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Wie geht es bei Dynamo nach der Minge-Ära weiter?

Dynamo spielt heute in Hannover, aber das heiß diskutierte Thema ist die Trennung vom Sportchef. Wer sein Nachfolger wird? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Ralf Minge als stiller Beobachter beim Training der Dynamo-Profis im Großen Garten. Der Vertrag des Sportgeschäftsführers wird nicht verlängert. Wie geht es jetzt weiter?
Ralf Minge als stiller Beobachter beim Training der Dynamo-Profis im Großen Garten. Der Vertrag des Sportgeschäftsführers wird nicht verlängert. Wie geht es jetzt weiter? © Lutz Hentschel

Dresden. Rums! Der erste Rauch ist verflogen nach der Nachricht, die den Dynamo-Kosmos erschüttert hat: Kein neuer Vertrag für Ralf Minge. Die Gespräche über eine Verlängerung mit dem  Sportgeschäftsführer über den 30. Juni hinaus sind krachend gescheitert. Beide Seiten haben ihre Standpunkte nach der Entscheidung via Pressemitteilung ausgetauscht, was nur noch deutlicher unterstreicht, wie gestört das Vertrauensverhältnis ist. 

Dem Aufsichtsrat fehlt die Überzeugung, Minge das Vertrauen.

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Wer daran welchen Anteil hat, ist letztlich egal. Das Ergebnis bleibt in der Außenwirkung verheerend, weil das Image vom Chaos-Klub mal wieder bedient wird. Personalquerelen in der Chefetage gehören zu Dynamo wie die Semperoper zu Dresden. Doch was kommt nach dieser alles andere als einvernehmlich vollzogenen Trennung? Die SZ gibt Antworten auf die fünf Fragen, die jetzt am wichtigsten sind.

Wieso wurde gerade jetzt und so entschieden?

Minge hat eine Ära geprägt, die mehr als sechs Jahre seit seiner Rückkehr im Februar 2014 seien "sportlich und finanziell als historisch zu betrachten", hieß es dazu vom Aufsichtsrat. Zu den Gründen, die zur Trennung geführt haben, gibt es vom Kontrollgremium jedoch keine weiteren Aussagen. Auf Anfrage der SZ wird aus der Pressemitteilung vom Montagabend zitiert, wonach „für beide Seiten nun nicht mehr die volle Überzeugung“ bestehe, den bisherigen Weg gemeinsam fortsetzen zu wollen.

Grundsätzlich gelte: „Inhalte und Themen aus Aufsichtsratssitzungen sind vertraulich.“ Damit blieb auch unbeantwortet, welche Optionen es für eine Weiterbeschäftigung von Minge über den 30. Juni hinaus gegeben und wer welche davon abgelehnt hat.

Was bedeutet das für die Mannschaft im Abstiegskampf?

Markus Kauczinski spielt die Wirkung bewusst herunter: „Ich glaube, dass es für uns auf dem Platz keine negative Rolle spielen wird“, meint er. Immerhin ist der Cheftrainer einen halben Tag vor der Veröffentlichung vom Aufsichtsrat informiert worden. Die Nachricht stört trotzdem mindestens indirekt die Vorbereitung auf das Spiel am Mittwochabend, 18.30 Uhr, bei Hannover 96.

Außer Marco Hartmann, der bereits seit 2013 bei Dynamo spielt, hat Minge tatsächlich alle Profis aus dem derzeitigen Aufgebot nach Dresden geholt, viele mit seiner persönlichen Art überzeugt. Der Trainer hofft nun, dass sich diese Verbundenheit positiv auswirkt. „Vielleicht können die Jungs zeigen, dass sie ein bisschen für Ralf spielen.“

Mit Marcus Kauczinski (M.) hat Ralf Minge am 10. Dezember 2019 einen neuen Chefcoach vorgestellt, nachdem sein selbsternanntes Trainer-Projekt mit Cristian Fiel nicht aufgegangen war. Zuvor hatte er auch mit Maik Walpurgis keinen guten Griff gemacht.
Mit Marcus Kauczinski (M.) hat Ralf Minge am 10. Dezember 2019 einen neuen Chefcoach vorgestellt, nachdem sein selbsternanntes Trainer-Projekt mit Cristian Fiel nicht aufgegangen war. Zuvor hatte er auch mit Maik Walpurgis keinen guten Griff gemacht. ©  Foto: Rene Meinig

Allerdings verlieren sie einen Ansprechpartner, der gerade für jene Profis wichtig ist, deren Verträge ebenfalls zum 30. Juni enden. Außer Hartmann betrifft das Ersatztorwart Patrick Wiegers, Patrick Ebert, Brian Hamalainen sowie die insgesamt sieben Spieler, die von anderen Vereinen ausgeliehen sind. Das könnte zumindest unbewusst die Motivation beeinflussen.

Gibt es bereits Kandidaten für einen Nachfolger?

Erste Namen machen tatsächlich schon die Runde. Laut der Bild-Zeitung nennt Stefan Studer (56 Jahre/Scout bei Union Berlin), Robin Dutt (55, zuletzt Trainer in Bochum) sowie Ralf Becker (49, bis Mai 2019 Vorstand Sport beim Hamburger SV). Es ließe sich munter spekulieren – zum Beispiel über Christian Beeck (48), der die Funktion bei Energie Cottbus und Union Berlin innehatte. Oder Steffen Heidrich (52), Dynamos Kapitän bei den Aufstiegen 2002 und 2004.

Insgesamt 232 freie Manager listet das Internetportal transfermarkt.de auf, internationale Kandidaten nicht mitgezählt. Den zu finden, der die fachliche Kompetenz und dazu das Charisma mitbringt, um als Minge-Nachfolger bei Dynamo akzeptiert zu werden, ist jetzt die größte Herausforderung. Dazu erklärt der Aufsichtsrat: „Die Ausschreibung der Position des Geschäftsführers Sport werden wir in den nächsten Tagen veröffentlichen. Die Gespräche mit potenziellen Nachfolgern führen wir selbstverständlich vertraulich durch.“ Weitere Informationen gebe es derzeit nicht mitzuteilen.

Kauczinski geht nicht davon aus, in die Suche einbezogen zu werden. "Nein, das ist nicht üblich und auch nicht meiner Aufgabe", sagt der Chefcoach, den Minge als Nachfolger von Cristian Fiel im Dezember 2019 nach Dresden geholt hat.

Wer übernimmt die Planungen für die nächste Saison?

"Wir hatten uns natürlich zusammengesetzt und Eckdaten besprochen, ohne direkt mit Spielern zu reden", berichtet Kauczinski, denn: "Wir wissen nicht, wohin es sportlich geht." Als  potenziellen Verhandlungsführer nennt er Kristian Walter. Der Chefscout und Kaderplaner, der Minge während dessen krankheitsbedingter Auszeit im Frühjahr 2018 für rund drei Monate vertreten hatte, dürfte jedoch kaum mehr Rückhalt im Aufsichtsrat haben als Minge, weil Walter für die derzeitige sportliche Situation mitverantwortlich ist.

Sie sind keine besten Freunde, haben aber nach einigen Turbulenzen professionell zusammengearbeitet: Ralf Minge als Geschäftsführer für den sportlichen und Michael Born für den kaufmännischen Bereich. Übernimmt er nun die Vertragsgespräche mit Spielern?
Sie sind keine besten Freunde, haben aber nach einigen Turbulenzen professionell zusammengearbeitet: Ralf Minge als Geschäftsführer für den sportlichen und Michael Born für den kaufmännischen Bereich. Übernimmt er nun die Vertragsgespräche mit Spielern? © Lutz Hentschel

Michael Born kommt schon eher infrage. Der 52-Jährige ist seit 15. Juni 2016 bei Dynamo als kaufmännischer Geschäftsführer für Finanzen und Organisation zuständig, war aber zuvor unter anderem beim SC Paderborn bereits für den sportlichen Bereich verantwortlich. In der Saison 2013/14 stiegen die Ostwestfalen unter seiner Führung zum ersten Mal in die Bundesliga auf. Nachdem sie den Klassenerhalt verpasst haben, konnte die Talfahrt auch in der zweiten Liga nicht gestoppt werden, Born wurde im März 2016 entlassen. 

Wer die Gespräche mit Spielern, deren Verträge auslaufen sowie potenziellen Neuzugängen übernimmt, werde "intern zwischen den Verantwortlichen abgestimmt und entsprechend organisiert", heißt es auf Nachfrage der SZ vom Aufsichtsrat.

Wie geht es mit Minge bis Ende Juni weiter?

Der Aufsichtsrat erklärt dazu: "Ralf Minge ist bis zu seinem Vertragsende inhaltlich in die sportlichen Themen eingebunden." Er selbst verspricht in seiner am Dienstag versendeten Stellungnahme bezogen auf den Kampf um den Klassenerhalt in der zweiten Liga: "Die Mannschaft, das Trainerteam und auch ich werden bis zum letzten Tag alles geben, was in uns steckt."

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Die Saison endet für Dynamo mit dem Geisterheimspiel am Sonntag, dem 28. Juni - sofern die Schwarz-Gelben nicht auf  Platz 16 einkommt. Die Relegationsspiele gegen den Dritten der 3. Liga sollen laut derzeitigem Terminplan bis 7. Juli ausgetragen werden. Der 4. Juli ist allerdings als potenzieller Nachholspieltag für die 3. Liga hinterlegt. In diesem Fall würde die Relegation erst am 7. und 11. Juli ausgespielt werden.

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