SZ + Sport
Merken

Red Bull erlässt Leipzig viele Schulden

100 Millionen Euro will der Brausekonzern nicht zurück. Durch das 1:1 gegen Paderborn gerät das Saisonziel in Gefahr, und eine Personalie sorgt weiter für Wirbel.

 4 Min.
Teilen
Folgen
RB-Trainer Julian Nagelsmann ärgert sich über das 1:1, kann sich aber über ein Millionengeschenk freuen.
RB-Trainer Julian Nagelsmann ärgert sich über das 1:1, kann sich aber über ein Millionengeschenk freuen. © dpa/Hannibal Hanschke

Von Frank Kastner

Leipzig. Der 100-Millionen-Deal mit Geldgeber Red Bull und der bevorstehende Abschied von Timo Werner ließen das enttäuschende 1:1 gegen Schlusslicht SC Paderborn bei RB Leipzig fast zur Nebensache werden. Die nächsten Tage werden für die Rasenballer spannend, denn bis zum 15. Juni muss Werner seine Ausstiegsklausel für den sich anbahnenden Wechsel zum FC Chelsea nutzen. „Bislang hat weder Timo Werner bei uns die Klausel gezogen, noch hat irgendein Verein uns einen Transfervertrag geschickt. Bis jetzt ist nichts in trockenen Tüchern“, sagte RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff dazu.

Dafür bestätigte RB einen länger zurückliegenden Millionen-Deal mit Red Bull. Durch einen Schuldenerlass von 100 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2018/2019 hat der Bundesligist dank seines Geldgebers Red Bull sein Eigenkapital gestärkt. „Es ist eine Transaktion, die völlig üblich ist, insbesondere in der freien Wirtschaft, aber auch im Fußballgeschäft und auch in der Bundesliga“, erklärte Finanzdirektor Florian Hopp. Für ihn sei die Transaktion ein Glücksfall in der Corona-Krise.

Moralische Kritik an dem Geschäftsmodell mit dem Brausehersteller weist Hopp zurück. Der 40-Jährige betonte, dass es sich nicht um eine Schenkung des Geldgebers handele. „Die Frage ist klar zu verneinen. Dann würde auch Schenkungssteuer anfallen, was nicht der Fall ist. Darüber hinaus bekommt Red Bull seinen Zinsverlust in Form einer Vorzugsdividende ausgeglichen“, sagte Hopp. Es sei auch nicht so, dass Leipzig jetzt zusätzliche 100 Millionen Euro auf dem Konto habe. Allerdings sank der Schuldenbetrag von RB beim österreichischen Unternehmen von 186 auf 86 Millionen Euro.

Ballack spricht sich für Werners Wechsel zu Chelsea aus

Öffentlich wurde die Transaktion nur, weil die Spielbetriebs-GmbH der Leipziger alljährlich ihren Jahresabschluss im Bundesanzeiger veröffentlichen muss. Dort heißt es, dass „eine Umwandlung von Gesellschafterdarlehen in Höhe von 100 Millionen Euro in die Kapitalrücklage“ stattgefunden habe. Ein Verstoß gegen das Financial Fair Play liegt dabei wohl nicht vor, andere Klubs wie der Hamburger SV hatten in der Vergangenheit ähnlich agiert. Allerdings betonte Mintzlaff zuletzt immer wieder, dass die Gelder von Red Bull Darlehen seien, die zurückgezahlt werden müssen.

Der RB-Finanzchef begründete den Schritt vor allem mit der sportlichen Entwicklung bis in die Champions League. Wachsende Spielergehälter sowie breitere Strukturen im Verein und die Umsatzsteigerungen machten den Schuldenerlass notwendig, um den Verein durch gestärktes Eigenkapital krisensicherer zu machen.

Dafür sollen in Kürze 50 bis 60 Millionen durch den Werner-Wechsel fließen – auch wenn niemand den Deal offiziell bestätigen wollte. Dafür äußerte sich der frühere Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack, der mit Chelsea-Trainer Frank Lampard von 2006 bis 2010 für die Blues spielte. „Ich glaube, mit Chelsea hat er sich für einen Verein entschieden, wo er eine größere Chance hat zu spielen, was sehr wichtig ist für ihn“, sagte der Görlitzer.

Nagelsmann ärgert sich über Gelb-Rot für Upamecano

Der sichtlich angefressene RB-Coach Julian Nagelsmann nahm den dieses Mal torlosen Werner in Schutz. „Nein, es hat ihn nicht belastet. Es hat nichts mit dem Rummel um seine Person zu tun, den Rummel kennt er, seitdem er vierzehneinhalb ist“, sagte er. Zuvor hatte der 24 Jahre alte Angreifer zwei Großchancen vergeben, in der 66. Minute sogar das leere Tor verfehlt.

Das mangelnde Durchsetzungsvermögen gegen den Tabellenletzten lässt Nagelsmann, der die bislang erfolgreichste Saison des Klubs mit 67 Punkten 2016/2017 toppen will, am eigenen Anspruch zweifeln. RB gelang in drei Spielen seit dem Neustart kein Heimsieg, sechs Zähler wurden leichtfertig verspielt. „Wir hätten einen Riesen-Schritt Richtung Champions League machen können, das war uns allen bewusst“, haderte Kevin Kampl und betonte: „Dass dann so was passiert, ist extrem unnötig.“

Gemeint war die Gelb-Rote Karte für Dayot Upamecano wegen Ballwegschlagens (44.). Die Szene ärgerte auch Nagelsmann: „Ich hoffe, dass die Mannschaft das Gefüge hat, es selbst zu klären.“ Nagelsmann vermisste bei seiner Mannschaft zudem den Killerinstinkt. Zwar war die Führung durch Patrik Schick (27.) nach Vorlage von Werner schön herausgespielt, danach fehlte aber Kaltschnäuzigkeit. Nach der Pause brachen die dezimierten Leipziger komplett ein. (dpa/mit SZ/dk)