merken
PLUS

Fußball – im Gefängnis und überall!

Wie ein großes Ereignis wirklich grenzüberschreitend werden könnte.

Von Christel Bakker-Bents

In einigen Tagen ist es soweit. Viele Menschen werden vor Ort dabei sein zum Anstoß zur Fußball WM in Brasilien. Andere verfolgen die Spiele vor dem Bildschirm zuhause oder auf öffentlichen Plätzen und in öffentlichen Gebäuden. In der einen oder anderen Kirchgemeinde in unserem Kirchenbezirk wird man sich sicherlich zum Public Viewing treffen.

Garten
Der Garten ruft
Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Begeisterter Jubel beim Tor wird sich abwechseln mit anfeuernden Ausrufen und Buh-Rufen. Wer schon einmal in einem Fußballstadion oder bei einem Public Viewing dabei war, hat die Fußballbegeisterung, die dann viele Menschen verbindet, hautnah zu spüren und zu hören bekommen.

Ich kann nicht umhin, hier einen Vergleich zu ziehen zum Pfingstfest, das wir an diesem Wochenende feiern, das Fest des Heiligen Geistes. Durch das Pfingstwunder gerieten die Menschen damals in Jerusalem in Begeisterung und Bewegung, lagen sich in den Armen, fremde Sprachen, Kulturen und soziale Unterschiede spielten plötzlich keine Rolle mehr. Diese Grenzenlosigkeit allerdings bringt die Fußball WM nicht mit sich. Im Gastgeberland Brasilien können viele Menschen nur aus der Ferne zusehen. So manch einer und manch eine kann nicht verstehen, dass das Land für die Ausrichtung der Spiele so viel Geld bereitstellen kann und gleichzeitig die Grundversorgung der Bevölkerung an Nahrung, Sicherheit und Bildung nicht bietet.

Auch hierzulande ist manch einer und eine von den öffentlichen Fußballveranstaltungen ausgeschlossen, hat möglicherweise noch nicht einmal einen Fernseher, um die Spiele verfolgen zu können.

Ich als Gefängnisseelsorgerin denke dabei sehr an die Männer in „meinem“ Gefängnis, der JVA Zeithain. „Frau Pfarrerin, können Sie mir helfen?“ Mit dieser Frage wird in den letzten Tagen oft die Bitte an mich eingeleitet, doch irgendwie behilflich zu sein, damit die Männer die Spiele auch verfolgen können. Mich berührt das sehr, denn es macht deutlich: Ich möchte auch dabei sein, ich bin interessiert und ich bin schon zufrieden, wenn ich wenigstens aus sehr weiter Ferne und eingeschlossen über den Fernseher zusehen kann.

Ein wenig erinnert es mich an die biblische Geschichte vom Zöllner Zachäus, der davon gehört hatte, dass Jesus zu den Menschen sprechen würde. Als Zöllner hatte er so manchen Mitbürger um sein Hab und Gut gebracht, niemand wollte ihn in seiner Nähe haben.

Deshalb kletterte er auf einen Baum und sah aus der Ferne zu. Jesus entdeckte ihn, sprach ihn an und lud sich bei ihm zum Essen ein, sah ihn als Menschen an und nahm ihn als solchen wahr. Das veränderte das Leben von Zachäus von Grund auf. Die Hälfte seines Besitzes schenkte er den Armen, was er ergaunert hatte, gab er zurück.

Fußball – das Spiel begeistert viele verschiedene Menschen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen und Möglichkeiten. Schön wäre es, wenn bei aller Begeisterung auch die mit im Blick wären, die nicht die Möglichkeit haben, direkt dabei zu sein.

Dann hätte die Begeisterung für Fußball etwas grenzüberschreitendes, das sogar in ein füreinander verantwortungsvolles Denken und Handeln umschlagen könnte und alle Menschen einschließt. Das würde doch geradezu an Pfingsten erinnern und an die Begeisterung Gottes für uns Menschen, die er durch die Ausgießung des Heiligen Geistes auch unter uns wirksam werden lassen will.

Ich wünsche allen ein frohes Pfingstfest und viel Freude und Begeisterung beim Zusehen während der WM – sei es auf öffentlichen Plätzen, zuhause im Freundeskreis oder alleine in der Gefängniszelle.

Christel Bakker-Bents ist Gefängnisseelsorgerin in der JVA Zeithain