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Fußball statt Chefsessel

Bodo Lehnig leitet das Goethe-Gymnasium in Bischofswerda. Einmal in der Woche kickt er mit seinen Schülerinnen.

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Von Sebastian Martin

Eigentlich hat Bodo Lehnig überhaupt keine Zeit. Auf dem Schreibtisch des Schulleiters stapelt sich die Arbeit. Klausuren müssen kontrolliert, Unterrichtsstunden vorbereitet und Entscheidungen für das Bischofswerdaer Goethe-Gymnasium getroffen werden. „Die Zeit werde ich später in meinem Büro ranhängen müssen“, sagt der Pädagoge.

Dann tauscht Bodo Lehnig Hemd und Jeans gegen Trikot und Jogginghose. Denn in den nächsten anderthalb Stunden wird er statt an der Tafel in der Turnhalle stehen. „Mädchenfußball“ steht in seinem Terminkalender – so wie jeden Freitag seit Schuljahresanfang. „Die Idee für das Ganztagesangebot kam von unseren Schülerinnen“, sagt Bodo Lehnig, während in der Turnhalle bereits die ersten Bälle durch die Luft fliegen.

Franziska Schulze und Lisa-Marie Kathe machen sich warm. Fast so elegant wie Messi und Co. jonglieren sie mit dem runden Leder. Ob mit links, rechts oder mit dem Kopf – die beiden Schülerinnen könnten es in Sachen Fußballtechnik wahrscheinlich mit jedem Jungen in ihrer Klasse aufnehmen. Und auch ihre Schüsse lassen sich sehen. Immer wieder hauen Franziska und Lisa-Marie den Ball aufs Tor. Geht er daneben, gibt‘s einen ordentlichen Knall an der Wand.

Mehr als Zeitvertreib

„So Mädels“, sagt Bodo Lehnig, der gerade die Turnhalle betritt und die Anwesenden zählt. 17 Spielerinnen müssten da sein. Doch wieder sind es zu wenig. Tanzstunde oder Theaterkurs – die Entschuldigungen für die fehlenden Mädchen sind verschieden. Bodo Lehnig rümpft mit der Nase. Er mag es nicht, wenn das Training geschwänzt oder auf die leichte Schulter genommen wird. Denn das Ganztagesangebot soll kein netter Zeitvertreib sein. Dafür ist seine Zeit zu kostbar. „Auch wenn der Spaß im Vordergrund steht, wir trainieren hier leistungsorientiert und wollen eine bestimmte Qualität erreichen“, sagt der Schulleiter.

Wie sich das fußballerische Niveau verbessern lässt, das weiß kaum einer besser als Bodo Lehnig. Zehn Jahre hat er die Damenmannschaft von Großdubrau trainiert – eine der erfolgreichsten im Landkreis Bautzen. Von diesen Erfahrungen profitieren die Schülerinnen. Das bemerkt der Beobachter gleich am Anfang des Trainings. Denn anstatt die Mädchen nur sinnlos gegen den Ball treten zu lassen, lässt Bodo Lehnig die beiden gegnerischen Mannschaften mit zwei Bällen auf vier Tore spielen. Und das auf engstem Raum, damit der Umgang mit dem Ball verfeinert wird. „Das Ziel ist, dass das eine oder andere Mädchen vielleicht mal auf höherem Niveau spielen kann“, sagt er. Deshalb stehen Taktik und Technik im Mittelpunkt seines Trainings.

Bodo Lehnig hat viel vor. Der Fußballlehrer will in naher Zukunft eine Frauenfußballmannschaft in Bischofswerda etablieren. Und zwar eine, die auf Großfeld spielt und mit starken Gegnern wie mit den Damen aus Großdubrau mithalten kann. Desahlb sucht Bodo Lehnig derzeit den Kontakt mit den Verantwortlichen beim BFV 08.

Fußball-Karriere im Blick

Franziska Schulze könnte sich vorstellen, professionell Fußball zu spielen. Die 15-jährige Bühlauerin zählt zu den stärksten im Team. Allerdings gibt sie zu, dass sie kaum Zeit hätte, mehr zu trainieren. „Das Ganztagesangebot in der Schule ist praktisch, da ich direkt nach dem Unterricht trainieren kann und nicht erst extra irgendwo hinfahren muss“, sagt Franziska.

Dann schnappt sie sich wieder den Ball. Die nächste Übung steht auf dem Programm. Diesmal wird die Ballannahme trainiert. Für Franziska kein Problem. Elegant holt sie den zugeworfenen Ball aus der Luft. „Genau so“, ruft Bodo Lehnig. Er ist zufrieden mit dem Training. „Die Mädchen sind lernwilliger und fassen schneller auf“, sagt der Fußballlehrer. „Die Jungs sind dagegen eher Instinktfußballer.“