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So soll der „neue“ Stadionbesuch aussehen

Die Deutsche Fußball-Liga rüstet sich für die Rückkehr der Fans. Sie gibt den Klubs einen Leitfaden an die Hand. Auf sie wartet viel Arbeit in der Sommerpause.

Die Pappaufsteller machen Platz für die Zuschauer.
Die Pappaufsteller machen Platz für die Zuschauer. © dpa/Federico Gambarini

Von Tobias Schwyter

Frankfurt am Main. Die Pappkameraden im Borussia-Park haben ihren Dienst getan. Mit den etwa 20.000 Fan-Doppelgängern im Rücken schaffte Mönchengladbach den Einzug in die Champions League. Bald dürfen diese aber von ihren Besitzern abgeholt werden, deenn demnächst, eventuell sogar bereits beim Saisonauftakt im September, sollen die Fans aus Fleisch und Blut die Ränge wieder mit Leben füllen. Doch nicht nur die Borussia werkelt an der Rückkehr der Zuschauer. Den deutschen Profiklubs steht eine arbeitsreiche Sommerpause bevor.

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Jetzt haben sie dafür zumindest eine starke Orientierungshilfe. Anhand des 41-seitigen Leitfadens der Deutschen Fußball-Liga (DFL) sollen die 36 Vereine der 1. und 2. Bundesliga in Kooperation mit den Gesundheitsbehörden nun detailliert auf das jeweilige Stadion angepasste Sicherheitskonzepte entwickeln. Von Abstandsregelg auf den Tribünen, An- und Abreise sowie Ein- und Auslass ins Stadion bis hin zum Catering und der Nutzung sanitärer Anlagen gibt die DFL darin Empfehlungen ab.

„Das ist genau das, worauf wir gewartet haben“, sagt Mönchengladbachs Sprecher Markus Aretz. „Das ist eine sehr gute Grundlage für uns. Wir haben den Leitfaden abgewartet und werden nun alles mit den Behörden in Mönchengladbach abstimmen.“ Einige Bundesligisten haben bereits Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit der Ausarbeitung eines lokalen Konzeptes beschäftigen.

„Wesentliche Bausteine dieser Detailkonzeptionen sind zum einen eine Infektionsvermeidung durch die Einhaltung von Mindestabständen in sämtlichen Stadionbereichen sowie zum anderen die Sicherstellung der Nachvollziehbarkeit von Infektionsketten“, steht im DFL-Leitfaden. Demnach ist die Rückkehr von Fans erst ab einem lokalen Infektionsgeschehen von unter 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen denkbar. Offen bleibt, ob es nur Sitz- oder auch Stehplätze geben würde.

Für Oliver Kahn steht immer die Gesundheit der Zuschauer und der Spieler im Vordergrund. Bayern Münchens Vorstandsmitglied erwartet einen Bruchteil der Vollbesetzung.
Für Oliver Kahn steht immer die Gesundheit der Zuschauer und der Spieler im Vordergrund. Bayern Münchens Vorstandsmitglied erwartet einen Bruchteil der Vollbesetzung. © dpa/Ronald Wittek

Die Verteilung der Zuschauer im Stadion mit ausreichendem Mindestabstand ist für die Klubs dabei ein eher geringes Problem. Die großen Herausforderungen liegen an anderer Stelle, etwa bei der Regelungen von An- und Abreise sowie Ein- und Auslass. Um Gedränge beim Einlass vorzubeugen, erwägt die DFL, Eintrittrkarten mit bestimmten Einlass-Slots zu verknüpfen. Dazu empfiehlt sie die Anreise zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem eigenen Auto, da volle Busse und Bahnen das Infektionsrisiko erhöhen.

Genau das könnte aber für das nächste Problem bei manchem Klub sorgen, sollten denn zu viele Fans mit dem Auto zum Stadion kommen. „Wir laufen nach der heutigen Corona-Schutzverordnung in Engpässe bei den Parkplätzen, wenn Messe und Fußball parallel stattfinden sollten“, sagte Sven Mühlenbeck, Direktor für Organisation und Spielbetrieb bei Bundesliga-Absteiger Fortuna Düsseldorf.

Klar ist aber auch: Mehr Abstand auf den Tribünen bedeutet weniger Tickets. Es ist davon auszugehen, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt. „Es muss immer die Gesundheit der Zuschauer und der Spieler gewährleistet werden“, sagte Oliver Kahn. Bayern Münchens Vorstandsmitglied rechnete daher mit einem „Bruchteil der Vollbesetzung“, etwa 10.000 bis 11.000 Fans in der 75.000 Zuschauer fassenden Allianz-Arena.

Wie schwer es ist, dabei einen fairen Verteilungsschlüssel zu finden, musste jüngst der 1. FC Köln erfahren. Er wollte im Fall reduzierter Kontingente Dauerkarten-Inhaber bei der Ticketvergabe bevorzugen, die schon vorab den vollen Preis für ihre Saisonkarte zahlen und auf eine Erstattung verzichten. Der Klub erntete daraufhin einen veritablen Shitstorm.

Die Auslastung ist weit entfernt von vollen Rängen

Dass während der Pandemie direkt wieder vor vollen Rängen gespielt wird, ist utopisch. Daher müssten sich Stadionbesucher auf viel Platz zum Nebenmann einrichten. Schließlich soll auch in den Stadien der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden. So kämen etwa bei 50-prozentiger Tribünenauslastung auf zwei Sitzplätze zwei leere Sitzschalen. In der darunter- und darüberliegenden Reihe befänden sich freie und belegte Plätze versetzt dazu. Offen bleibt, ob es Stehplätze geben kann.

An- und Abreise - am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad

Wer normalerweise gern mit Bus und Bahn zum Stadion fährt, muss sich nach Alternativen umschauen. Um zu dichte Menschenansammlungen zu vermeiden und die Infektionsgefahr zu minimieren, empfiehlt die DFL die Anreise zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Auto. Falls zu viele Fans mit dem Auto zum Stadion kommen, könnte es zu Engpässen bei Parkplätzen kommen.

Ein- und Auslass ziehen sich hin

Neben der An- und Abreise ist das ein weiterer begrenzender Faktor. Je nach örtlichen Begebenheiten muss zur Wahrung des Abstandsgebotes die Anzahl der Drehkreuze reduziert werden. Die Dauer des Einlasses würde sich entsprechend verlängern. Daher empfiehlt die DFL, verschiedene Zeitfenster für den Zutritt zum Stadion festzulegen. Um Besuchern mit frühen Zeitslots die Wartezeit im Stadion angenehmer zu gestalten, sind die Klubs angehalten, über Rahmenprogramme nachzudenken. Gleiches gilt für die Situation nach Abpfiff.

Bei Einlasskontrollen geht es auch um die Masken

Falls das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verpflichtend ist, soll das beim Zutritt überprüft werden. Die DFL empfiehlt den Klubs darüber hinaus, schon vor der ersten Zugangskontrolle den Verkauf oder die kostenlose Bereitstellung von Masken anzubieten. Die Mitnahme von Mitteln zur Händedesinfektion soll den Zuschauern gestattet werden.

Eintrittskarten gibt es ausschließlich online

Mehr Abstand auf den Tribünen bedeutet weniger Tickets. Es ist davon auszugehen, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt. Daher müssen sich die Klubs faire Regeln zur Vergabe der Eintrittskarten überlegen. Tageskassen soll es zur Vermeidung von Schlangenbildungen nicht geben. Vielmehr soll der Ticketverkauf online abgewickelt werden, da so auch die Käuferdaten leichter zu erfassen sind, besonders zur Nachverfolgung von Infektionsketten. Außerdem empfiehlt die DFL, dass sich die Vereine beim Ticketkauf direkt die Anerkennung des geltenden Schutz- und Hygienekonzepts sowie des Grundsatzes des eigenverantwortlichen Stadionbesuchs bestätigen lassen.

Sanitäre Anlagen funktionieren wie Einbahnstraßen

Da soll es zu Einbahnsystemen kommen, also getrenntem Ein- und Auslass. Um Überfüllung besonders zu Stoßzeiten (Halbzeit und nach Schlusspfiff) zu vermeiden, soll die Personenzahl begrenzt werden. Mobile Toilettenanlagen rund um das Stadion könnten dabei für Entlastung und Entzerrung sorgen. Auf Männer-Toiletten sollen einzelne Urinale zur besseren Abstandshaltung gesperrt werden.

Das Catering muss lange Schlangen vermeiden

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Auch dort müssen lange Schlangen und Menschenansammlungen vermieden werden. Dazu sollen Getränke und Speisen nur am jeweiligen Sitz- oder Stehplatz verzehrt werden dürfen. Der Ausschank alkoholischer Getränke ist nur mit ausdrücklicher Einwilligung der örtlich zuständigen Behörden möglich. Ein Sprecher von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betonte, dass das Verbot von Alkohol wichtiger Baustein eines Konzeptes sei. (sid)

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