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Der Ami, der sich in Sachsen zu Hause fühlt

Seit Sommer 2018 arbeitet Joe Enochs als Cheftrainer beim FSV Zwickau. Auch die eine Sache, die ihm anfangs Probleme bereitet hat, findet er inzwischen cool.

Der US-Amerikaner Joe Enochs lebt gern im Osten.
Der US-Amerikaner Joe Enochs lebt gern im Osten. © dpa/Sebastian Kahnert

Er lächelt, nickt und wirkt tiefenentspannt. "Heimat ist für mich da, wo meine Familie ist", sagt Joe Enochs. Er benötigte nicht viel Anlaufzeit, um mit Ehefrau Gunilla und seiner jüngeren Tochter Sophie in Sachsen auf Anhieb heimisch zu werden. Seine ältere Tochter Emily studiert in Kalifornien. Das sportlich gute Abschneiden tat sein Übriges.

Nach dem siebenten Platz in seiner ersten Saison als Cheftrainer des FSV Zwickau stand der Fußball-Drittligist auch in dieser Serie noch zu keinem Zeitpunkt auf einem Abstiegsplatz. "Ich wurde immer als Trainer abgestempelt, der nur in Osnabrück funktioniert", sagt der 48-Jährige. "Der Schritt, nach Zwickau zu gehen, war für mich und meine Familie einfach perfekt. Ich habe mich hier nicht nur als Trainer, sondern auch als Mensch weiterentwickelt."

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In beinahe 22 Jahren 376 Pflichtspiele für den VfL: In Osnabrück war der ehemalige Verteidiger ein Idol. Sogar eine Sportsbar in Osnabrücks Innenstadt ist nach ihm benannt. Als er im Oktober 2017 als Cheftrainer des VfL freigestellt wurde, war jedoch klar, dass der US-Amerikaner irgendwann eine neue Herausforderung außerhalb der niedersächsischen Stadt annehmen würde. Die Wahl fiel schließlich auf Zwickau. "Der ehemalige Sportchef David Wagner hatte mich angerufen. Anschließend haben wir uns getroffen. Von der ersten Minute war eine Vertrautheit da", erinnert Enochs sich.

Genauso frei von Vorurteilen wie er 1994 aus Kalifornien nach Deutschland kam, hatte er sich im Sommer 2018 auf den Weg von Osnabrück nach Zwickau gemacht. "Nur wer sich neuen Aufgaben stellt, kommt im Leben auch weiter. Meine Familie und ich haben die Leute hier als sehr freundlich, offen und fußballverrückt kennengelernt. Es gefällt uns sehr gut in Sachsen", sagt der zweifache Familienvater.

Erst der Klassenerhalt, dann die Vertragsgespräche

An seiner positiven Grundhaltung kann auch die sportliche Entwicklung in der Phase vor der Winterpause nichts ändern. Nach nur einem Sieg aus den vergangenen acht Spielen befinden die Zwickauer sich als Tabellen-14. mit 24 Punkten wieder mitten im Abstiegskampf. Im Herbst hatte der FSV nach einer Erfolgsserie kurzzeitig sogar an den vorderen Regionen gekratzt. Doch wer sich für Zwickau entscheidet, der muss mit Rückschlägen rechnen. Der Klub ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. Der Etat von rund 2,6 Millionen Euro für die Profimannschaft gehört zu den kleinsten der 3. Liga.

Anstatt zu jammern, versprüht der studierte Kriminologe den typisch US-amerikanischen Optimismus. "Die Arbeitsweise des Vereins, mit begrenzten Mitteln sportlich viel zu erreichen, passt gut zu mir. Wir müssen häufig andere Wege finden, um potenzielle Neuzugänge davon zu überzeugen, nach Zwickau zu wechseln. Aber das gehört zu den Dingen, die die Aufgabe beim FSV auch so reizvoll machen", sagt Enochs. Lediglich die Mundart bereitete ihm anfangs Probleme. "Das war nicht immer einfach für mich. Einige Wörter kannte ich nicht. Dennoch finde ich den sächsischen Dialekt cool."

Seine kommunikative, aber stets bescheidene Art kommt auch in der Kabine gut an. Das kann FSV-Sportdirektor Toni Wachsmuth, unter Enochs in der vergangenen Saison noch Abwehrchef, bestätigen. "Joe identifiziert sich zu 100 Prozent mit dem Verein. Er lebt jeden Tag die Werte vor, die uns auszeichnen: Ehrlichkeit, Loyalität und harte Arbeit", sagt Wachsmuth, der sich regelmäßig mit Enochs austauscht.

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Zu den Themen, die besprochen werden, gehört auch eine mögliche weitere Zusammenarbeit über diese Saison hinaus. Der Vertrag von Enochs in Zwickau endet am 30. Juni. "Fakt ist, dass wir uns auch darüber unterhalten", betont Wachsmuth. Doch zunächst soll alles dem Saisonziel untergeordnet werden. "Ich bin vom Klassenerhalt überzeugt. Wir haben eine tolle Mannschaft", sagt Enochs voller Tatendrang. Das erste Punktspiel nach der Pause bestreitet der FSV am Samstag beim 1. FC Magdeburg. (dpa)

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