merken
PLUS Sport

Geht es in Bischofswerda mit Geisterspielen weiter?

Bei den Fußball-Regionalligisten gehen die Meinungen weit auseinander, ob weitergespielt werden soll. Und es gibt noch eine andere Idee.

Vereinschef Jürgen Neumann hofft mit dem Bischofswerdaer FV auf eine vernünftige Lösung.
Vereinschef Jürgen Neumann hofft mit dem Bischofswerdaer FV auf eine vernünftige Lösung. © Foto: Steffen Unger

Bischofswerda. Wie geht es weiter in der Fußball-Regionalliga? Der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) versuchte, sich mittels einer Videokonferenz mit den 18 Viertliga-Vereinen ein Bild über die aktuelle Stimmungslage zu machen. Das Ergebnis lässt Zweifel aufkommen, dass der NOFV einer Entscheidung, ob die Saison zu Ende gespielt oder abgebrochen wird, ein Stück nähergekommen ist.

„Bezüglich der Fortführung des Spielbetriebes zeichnete sich ein gemischtes Meinungsbild unter den Vereinen ab“, heißt es in einer Pressemitteilung. Demnach sei die Mehrheit bestrebt, den sportlichen Wettbewerb fortzuführen – unter der Prämisse, die Meisterschaft bis möglichst zum 30. Juni zu beenden. Eine Fortführung der Saison mit Spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit sei dagegen „für eine Mehrzahl der Vereine schwer zu realisieren“.

PPS Medical Fitness GmbH
Physiotherapie bei PPS Medical Fitness
Physiotherapie bei PPS Medical Fitness

Krankengymnastik, Bewegungsbad, physikalische Therapie, Lymphdrainage, Massagen, Outdoor-Training - PPS Medical Fitness ist für Ihre Unterstützung rundum aufgestellt.

Ein weiteres Problem wäre die unterschiedliche Anzahl der noch zu absolvierenden Spiele. Der Bischofswerdaer FV, Schlusslicht der Regionalliga, müsste noch 15 Partien absolvieren. Da die Fortsetzung der Meisterschaft mindestens zwei Wochen zuvor angekündigt werden soll, könnte es frühestens am zweiten Mai-Wochenende weitergehen. Für Bischofswerda bedeutet das, vorausgesetzt der 30. Juni bleibt als Enddatum bestehen: 15 Partien in sieben Wochen. Das klingt immer noch machbar. Die meisten Vereine sehen den 15. Mai als Stichtag. Rollt der Ball bis dahin nicht, bliebe nur das vorzeitige Saisonende.

Bei Geisterspielen nur Kosten, aber keine Erträge

Noch entscheidender ist aber der wirtschaftliche Aspekt. „Bei Geisterspielen gibt es nur Kosten, aber keine Erträge“, sagt der Babelsberger Präsident Archibald Horlitz.
Bis zu 6.000 Euro koste viele Vereine eine Regionalligapartie, bei Hochsicherheitsspielen kann die Summe sogar in den fünfstelligen Bereich steigen. Bischofswerdas Vereinschef Jürgen Neumann kann sich Geisterspiele zwar vorstellen, „aber selbstverständlich muss die Verantwortlichkeit geklärt sein. Liegt sie beim Staat?“.

Für das Sicherheitsspiel gegen Energie Cottbus rechnet der BFV mit rund 2.000 Zuschauern. „Die Einnahmen würden fehlen, aber der organisatorische Aufwand bei Geisterspielen ist aus meiner Sicht höher als bei regulären Partien. Wir als kleiner Verein könnten das Stadionumfeld niemals frei halten. Dazu fehlen uns die finanziellen Mittel“, erklärt Neumann.

Sollte die Saison ohne Zuschauer fortgesetzt werden, erwägt der NOFV mit Unterstützung des MDR und des RBB den Vereinen Übertragungen via Livestreams auf ihrer Homepage zu ermöglichen.

Weiterführende Artikel

Wegen Corona mit Abstand in die Saison

Wegen Corona mit Abstand in die Saison

Mit einem Hygienekonzept im fremden Stadion: Der Bischofswerdaer FV startet unter ungewöhnlichen Umständen in sein drittes Regionalliga-Jahr.

Abbruch oder weiter? Spaltung in 3. Liga

Abbruch oder weiter? Spaltung in 3. Liga

Acht Vereine kontern mit einem Positionspapier das Vorpreschen bayrischen Klubs. Und es gibt noch eine weitere Idee: die zweigleisige Liga.

Sportlich stellt sich die Frage, ob Bischofswerda bei einem Abbruch der Serie als Tabellenletzter absteigen müsste. „Wir planen für beide Ligen“, sagt Neumann. „Neue Spieler nehmen wir aber nicht unter Vertrag, solange die Zukunft offen ist.“ Geht es nach Martin Mieth, dem Geschäftsführer des Tabellenzweiten Lok Leipzig, soll es unbedingt eine sportliche Entscheidung geben, „denn wir arbeiten seit 2015 auf die dritte Liga hin“.
Derzeit ist Lok punktgleich mit Spitzenreiter Altglienicke, der Dritte Energie Cottbus hat fünf Zähler Rückstand. Sollten die Spieltage nicht mehr komplett stattfinden können, gibt es inzwischen auch die Idee, dass das Trio in einer Art Miniturnier den Teilnehmer an der Aufstiegsrelegation zur 3. Liga ermittelt. Einen Absteiger gäbe es in diesem Fall wohl nicht.

Mehr zum Thema Sport