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Reportage lüftet ein Fußball-Geheimnis

Was spricht der Schiedsrichter auf dem Platz? Das war auch bei Dynamos Videobeweis-Protest die Frage. Die ARD darf bei Deniz Aytekin mithören.

Schiedsrichter Deniz Aytekin findet den Videobeweis hilfreich, obwohl er manchmal sogar zu falschen Entscheidungen führen kann.
Schiedsrichter Deniz Aytekin findet den Videobeweis hilfreich, obwohl er manchmal sogar zu falschen Entscheidungen führen kann. © dpa/Revierfoto

Dresden. Der Antrag wird genauso abgelehnt wie später der Einspruch. Mit dem Funkverkehr zwischen dem Schiedsrichter auf dem Platz und dem Videoassistenten im Kölner Keller wollte Dynamos Rechtsanwalt den Regelverstoß nachweisen, um den Protest durchzusetzen. Beim 2:3 gegen Darmstadt am 7. Februar war ein Tor von Patrick Schmidt für die Dresdner nach Videobeweis nicht gegeben worden – wegen Abseits, was der Unparteiische Michael Bacher als Fehler einräumte. Das Sportgericht entschied trotzdem, an der Tatsachenentscheidung sei nicht zu rütteln.

Was vorher gesprochen wurde, darauf komme es nicht an, erklärte Richter Hans E. Lorenz nach dem Urteil im Gespräch mit der SZ: „Wenn Schiedsrichter während eines Spiels untereinander sprechen, dann ist das nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.“ Mit einer Ausnahme. Für die Reportage „Karten. Pfiffe. Fette Bässe.“ durfte die ARD-Sportschau Schiedsrichter Deniz Aytekin in der Bundesliga begleiten und – mithören. Es werde, heißt es zu Beginn, „eines der letzten Geheimnisse im Profi-Fußball“ gelüftet: „Was besprechen die Schiedsrichter auf dem Platz?“

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Man versteht nicht jedes Wort, bekommt aber ein Gefühl dafür, was von außen auf ihn einprasselt, schließlich bekommt er Ansagen von vier Leuten aufs Ohr: seine beiden Assistenten, der vierte Offizielle am Spielfeldrand und der Video-Referee. Aytekins Ansage vor dem Spiel: „Wir machen unser Ding – dann Köln.“

„Gelb! Das musst du machen, Deniz“

Ein Bild vom Januar 2018: Schiedsrichter Deniz Aytekin (M.) zeigt Dynamos Niklas Hauptmann (2. v. r.) die Gelbe Karte. Damals wurde der Videobeweis in der 2. Bundesliga noch nicht angewendet.
Ein Bild vom Januar 2018: Schiedsrichter Deniz Aytekin (M.) zeigt Dynamos Niklas Hauptmann (2. v. r.) die Gelbe Karte. Damals wurde der Videobeweis in der 2. Bundesliga noch nicht angewendet. ©  dpa/Sebastian Kahnert

Den Beobachter am Bildschirm sieht er dennoch als Hilfestellung. „Der Videoassistent gibt die Sicherheit, dass uns ganz gravierende Fehler nicht passieren können“, sagt der 41 Jahre alte Franke, der auch international pfeift. In Einzelfällen wie dem von Dynamo wurden allerdings aus richtigen erst falsche Entscheidungen, weshalb die Kritik nicht abreißt.

Dabei ist es durchaus erheblich, was von außen auf den Unparteiischen einprasselt und zu hinterfragen, wie unabhängig er trotzdem noch sein kann: „Gelb! Das musst du machen, Deniz“, ruft einer zum Beispiel fordernd. Doch die 30-minütige Dokumentation, die in der ARD-Mediathek zu finden ist, vermittelt über die Kommunikation hinaus einen Einblick, wie stressig es sein kann, ein Fußballspiel zu leiten – und wie kompliziert, selbst in Zeitlupe den richtigen Blick auf eine strittige Szene zu bekommen. „Du siehst es nirgends …“ Auch diese Einsicht gehört dazu.

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Ein Erfolg für den Schiedsrichter sei es, wenn er in der Sportschau nicht erwähnt wird, meint Aytekin. „Hey, cool! Kein Mensch will etwas von uns, kein Mensch redet über uns. Das ist schon ein Glücksmoment für uns.“ Und dann auch fürs Spiel.

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