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Die fünf Regeln für den Neustart im Fußball

Die Profi-Klubs stellen ihr Konzept vor, wie die Saison in den Bundesligen weitergehen kann – das sind die wichtigsten Eckpunkte.

Auf Abstand gehen sollen die Spieler - allerdings gilt das nur außerhalb des Fußballplatzes. Zuschauer dürfen nicht ins Stadion. Dynamo hat solche "Geisterspiele" unter anderem im Februar 2015 gegen Erfurt bereits erlebt.
Auf Abstand gehen sollen die Spieler - allerdings gilt das nur außerhalb des Fußballplatzes. Zuschauer dürfen nicht ins Stadion. Dynamo hat solche "Geisterspiele" unter anderem im Februar 2015 gegen Erfurt bereits erlebt. © Archivfoto: Robert Michael

Von Alexander Sarter

Christian Seifert zog erst die Augenbrauen hoch, dann legte der Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL) Nachdruck in seine Stimme. „Wir werden auf einem Spielfeld nicht anderthalb Meter Abstand halten können. Dennoch wollen wir das bestmögliche Maß an Sicherheit gewährleisten“, sagte Seifert am Donnerstag bei der Vorlage des umstrittenen Plans zum Saison-Neustart inmitten der Corona-Pandemie: „Wenn man dieses Konzept ablehnt, dann ist klar, dass man wahrscheinlich auch in einigen Monaten nicht spielen kann. Dann wäre die Bundesliga ein Kollateralschaden der Corona-Krise.“

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Die 36 Profi-Klubs wären zumindest bereit, die Saison auch schon am 9. Mai fortzusetzen. Die Entscheidung müsse aber aus der Politik kommen, sie fällt wohl am Donnerstag nächster Woche in der Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Länderchefs. Selbst ein Datum festzulegen, „wäre anmaßend, gehört sich auch nicht und liegt nicht an uns“, sagte Seifert.

Die SZ erklärt die fünf Eckpunkte des Konzeptes, das den Spielbetrieb in den Bundesligen ermöglichen soll.

Engmaschige Corona-Tests

Bei allen an Training und Wettkampf Beteiligten soll mindestens einmal wöchentlich ein Corona-Test erfolgen, auf jeden Fall immer direkt am Tag vor den Spielen. Die DFL rechnet mit rund 20.000 Tests. Verträge mit fünf Labors sind abgeschlossen. Der Profifußball würde nicht mehr als 0,4 Prozent der Testkapazitäten belegen, erklärte die DFL. Eine halbe Million Euro werden für weiteres Testvolumen zur Verfügung gestellt. Seifert versprach: „Wir werden von Tag zu Tag aufs Neue prüfen, was verantwortbar ist.“ Sollte sich die Lage verschlechtern, würde der „Profifußball selbstverständlich zurückstehen – die nationale Gesundheit hat immer Vorrang.“

Umgang mit positiven Corona-Fällen

Bei einem positiven Corona-Fall im Teamumfeld soll keine automatische Meldung an die Presse erfolgen, nur der Betroffene soll sofort isoliert und dessen Kontaktpersonen getestet werden. „Ein positiver Corona-Fall ist keine Oberschenkelzerrung“, begründete Seifert diese Empfehlung. Er rechnete vor, dass es bislang in beiden Lizenzligen 14 Corona-Fälle gegeben habe, „von denen alle wieder genesen sind“. Es werde nicht automatisch die gesamte Mannschaft unter Quarantäne gestellt. Darüber entscheiden die jeweiligen Gesundheitsämter. Dennoch sollen die Klubs vorsorglich „für einen ausreichend großen Kader im Saisonfinale sorgen“.

Auch bei Geisterspielen gibt es ein gewisses Risiko. „Wir müssen den Kompromiss zwischen maximaler Sicherheit und vertretbarem Risiko finden“, sagte Tim Meyer. Der Arzt der deutschen Nationalmannschaft ist Vorsitzender der Task Force Sportmedizin und Sonderspielbetrieb.

Begrenzte Zahl von Personen im Stadion

Am 11. März bestritten Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln das bislang letzte Spiel in der Fußball-Bundesliga - wegen der Corona-Pandemie waren bereits keine Zuschauer zugelassen. Das ist nun auch das Szenario, die Saison womöglich ab Mitte Mai fo
Am 11. März bestritten Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln das bislang letzte Spiel in der Fußball-Bundesliga - wegen der Corona-Pandemie waren bereits keine Zuschauer zugelassen. Das ist nun auch das Szenario, die Saison womöglich ab Mitte Mai fo © dpa/Roland Weihrauch

Auf die drei Zonen Innenraum, Tribüne und Außengelände verteilt, dürfen sich rund um das Stadion „zeitgleich maximal ca. 300 Personen“ aufhalten. Während einer Bundesliga-Partie rechnet die DFL demnach mit 98 Personen im Innenraum – dazu gehören 22 Spieler auf dem Rasen, 18 Ersatzspieler, fünf Schiedsrichter, vier Balljungen und 20 Mitglieder aus den Funktionsteams der Mannschaften. Auch die Medien müssen sich einschränken: Das TV-Konzept in den Stadien soll minimiert werden, die üblichen Pressekonferenzen nach dem Spiel finden nur virtuell statt.

Strenge Regeln für die Hygiene

Das oberste Gebot ist die Wahrung des Abstands, wo auch immer das möglich ist. So empfiehlt die DFL etwa, in den Kabinen Startelf und Auswechselspieler zu trennen. Handshakes oder das gemeinsame Aufstellen der Mannschaften wird es nicht geben. Auf den Ersatzbänken soll nur jeder zweite oder dritte Sitzplatz genutzt werden. Die Teams sollen damit auch „vorbildliches Verhalten“ nach außen demonstrieren.
Doch auch hinter den Kulissen werden Hygieneregeln großgeschrieben: Zur Minimierung des Infektionsrisikos sollen Türen offengelassen werden, um das Anfassen von Türgriffen zu vermeiden, Essen für die Teams soll bereits abgepackt ins Stadion gebracht, Trinkflaschen sollen personalisiert werden. Darüber hinaus empfiehlt das Konzept die Nutzung von Einzelduschen oder das Duschen zu Hause oder im Hotel. Wellnessbereiche werden ganz gesperrt.

Vorschriften für Training und Unterbringung

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Das Mannschaftstraining findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Vor dem Betreten des Trainingsgeländes wird bei jeder Person die Temperatur gemessen, das gemeinsame Essen fällt aus. In den Kabinen und Duschen soll ein Abstand von zwei Metern eingehalten werden, sinnvoll sei deshalb das „heimische Umziehen und Duschen“. Fitnessgeräte dürfen nur mit Handschuhen sowie Mundschutz benutzt werden und müssen danach desinfiziert werden. Wäsche und Schuhe sollen die Spieler selber waschen. Bei Auswärtsspielen sollen die Teams, wenn möglich, ein exklusives Hotel mit einer minimalen Anzahl an Personal beziehen. Abgesehen von einer Desinfektion vor Bezug soll auf die Reinigung der Zimmer verzichtet werden. (sid, mit fh)

Das sagen Spieler-Vertreter, Fans und Polizei

Spielervertretung: „Die Spieler möchten natürlich auch, dass der Ball möglichst bald wieder rollen kann“, sagt Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VDV. Voraussetzung sei, dass dies aus medizinischer Sicht verantwortbar sei. Die Idee, die Spieler im Falle einer Saisonfortsetzung zu isolieren, lehnt er ab. Die Arbeitsverträge würden derartige Quarantäne-Lager nicht vorsehen. „Die Spieler bezweifeln zudem, dass sich dadurch das Infektionsrisiko ganz erheblich reduzieren ließe“, betont Baranowsky.

Fans: Für die Fan-Szene geht es um mehr als leere Stadionränge. Die Organisationen wollen, dass ein Wertewandel im Profifußball eingeleitet wird. Am deutlichsten haben sich die Ultras der „Fanszenen Deutschland“ gegen Geisterspiele ausgesprochen. Anders positioniert sich die Organisation ProFans und sieht bei der Mehrheit eine positive Haltung, die Saison ohne Zuschauer zu beenden.

Polizei: Die Gewerkschaft der Polizei zweifelt am Sinn der Bundesliga-Fortsetzung. Es bestehe die begründete Gefahr, dass Fans sich trotz eines Kontaktverbots vor den Stadien versammeln. „Fußballspiele würden dann für die Polizei einen noch höheren Personalaufwand bedeuten“, sagt der Gewerkschaftsvorsitzende Jörg Radek. (dpa)

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