiten Matchball verwandelt und es am Ende des Spieltages beim europäischen Volleyball-Verband in die Rubrik „One to watch“ geschafft, also eine, die man im Auge behalten sollte. „Das vergisst man nicht“, sagt die leicht verschnupfte Nationalspielerin: „Es ist natürlich auch kein Garant, dass es sich noch einmal wiederholt, als Anstoß aber super.“

Im Hinspiel war der DSC im Oktober Istanbul mit 1:3 unterlegen, und Alexander Waibl erinnerte damals daran, „dass dieses Team um den Titel spielt“. Danach gelangen dem deutschen Meister in der Gruppenphase drei Siege – zwei gegen Baku und einer gegen Impel Wroclaw. Der DSC ist vor dem letzten Spieltag noch Tabellenzweiter, der Einzug in die Play-offs wird dennoch äußerst schwer. Die punktgleichen Polen empfangen Schlusslicht Baku, und der DSC trifft an diesem Mittwoch, 18 Uhr deutscher Zeit, auf den Spitzenreiter – die definitiv schwerere Aufgabe, zumal nur der Zweitplatzierte sicher weiter ist.

Doch es ist auch eine Frage der Herangehensweise, und die Angst, etwas zu verlieren haben die Dresdnerinnen nicht. „Für uns gibt es nur etwas zu gewinnen. Wir können deshalb befreit aufspielen. Wir haben noch eine kleine Chance“, findet Lippmann. Denn auch für den Fall, in der Königsklasse auszuscheiden, würde der DSC im zweitrangigen CEV-Cup und damit weiter international spielen. In der vorigen Saison erreichte Dresden noch als bester Gruppendritter die K.-o.-Runde und schied dann trotz des Erfolges in Istanbul aus.

Es könnte nun ein kleiner Vorteil sein, dass die Mannschaft um den koreanischen Superstar Kim Yeon-Koung und die überragende Serbin Brankica Mihjlovic schon qualifiziert ist. „Wir haben eine andere Einstellung, wir können noch etwas erreichen. Fenerbahce ist schon sicher weiter. Deshalb hoffe ich, dass wir sie ein bisschen stressen können“, meint Laura Dijkema. Die niederländische Zuspielerin, die gegen Schwerin mit einer intelligenten Spielführung ihrer Mannschaft den Weg zum Sieg ebnete und dazu noch acht Punkte beisteuerte, sagt selbstbewusst: „Ich fliege nicht nach Istanbul, um dort 0:3 zu verlieren.“

Auch Lippmann spürt die positive Energie nach dem jüngsten Erfolg. „Wir haben weiter an unseren Schwächen gearbeitet und fühlen uns gut vorbereitet.“ Nachdem die Mannschaft am Montagabend drei Stunden trainiert hatte, war am Morgen danach schon um 4.45 Uhr Abreise. Pünktlich um 6.25 Uhr hob der Flieger nach Istanbul ab. Nachdem sich der Teambus am Mittag durch den dichten Verkehr ins Hotel geschlängelt hatte, standen am Nachmittag Erholung und Physio-Behandlung und am Abend die obligatorische Video-Besprechung sowie ein anderthalbstündiges Training auf dem Programm.

Wie fast immer bei diesen Reisen bleibt keine Zeit für Sightseeing. Der DSC fliegt bereits am Donnerstag um sechs Uhr zurück und ist zur Auslosung – entweder für die Champions League oder den CEV-Cup – wieder in Dresden. Im zweiten Fall wäre noch eine Frage zu klären. „Wir konnten im CEV-Reglement keine Info finden, ob es eine Besonderheit gibt, wenn zwei Teams aus derselben Nation aufeinandertreffen. Das könnte mit Schwerin in der nächsten Runde passieren“, erklärt Geschäftsführerin Sandra Zimmermann. Eine Anfrage an den europäischen Verband läuft.