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Mit dem Auslaufen für Profis ist nun Schluss

Neugersdorf hat auf Spieler aus Tschechien gesetzt. Doch in die neue Oberliga-Saison geht der FCO mit einer anderen Strategie. Dahinter steckt mehr als Corona.

Der ehemalige Bundesliga-Profi Jiri Stajner (rechts), auf diesem Bild im Duell mit Marcell Jansen, war das schillerndste Beispiel für einen Fußballer, der seine Karriere in der Oberlausitz ausklingen lassen wollte.
Der ehemalige Bundesliga-Profi Jiri Stajner (rechts), auf diesem Bild im Duell mit Marcell Jansen, war das schillerndste Beispiel für einen Fußballer, der seine Karriere in der Oberlausitz ausklingen lassen wollte. © dpa/Kay Nietfeld

Dresden. Es ist fast eine Revolution, die sich beim FC Oberlausitz Neugersdorf vollzogen hat, ein Umbruch allemal. Wenn die Mannschaft am Sonnabend mit einem Heimspiel gegen den FSV Martinroda – sogar vor Zuschauern – in die neue Saison der NOFV-Oberliga startet, wird kein einziger tschechischer Feldspieler im Aufgebot stehen. Wann hatte es das zuletzt gegeben? Alle sechs, die 2019/20 da waren, haben den Verein im Sommer verlassen.

Tschechen in Neugersdorf – schon die geografische Lage legt das nahe. Varnsdorf ist praktisch der Nachbarort. Der dort ansässige Klub spielt seit 2010 in der zweiten tschechischen Liga. Und das Stadion von Slovan Liberec, mehrfacher Champions-League-Teilnehmer, ist nur knapp 50 Kilometer entfernt. Mit beiden Vereinen gibt es langjährige Kooperationen, und von beiden kamen immer wieder Profis, die ihre Karriere in einer dennoch anspruchsvollen Liga ausklingen lassen wollten – und ein paar Euro dazuverdienen.

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Schillerndstes Beispiel: Jiri Stajner. Der Mann, der in 229 Bundesligaspielen 42 Tore schoss, kam 2014 mit 38 Jahren zum FCO. In 13 Oberligaspielen traf er sechsmal, hinterließ keinen bleibenden Eindruck. Ganz anders Jan Nezmar. Er kam 2013, traf in 48 Oberligaspielen 53-mal und war auch in der Regionalliga mit fast 40 Jahren ein Unterschiedsspieler. Ein Höhepunkt seiner Laufbahn vor dem FCO: 2002 stand er mit Slovan Liberec im Viertelfinale der Europa League, schied dort gegen den späteren Finalisten Borussia Dortmund aus. Oder nehmen wir Stepan Vachousek, der vor zwei Jahren in Neugersdorf Regionalliga spielte und einst für die Ablöse von 2,5 Millionen Euro zu Olympique Lyon wechselte.

Torwart setzt Tradition fort

Mit dem Auslaufen der Alt-Profis soll nun Schluss sein, fasst Vorstandsmitglied Lothar Berndt die neue Ausrichtung zusammen: „Das werden wir nicht mehr machen.“ Nicht zuletzt, weil man die vierstelligen Beträge, welche die Top-Fußballer erhielten, nicht mehr stemmen möchte und kann. Die Corona-Krise zwingt den Verein noch mehr als ohnehin zum Sparen, nachdem sich der große Mäzen und Maschinenfabrikant Ernst Lieb weitgehend zurückzog. Sponsoren- und Zuschauereinnahmen fehlen. Eine Folge: Trainer Stefan Fröhlich musste seinen Posten als Sportlicher Leiter abgeben. Eine volle Stelle ist nicht mehr drin. Die Aufgabe übernimmt der ehrenamtliche Vorstand.

Die Kooperation mit dem Nachbarland bleibe unangetastet, betont Berndt. Und einen jungen Spieler wie Jakub Morawec hätte man gern gehalten. Der aber nahm ein Angebot aus Bischofswerda an. Bleibt mit Patrik Klouda noch ein Tscheche im Kader. Der 23-Jährige stammt von nebenan aus Varnsdorf. Er setzt eine Dynastie tschechischer Torleute beim FC Oberlausitz fort. Die hat immerhin Bestand.

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Die eigene Nachwuchsarbeit sei inzwischen so gut, dass man im Nachbarland kaum bessere Talente findet, sagt Berndt. Aber auch das gehört zur Wahrheit: In der A-Jugend, die soeben Sachsenmeister wurde, spielt mit Martin Hamada einer mit, dem der Durchbruch zur Oberliga bald zugetraut wird. Er ist Tscheche.

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