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Fußball-Plan für Brasiliens Mädchen

Das Kinderhilfswerk Plan International Deutschland besteht seit 25 Jahren. Auch in Sachsen gibt es mehr als 5.800 Paten.

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© Plan/Maike Röttger

Am Anfang waren viele Ideen, großer Enthusiasmus und ein kleines Büro in Hamburg. Am 1. März feiert die deutsche Organisation des Kinderhilfswerks Plan International ihr 25-jähriges Bestehen. Jedes Jahr bietet es rund drei Millionen Menschen weltweit Hilfe zur Selbsthilfe. Plan-Helfer arbeiten heute in 50 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Möglich wird das durch mehr als 300.000 Kinder-Patenschaften, die das Hilfswerk betreut.

Dr. Werner Bauch (66) ist Gründungsmitglied und seit 1997 Vorstandsvorsitzender von Plan InternationalDeutschland e.V. Er war viele Jahre Geschäftsführer einer PR-Agentur.
Dr. Werner Bauch (66) ist Gründungsmitglied und seit 1997 Vorstandsvorsitzender von Plan InternationalDeutschland e.V. Er war viele Jahre Geschäftsführer einer PR-Agentur. © PR

Herr Dr. Bauch, Ihre Organisation hat in Brasilien ein Fußball-Mädchen-Projekt gestartet. Brauchen die Brasilianer Nachhilfe im Fußball?

Nein, darum geht es nicht. Brasilien ist auch im Frauen-Fußball eine Macht. Mit unserem Projekt nutzen wir den Fußball als ein Instrument, um Mädchen mehr Selbstbewusstsein zu geben. In Schulungen erfahren sie, welche Rechte sie haben und setzen sich mit HIV/Aids, häuslicher Gewalt und anderen wichtigen Themen auseinander. Gerade im armen Nordosten des Landes sind Mädchen und junge Frauen oft benachteiligt.

Auch in Ghana und Indonesien haben Sie ähnliche Projekte. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Sehr gute. In vielen Ländern spielen Mädchen eine untergeordnete Rolle. Jungen werden in den Familien meist für wichtiger gehalten. Es sind Traditionen, an denen man mit Brachialgewalt nichts ändern kann. Aber der Fußball hilft, die Probleme zu besprechen und das Selbstbewusstsein der Mädchen zu entwickeln, auch wenn Männer unser Projekt zunächst belächeln. Bei den Spielen schauen dann viele Väter und Brüder zu und feuern die Mädchen an.

Ihr Jubiläumsmotto lautet: „Kinder brauchen Fans“. Warum haben Kinder in vielen Ländern zu wenig Beistand?

Plan arbeitet in 50 Ländern und dort vor allem in den ärmsten Regionen. Die Staaten sind nicht in der Lage, allen Kindern ein Mindestmaß an Chancengleichheit zu ermöglichen. Das gilt vor allem für die Bildung, aber auch für den Zugang zu Gesundheitsversorgung.

Was sind die größten Hindernisse bei der Arbeit von Plan?

Was wir machen, ist Hilfe zur Selbsthilfe. Bevor wir ein Projekt in einer Gemeinde starten, reden wir mit dem Bürgermeister und allen Bewohnern. Die Hilfsmaßnahmen werden gemeinschaftlich erarbeitet und sind so ohne große Probleme umsetzbar. Natürlich stoßen wir auf Traditionen und Verhaltensregeln, die uns fremd sind. Wir sind eine Organisation, die politisch und religiös unabhängig ist. Deshalb haben wir kein Problem damit, von den Menschen vor Ort akzeptiert zu werden.

Wie zufrieden sind Sie mit der Spendenbereitschaft der Deutschen?

Vor unseren Paten ziehe ich den Hut. Sie unterstützen unsere Projekte durchschnittlich zwölf bis 13 Jahre. Es gibt Menschen, die halten Plan sogar schon seit 25 Jahren die Treue. Ohne sie wäre unsere Arbeit nicht möglich. In Sachsen könnten wir allerdings noch deutlich wachsen; zurzeit fördern 5 823 Patinnen und Paten unsere Arbeit.

Patenschaften sind das Herzstück der Arbeit von Plan. Kritiker Ihrer Arbeit sprechen hingegen abfällig vom Geschäft mit den Kulleraugen. Was halten Sie dem entgegen?

Wir betreiben kein Geschäft mit Kulleraugen und natürlich bekommen Patenkinder auch kein Geld ausgezahlt. Die Patenschaft gibt einer Spende ein Gesicht und der damit ermöglichte Kontakt über religiöse, politische und kulturelle Grenzen hinweg trägt zum gegenseitigen Verständnis bei. Die Kinder sind Botschafter ihrer Gemeinden, die wir fördern, die die Lebensbedingungen der Menschen verbessern. Wenn ein Brunnen gebohrt, eine Wasserleitung gelegt, eine Schule gebaut wird, profitieren alle – jedes Kind und jede Familie. Viele Paten besuchen jedes Jahr ihre Patenkinder. Sie können vor Ort sehen, was mit ihrem Geld entsteht.

Bei ihrer Arbeit begegnen Plan-Helfer oft bitterer Armut. Die Uno will Hunger und Armut bis 2015 halbieren. Ist das Ziel noch erreichbar?

Nein, das ist ausgeschlossen. Ich befürchte, es wird noch Jahrzehnte dauern, bis jedes Kind auf der Welt gut ernährt ist.

Was hat sich Plan für die nächsten 25 Jahre vorgenommen?

Ich sehe für die nächsten 25 Jahre drei Schwerpunkte. Plan wird sich weiter darum bemühen, die Rechte von Mädchen zu stärken. Das, was in Europa gang und gäbe ist, müssen wir auch in den Entwicklungsländern schaffen. Unerlässlich ist auch, die Folgen des globalen Klimawandels zu begrenzen. Und drittens ist der Umgang mit Behinderten – also die Inklusion – ein wichtiges Thema. Sie werden in vielen Entwicklungsländern ausgegrenzt und benachteiligt, wofür es oft noch nicht einmal ein Unrechtsbewusstsein gibt.

Das Gespräch führte Frank Grubitzsch.